Expecting Rain oder würzig & salzig

Expecting Rain oder würzig & salzig

“I will comment on his receiving the Nobel Prize, which to me is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.”

(Leonard Cohen über die Vergabe des Nobelpreises für Literatur an Bob Dylan)

Wer sich ernsthaft für Kunst interessiert, muss in den Louvre in Paris. Da muss man hin, da gehört man hin, das ist so etwas wie ein Zuhause für Kunstinteressierte.

Punkt.

An Picasso, Charlie Chaplin und Bob Dylan kommt man eigentlich auch nicht vorbei, wenn man über das 20. Jahrhundert spricht und sich für Kunst, Film und Musik interessiert.

Die drei sind wie Sergio Ramos, Jérôme Boateng und Giorgio Chiellini im Fußball in ihren besten Tagen, an denen kam auch kaum einer vorbei.

Wer sich ernsthaft für Bob Dylan und seine Musik und das ganze Drumherum interessiert, der muss Expecting Rain besuchen, das ist der Louvre für Bob Dylan im Internet.

Die Seite wird täglich aktualisiert und bietet Informationen und Links zu aktuellen Dylan-Inhalten auf Websites aus aller Welt.

Es ist sozusagen das Zuhause des Dylan-Verehrers, wenn er die Musik ausschaltet. Ich bin seit 20 Jahren Mitglied und schaue jede Woche rein, vielleicht auch zweimal.

Das ist jetzt ein bisschen wie bei meinem Hausarzt, als ich noch geraucht habe.

Der hat mich immer gefragt, wie viele Zigaretten ich am Tag rauche. Also, was sagt man jetzt? Ganz früher, wenn ich Stress hatte, war es bestimmt mehr als eine halbe Schachtel. Also 10 im Durchschnitt.

Dann habe ich das beim Arzt halbiert, dann sage ich „5, manchmal ein paar mehr“.

Jeder Raucher gibt beim Arzt weniger an, als er wirklich raucht, jeder. Das ist so eine geheime, unausgesprochene Absprache.

Der Arzt ist natürlich nicht blöd, der verdoppelt im Kopf die Anzahl der Zigaretten, das macht er immer und zieht daraus seine Schlüsse für die Untersuchung.

Versteht ihr, man kann da nicht ehrlich sein, denn wenn ich jetzt „10 bis 15“ gesagt hätte, dann denkt er ja, ich rauche bis zu 30, weil alle Raucher lügen. Und ich bekäme das Komplettpaket für die Untersuchung, die ich gar nicht brauche.

Bei Expecting Rain ist es ähnlich, wenn ich sage, ich schaue da zweimal die Woche rein.

In den Diskussionsforen habe ich mich 20 Jahre lang kaum beteiligt, da habe ich sicher keine 100 Beiträge veröffentlicht, wahrscheinlich nur kurze Kommentare, verzichtbar, mich kannte dort keiner.

Aber in den letzten zwei Monaten habe ich dort 50 Mal etwas geschrieben! Das sollte ich bald wieder lassen, dann fühlen sich alle dort wieder wohler.

Das Problem ist, dass ich gesagt habe, dass die Suppe versalzen ist.

So etwas, das rutscht mir manchmal unvermittelt heraus, wenn bei mir der Kanal schon lange, lange voll war, dann öffnet sich ein Ablaufventil damit der Druck nachlässt.

Ein illustrierendes Beispiel, damit ich das ER-Problem nicht technisch kompliziert und langatmig ausbreiten muss:

In unserer Nachbarschaft gibt es eine ältere Köchin, die früher in einem sehr bekannten Haus Küchenchefin war, sie hat hervorragend gekocht, sie war sehr bekannt.

Hier lädt sie privat einmal im Jahr 15 Leute zu Suppe und Getränken ein.

Das muss man jetzt nicht verdoppeln.

Ich bin seit 20 Jahren dort eingeladen, meine Frau ist immer dabei, mir gegenüber sitzt Anja, die wir noch besser kennen als die Köchin, und leider sind die Suppen seit 20 Jahren immer, aber auch immer für mich überwürzt.

