
Die Käsetrainerin
Irgendwie ist es ja doch ganz schön, wenn diese ganzen Feste vorbei sind. Weihnachten, Silvester, Neujahr. Nur darf man es erst hinterher sagen. Und wenn eines oder zwei davon aus irgendwelchen Gründen wie Corona flachliegen, dann ist es auch wieder nicht recht. Schwierig eben.
Und vorher die Einkaufsrunden!
Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte und ich verwenden zum Einkaufen so eine Handyapp, die heißt „Bring!“. Das ist ganz praktisch, weil neue Wünsche live in die Gemüseabteilung gesendet werden können. Ist ein Produkt gefunden, tippt man darauf und es verschwindet aus der Liste. Es ist eine tolle Sache und die App sortiert automatisch nach den Abteilungen. Mit einem Zettel fährt man mit dem Einkaufswagen oft hin und her, also ich jedenfalls. Die ist gar nicht so blöd, die App, aber bei „Streusand“ wird sie etwas unsicher. „Kunsthonig“ kennt die auch nicht, ist ja auch noch ziemlich neu die Sache mit dem Internet und so.
Mit Zetteln ist das nicht so praktisch, die verliere ich eher als mein Mobiltelefon. Wenn das weg ist, dann ist sowieso alles egal. Und das Ausrufezeichen im Namen der App, das ist wörtlich zu nehmen.
Vor Weihnachten sind gern „Hirschhornsalz“ und „Kunsthonig“ gelistet. Jedes Jahr muss ich nachdenken oder eine ältere Dame fragen, was das nochmal ist. Das wissen nur die Älteren. Damen, die älter sind als ich, finde ich irgendwie schwerer als früher. Beides braucht man für dicke Lebkuchen. Hirschhornsalz, das tippt sich auch leichter als es sich schnuppern lässt. Aber ohne geht es nicht. Kunsthonig, das ist Invertzuckersirup, aber ich muss das am Ende googlen. Und dann suchst Du eben Invertzuckersirup. Dafür braucht man bei verdächtigen Produkten eine Lesebrille.
„Bring!“, das sagen wir auch zum Hund.
Die Käsetrainerin, also die Dame von der Käsetheke bei Edeka, die kenne ich schon länger. Ich glaube, dass sie ihre Arbeit und den Käse liebt. Sie baut ständig um. Manche Leute wechseln oft den Bildschirmschoner, andere machen das mit Käse. Manchmal steht der Beemster ganz rechts außen, eine Woche später steht er links in der Auslage. Auch mittig habe ich ihn schon gesehen, in jung, in pikant und in 24 Monate gereift. Wenn meine Trainerin nicht da ist, dann müssen ihre Kollegen oft etwas suchen.
„Wo haben Sie den Beemster gesehen? Meine Kollegin hat die Auslage optimiert.“
Sie erinnert mich an Hansi Flick, der suchte auch nach dem Optimum. Aber so ein Käse, der will doch auch wissen, wo er hingehört, der braucht eine gewisse Sicherheit. Gut, ein gestandener, alter Beemster, der kommt schon zurecht. Aber ein junger Gouda, der hat es nicht leicht mit links, rechts oder ganz hinten.
Vor Silvester stand also „Raclette-Käse“ in der App. Der französische war schon weg, der dänische sieht genauso aus, ist aber ein wenig herb, meinte die Trainerin. Also dann den aus Schleswig-Holstein.
„Wie viel brauche ich denn für 4 Personen?“, frage ich zur Sicherheit gern.
Sie: „Da empfehle ich Ihnen 12 Scheiben.“
Ich: „Ach, machen Sie bitte 20, es soll nicht knapp werden. Am nächsten Tag kommen alle Reste in eine Pfanne, das überbacke ich dann mit dem übrigen Raclette-Käse.“
„Oder auf´s Brot, das geht ja auch“, empfahl sie eine weitere Möglichkeit. Sie dreht sich um und schneidet den Käse mit der Maschine, das dauert natürlich etwas. Dann legt sie einen schiefen Berg aus Käse auf die Waage. Der Raclette aus Schleswig-Holstein hat ein ganz anderes Format, das sind Scheiben, die sind größer als ein Toastbrot, quadratisch, aber nicht so dick, klar. Ein Glück. Das mit dem anderen Format hatte ich beim Sprechen nicht mitbekommen.
„Na, das war vielleicht doch etwas viel“, sage ich zweifelnd.
Sie: „Wissen Sie, Sie könnten am nächsten Tag auch alle Reste in einer Pfanne braten und dann mit dem Käse überbacken!“
Ich: „Ach, ja, gute Idee. Geht der auch auf Brot?“
Sie: „Ja, auf Brot, das geht auch.“
Die ist total nett, genau wie Hansi Flick. Der hatte auch immer Ideen auf die kaum ein anderer kommt.
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Danach war ich noch beim Bäcker, stand auch in der App.
„10 Aufbackbrötchen“ und „4 Berliner“.
„Die Berliner isst zwar keiner“, meinte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, „aber man muss welche im Haus haben.“
Machte beim Bäcker 