Ich muss husten, wenn etwas zu stark gewürzt oder zu salzig ist.

Natürlich habe ich das nie gesagt, die Köchin ist sehr selbstbewusst und von sich überaus überzeugt. Das ist klar, sie hat eine Vergangenheit, die von großer Anerkennung geprägt ist.

Die Suppe wird immer sehr gelobt, „toll, was du uns da wieder aufgetischt hast, ganz hervorragend, fantastisch“.

Meine Frau zischt mir dann leise zu, „nimm ein bisschen weniger, trink mehr Wasser, dann geht’s, so schlecht ist die jetzt auch nicht“.

Manchmal kommt die Köchin wieder und ich bekomme noch einen Teller, das ist dann schon schlimmer.

Früher bin ich 10 Minuten raus zum Rauchen gegangen, das ersparte mir den zweiten Teller.

Der anderen Nachbarin, der Anja mir gegenüber, schmeckt es auch nicht so richtig, die grinst und trinkt ein Bier nach dem anderen.

Den anderen 12 schmeckt es total gut, die sind richtig begeistert, die lieben es so schmackhaft würzig. Die kenne ich aber nicht privat, nur aus der großen Runde.

Und dann habe ich vor zwei Monaten beim Jahrestreffen erst mal höflich gesagt, dass mir die Suppe „ein bisschen zu würzig“ ist, ganz leise. Da hat mich die Köchin schon böse angeschaut, die anderen haben leicht den Kopf geschüttelt.

„Nein, also zu würzig ist sie nicht“, sagte einer.

Also habe ich das dritte Bier genommen, das ist mir gar nicht bekommen. Nach dem dritten habe ich leider das Wort „versalzen“ benutzt.

Ich werde dort nicht mehr eingeladen, die 12 Nachbarn und die Köchin grüßen mich nicht mehr, meine Frau sagte im Dunkeln vor dem Einschlafen „das war nicht nötig“, aber wir sind noch nicht geschieden.

Andere Paare aus der Runde sind schon lange nicht mehr zusammen. Ob das mit der Suppe zu tun hat, weiß ich nicht.

Der Fehler war, dass ich das mit der salzigen Suppe vielleicht vor 20 Jahren lachend hätte sagen sollen, dann hätten die anderen vielleicht einen Witz gemacht und im nächsten Jahr hätten wir einen Käseteller und Brot gehabt.

Leider war es viel zu spät. Und wer im Leben zu spät kommt, wird bestraft.

Natürlich hat sich diese Suppengeschichte niemals zugetragen, sie war zur Illustration gedacht.

Bei Expecting Rain war es *genau* so, ich habe mich im Diskussionsforum getraut zu sagen, dass manche Live-Aufnahmen sehr laut sind, dass es ohne diese Bearbeitung, die dafür verantwortlich ist, viel besser klingt.

Das ist sozusagen ein andere Ausdruckweise für „zu salzig“ bei der Suppe.

Es handelt sich um ein Diskussionsforum, daher dachte ich, dass man da auch diskutieren darf und Suppen, also Musikaufnahmen vergleichen kann.

Bei Expecting Rain kann man sozusagen wählen, ob man die Suppe mit sehr viel oder mit wenig Salz haben will.

Leider muss man manchmal die sehr würzige, für mich persönlich zu salzige Suppe nehmen, das finde ich schrecklich, schon wegen meines Hustens, allerdings bei ER eher vom Ohr her.

Der Koch bietet dort leider in vielen Fällen nur noch die sehr würzige, salzige Version an und das auch mit einer gewissen Absicht.

Er könnte theoretisch vor der Salzzugabe etwas für die anderen abfüllen. Eine vermessene Idee? Sicherlich, ich muss seine Suppe ja nicht löffeln.

Dass es oft nur noch diese sehr würzige, scharfe Version gab, war letztendlich auch der Grund, warum ich diese hohe Salzzufuhr überhaupt öffentlich thematisiert habe, sonst hätte ich das weiterhin geschluckt. Ging ja die Jahre zuvor auch.

Ich bin wohl etwas mimosig, zugegeben.

Der Koch dort bei ER hat in den letzten Jahren 26.000 Mal bei Expecting Rain gepostet und seine Suppen wortreich beworben, er hat wahrscheinlich tausend Leute, die ihm gern folgen und jede Woche dreimal seine Suppe essen.

Also ich vermute ja, dass die die Suppen nur bestellen und zuhause einfrieren. So viel Suppe essen Menschen in der Regel nicht. Die kann man nicht oft essen, das ist Stress für die Ohren, das ist jedoch nur eine persönliche Wahrnehmung von mir. Viele hören sich die Suppe im Auto an oder auf dem Handy, dann hört man nicht, dass die stark gewürzt wurde.

Der Koch dort bei ER ist kein Chef oder so, man kann ihm aber einfach nicht entkommen, vielleicht kennt ihr das Phänomen aus Foren.

Überall schreien einen kurze Kommentare und viel Eigenlob an.

Egal, was ich schreibe, es wird kommentiert, logisch, ich habe ja „zu salzig, zu würzig“ gesagt.

Es gibt keinen Widerspruch von anderen, man will ja höflich bleiben und drohenden Ärger mit dem Koch vermeiden.

Der ist wirklich sehr sensibel bei Kritik.

Wenn er nur auf die Lobpreisungen seiner Jünger hören würde und sich gar nicht um meine Kritik scherte, es wäre gar kein Problem. Hey, einer gegen 1000, das ist doch lachhaft daraus so einen Aufwasch zu machen. Und nur wegen der Frage ob eine Suppe zu salzig ist oder nicht.

Meine Vermutung ist aber, dass die Suppe bei Expecting Rain einer schweigenden Mehrheit auch nicht wirklich schmeckt. Privat schrieben mir viele, dass sie zu würzige Suppen nicht mögen, aber sie wollen es nicht öffentlich sagen.

Es ist ein bisschen wie in den USA.

Ich würde mir auch nie einen Rüden zulegen, der an jeden Baum pinkelt. Da kommt man nicht weiter, immer dieses Stop-and-Go wie in Paris. Da nimmt man eine Hündin und kann flüssig weitergehen, auch mit Leine. Entkommen Sie aber mal den Rüden im Internet, das ist nicht so einfach!

Ich liebe diese Seite, aber ich bin kurz davor, sie in Expecting Rain, Spicy & Salty umzubenennen, wenn ich in vielen Fällen nur noch diese würzige, salzige Aufnahmen-Suppe bekommen kann. Die anderen 1000 werden wahrscheinlich für Expecting Courtesy stimmen. Die Suppe ist doch wirklich zu salzig! Muss ich mich da jetzt eigentlich für meine Meinung, das mir das viel zu salzig ist, entschuldigen?

Haare und Zähne

Haare und Zähne

Ich schreibe wieder am PC, der geht altersmäßig schon ins Gymnasium, die Augen werden schwächer, kann nix machen.  Früher hab ich nur mit dem Handy geschrieben, an der Stammtankstelle oder auf der Bank, während der Hund einen Stock zerlegt hat. Die Stammtankstelle heißt jetzt anders, „Öl“ oder so. Da muss man den Kaffee bezahlen, das war mir gar nicht klar. 3,50€ für einen Becher Kaffee. In der guten alten Zeit hatte ich da meinen eigenen Becher und der stand schon auf dem Stehtisch, bevor ich „Guten Morgen, die Damen“ rufen konnte.

Früher, also ganz früher, als ich noch nicht zur Schule ging, da ist mein Vater mit mir zu Herrn Liedtke gegangen, das war ein kleiner Friseursalon in einem kleinen Reihenhaus in einer alten Siedlung aus den 30er Jahren. Da hat mein Vater gesagt: „Einen Faconschnitt für meinen Sohn, bitte.“ Das war rundherum sehr kurz, oben etwas länger, kostete 5 DM oder so. Das ist die gleiche Frisur, die mein großer Sohn alle zwei Wochen bekommt. Ich gehe nur alle vier Monate hin, ich weiß nicht, manchmal denke ich, ich müsste mich heute bei der Martina anmelden, dann vergesse ich es und am nächsten Tag denke ich: „Ach, eigentlich wie gestern, so dringend war es gestern auch nicht“.

Und wenn meine Frau dann sagt, sie kann vorne und hinten nicht so gut unterscheiden, dann sagt die Martina immer: „Na, dann machen wir wieder einen Neuschnitt?“ Neuschnitt, das ist immer ein bisschen teurer, kostet aber nur 20€ oder so, da kriegt die Martina immer 25% Trinkgeld, auch weil sie sagt:

„Wenn Sie die vor 2 Stunden gewaschen haben, brauchen wir das nicht noch mal machen, das kostet auch zu viel.“

Eigentlich muss sie das Geld für die Wäsche ja auch noch dazu bekommen, der Satz ist es einfach wert. Bei einem Friseur, der mir 45 € berechnet, würde ich wahrscheinlich das gleiche Trinkgeld geben. Oder gibt man dann mehr? Wenn man für 20€ Kuchen und Kaffee bestellt, dann sind 3€ in Ordnung, aber bei einem halben Brötchen für 2,50€ ist das dann unverhältnismäßig.

Genau, ich wollte eigentlich erzählen, dass ich die Namen vom Friseur, von meiner „Kinderfrau“ Astrid, die kenne ich heute noch, die ist jetzt 80, die kenne ich alle, auch Herrn Grunwald, den Zahnarzt meiner Kindheit in der Grundschule, den kenne ich noch, also den Namen. Er bohrt jetzt bei den Engeln. Meine Kinder hatten nie ein Loch im Zahn, das ist heute ganz anders. Also, Zahnarzt, das ist kein Beruf mit Zukunft. Na ja, bei älteren Leuten wie mir kann man mit den Ersatzteilen noch Geld verdienen. Ansonsten sage ich „Kieferchirurg“ oder „Kieferorthopäde“, da ist der Mercedes noch drin. Mein Chirurg fährt Porsche. Den habe ich mal gefragt, nachdem ich einen Kostenvoranschlag bekommen habe, ob er sich einen Porsche kaufen will. „Habe ich schon“, hat er gesagt. Und bei Herrn Grunwald in den 60ern oder Anfang der 70er, da brauchte man als Kind nur einen Finger im Stuhl zu heben, dann hat er sofort aufgehört zu bohren. Da gab es keine Spritze. Das war super, das hat man als Kind sozusagen im Zeigefinger gehabt, um ihn zu stoppen. Und weil man das hatte, hat man eben gewartet und sich gesagt, ah, das geht noch irgendwie. Meistens musste man den Finger gar nicht heben. Das war sozusagen pädagogisch höchst wertvoll und besser als die Narkose heute. Diese Spritzen, boah, die Lähmung im Gesichtsbereich noch Stunden später, boah.

Ich wünsche mir manchmal, dass dem Herrn Grunwald die Tankstelle gehört. Einfach an der Zapfsäule den Finger heben, wenn es dreistellig zu werden droht und die Preise gehen runter.

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Herr Grunwald sah anders aus, aber wegen Sophia neulich heute eben Alain. Zahnarzt hätte ihm auch gestanden.

Die Wahrheit über 360 Grad und Socken

Die Wahrheit über 360 Grad und Socken

Ach, der Habeck, ich erinnere mich an ein altes Interview im NDR-Fernsehen, da wurde er privat zuhause gefilmt. Jedenfalls wollte er im Norden über die Grenze zur Bibliothek, konnte aber seinen Ausweis nicht finden. Seine Frau sagte, sie suche gleich danach, aber er meinte, nein, zur Not müsse er das „mit Charme“ regeln. Ich meine mich zu erinnern, dass er seine Bücher dann auch ohne den Ausweis verlängern konnte.  Manchmal ist Charme wichtiger als ein Dokument.

Wie gesagt, die Erinnerung ist mir so geblieben. Und wie wir alle wissen, hat die Erinnerung zwar mit der Wahrheit zu tun, nur ist sie nicht die Wahrheit. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, erinnert sich manchmal gar nicht an Dinge oder Vorkommnisse, die ich wirklich ganz genau weiß. Oder sie hat eine völlig falsche Erinnerung daran. Das beschreibt das Problem mit der Wahrheit eigentlich abschließend. 

Es gibt Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Wahrheit zu finden oder zu definieren, was Wahrheit ist. Ich finde das sehr bewundernswert, ehrlich. Aber man kann eben auch unter 10000CDs nach einer bestimmten lange suchen, wenn sie nicht sortiert sind. Da ist es einfacher als mit der Wahrheit: Man kauft für einen Euro bei ebay eine zweite. Dann findet man die beim nächsten Suchversuch deutlich schneller. Das ist wie mit diesen E-Tankstellen, gibt es zu wenig, ist die Suche mühsam und kompliziert, manchmal sind die auch defekt. Die gibt es aber nicht bei ebay.

Zusammengefasst, wenn etwas nicht klappt:
Es gibt für CDs auch die Restekiste in der Bibliothek, ein Fahrrad und Robert Habeck.

Damit wären wir wieder beim Robert. Ich glaube in seiner Jugend haben alle immer „Robert“ zu ihm gesagt, nicht „Rob“ oder „Robbie“. Aus völlig anderen Gründen hätte auch niemand „Wolfi“ zu Wolfgang Schäuble gesagt. „Wolf“, das schon eher. Den werde ich vermissen, der war so hart zu sich selbst. Als Chef hätte ich ihn aber nicht gern gehabt. Bewundernswert, keine Frage, aber nur mit etwas Abstand.

Ich mag Robert Habeck, gestern vor dieser Moschee in Saudi Arabien, da musste er seine Schuhe ausziehen. Da hilft auch keiner. Menschen, die so in der Öffentlichkeit stehen, sehen bei solchen Verrichtungen zutiefst menschlich aus. Der Scheich lief baren Fußes über den roten Teppich und Robert Habeck trug neben ihm eine graue und eine schwarze dicke Wollsocke, die eine rutschte auch noch sichtbar. Ich hatte mal eine Unterhose, da war dieses Gummi am Bund kaputt, das war wirklich nervig, damit durch die Stadt zugehen. Sieht zwar keiner, trotzdem dumm gelaufen. 

Ihn, den Robert, hat das nicht gestört, genau wie der fehlende Ausweis für die Bücherei, das gefällt mir. Andererseits denke ich manchmal, die müssen so viel im Kopf haben, gibt es da keinen Mitarbeiter, der mal an frische, elegante Socken erinnert? Andererseits traue ich ihm auch zu, dass er „Brauche ich nicht, den Scheiß“ sagte, als sein Büroleiter an eine Krawatte erinnerte. Der wird später natürlich niemals über Socken sprechen. Was oben nicht klappt, das klappt unten erst recht nicht, capisci? Wenn er jetzt solche Star Wars-Socken angehabt hätte, boah, ey. Oder welche mit Sophia Thomalla drauf, dann wäre das in Saudi Arabien ziemlich in die Hose gegangen. Schwarz und grau, das passt dagegen doch gut zusammen.

„Wenn sich Putin nicht um 360 Grad ändert, nicht.“

Das sagte Anna-Lena auf die Frage einer Moderatorin ob die Ukraine sicher sei, falls Putin weiterhin Russlands Präsident bleibt. Ich habe auch mal in Mathe nicht aufgepasst. „Wenn sich Putin um 360 Grad ändert, ja“ , darüber müsst ihr mal nachdenken, auch das hätte sie sagen können, Ergebnis ist doch dasselbe.

Viel schlimmer fand ich jedoch, dass in jeder Zeitung, in jedem Internet-Artikel *erklärt* wurde, warum eine Änderung um 360° gar keine ist. 

Und das ist nun „in Wahrheit“ das viel größere Problem. Amen.

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Sophia nur aus Marketing-Gründen.

Ein Baum von einem Mann

Ein Baum von einem Mann

Es ist ja oft stürmisch hier oben, es regnet auch reichlich. Matschig der Boden, kalt der Wind im Rücken. Meine Sorge gilt dabei trotz dieser Widrigkeiten des Öfteren meinen Schuhen. Ich mag es einfach nicht, wenn der Schlamm die Sohle am Rand hochkriecht. Gehe ich mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, am Wasser entlang, so sage ich das nicht, dann muss ich eben putzen. Wäre ich allein, würde ich an manchen derartig schlammigen Stellen umkehren und einen anderen Weg wählen.

Hach, das wollte ich gar nicht erzählen.

Vorgestern war´s auch so, matschig, kalt, windig und nass. Die bekannte Viererkette. Von Weitem sah ich schon, dass ein großer Baum umgestürzt war, er lag quer über dem Weg, der an den Schrebergärten vorbeiführt. Man konnte mit eingezogenem Kopf noch gerade unter dem Stamm durchgehen. Jedenfalls stand neben dem quer liegenden Stamm ein Goliath von Mann, riesig groß und breit, neben ihm eine kleine, sehr zierliche Frau. Mehr Gegensatz geht kaum.

Jedenfalls rief ich spaßeshalber mit ernster Stimme: „Unfassbar! Was haben Sie denn hier angestellt?“

Er mit Unschuldsmiene: „Entschuldigung, ich musste niesen!“

Die Käsetrainerin

Die Käsetrainerin

Irgendwie ist es ja doch ganz schön, wenn diese ganzen Feste vorbei sind. Weihnachten, Silvester, Neujahr. Nur darf man es erst hinterher sagen. Und wenn eines oder zwei davon aus irgendwelchen Gründen wie Corona flachliegen, dann ist es auch wieder nicht recht. Schwierig eben.

Und vorher die Einkaufsrunden!

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte und ich verwenden zum Einkaufen so eine Handyapp, die heißt „Bring!“. Das ist ganz praktisch, weil neue Wünsche live in die Gemüseabteilung gesendet werden können. Ist ein Produkt gefunden, tippt man darauf und es verschwindet aus der Liste. Es ist eine tolle Sache und die App sortiert automatisch nach den Abteilungen. Mit einem Zettel fährt man mit dem Einkaufswagen oft hin und her, also ich jedenfalls. Die ist gar nicht so blöd, die App, aber bei „Streusand“ wird sie etwas unsicher. „Kunsthonig“ kennt die auch nicht, ist ja auch noch ziemlich neu die Sache mit dem Internet und so.

Mit Zetteln ist das nicht so praktisch, die verliere ich eher als mein Mobiltelefon. Wenn das weg ist, dann ist sowieso alles egal. Und das Ausrufezeichen im Namen der App, das ist wörtlich zu nehmen.

Vor Weihnachten sind gern „Hirschhornsalz“ und „Kunsthonig“ gelistet. Jedes Jahr muss ich nachdenken oder eine ältere Dame fragen, was das nochmal ist. Das wissen nur die Älteren. Damen, die älter sind als ich, finde ich irgendwie schwerer als früher. Beides braucht man für dicke Lebkuchen. Hirschhornsalz, das tippt sich auch leichter als es sich schnuppern lässt. Aber ohne geht es nicht. Kunsthonig, das ist Invertzuckersirup, aber ich muss das am Ende googlen. Und dann suchst Du eben Invertzuckersirup. Dafür braucht man bei verdächtigen Produkten eine Lesebrille. 

„Bring!“, das sagen wir auch zum Hund.

Die Käsetrainerin, also die Dame von der Käsetheke bei Edeka, die kenne ich schon länger. Ich glaube, dass sie ihre Arbeit und den Käse liebt. Sie baut ständig um. Manche Leute wechseln oft den Bildschirmschoner, andere machen das mit Käse. Manchmal steht der Beemster ganz rechts außen, eine Woche später steht er links in der Auslage. Auch mittig habe ich ihn schon gesehen, in jung, in pikant und in 24 Monate gereift. Wenn meine Trainerin nicht da ist, dann müssen ihre Kollegen oft etwas suchen.

„Wo haben Sie den Beemster gesehen? Meine Kollegin hat die Auslage optimiert.“

Sie erinnert mich an Hansi Flick, der suchte auch nach dem Optimum. Aber so ein Käse, der will doch auch wissen, wo er hingehört, der braucht eine gewisse Sicherheit. Gut, ein gestandener, alter Beemster, der kommt schon zurecht. Aber ein junger Gouda, der hat es nicht leicht mit links, rechts oder ganz hinten.

Vor Silvester stand also „Raclette-Käse“ in der App. Der französische war schon weg, der dänische sieht genauso aus, ist aber ein wenig herb, meinte die Trainerin. Also dann den aus Schleswig-Holstein.

„Wie viel brauche ich denn für 4 Personen?“, frage ich zur Sicherheit gern.

Sie: „Da empfehle ich Ihnen 12 Scheiben.“

Ich: „Ach, machen Sie bitte 20, es soll nicht knapp werden. Am nächsten Tag kommen alle Reste in eine Pfanne, das überbacke ich dann mit dem übrigen Raclette-Käse.“

„Oder auf´s Brot, das geht ja auch“, empfahl sie eine weitere Möglichkeit. Sie dreht sich um und schneidet den Käse mit der Maschine, das dauert natürlich etwas. Dann legt sie einen schiefen Berg aus Käse auf die Waage. Der Raclette aus Schleswig-Holstein hat ein ganz anderes Format, das sind Scheiben, die sind größer als ein Toastbrot, quadratisch, aber nicht so dick, klar. Ein Glück. Das mit dem anderen Format hatte ich beim Sprechen nicht mitbekommen.

„Na, das war vielleicht doch etwas viel“, sage ich zweifelnd.

Sie: „Wissen Sie, Sie könnten am nächsten Tag auch alle Reste in einer Pfanne braten und dann mit dem Käse überbacken!“

Ich: „Ach, ja, gute Idee. Geht der auch auf Brot?“

Sie: „Ja, auf Brot, das geht auch.“

Die ist total nett, genau wie Hansi Flick. Der hatte auch immer Ideen auf die kaum ein anderer kommt.

–
Danach war ich noch beim Bäcker, stand auch in der App.

„10 Aufbackbrötchen“ und „4 Berliner“.

„Die Berliner isst zwar keiner“, meinte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, „aber man muss welche im Haus haben.“

Machte beim Bäcker 28,80DM.

Am frühen Nachmittag des Silvestertages hat meine Frau beim Bäcker an der Ostsee noch acht Berliner gekauft, mit Zuckergusss, das war aber ein anderer Bäcker. 12, das passt, das hatte die an der Käsetheke auch zuerst gesagt. Der Dirk und die Klaudia, die essen diese süßen Sachen gar nicht. Egal, zwei habe ich denen am nächsten Morgen heimlich in den Korb gepackt, zwei haben meine Frau und ich gegessen, bleiben noch 8. In die Pfanne passen die jetzt nicht so.


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Eine kleine Ergänzung zur Käsetrainerin:

Nun sind drei Wochen vergangen, wieder erhalte ich schwierig zu erfüllende Aufträge der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte. Dieses Mal Beifuss, Reispapier und Austernpilze, diese für einen Art Gansersatz.

Ich kann weder Beifuss noch Reispapier ohne Hilfe finden, also gehe ich an die Käsetheke, die Trainerin ist da.

„Entschuldigen Sie, ich habe eine Frage, die nichts mit Käse zu tun hat.“

„Na, dann …. tschüss.“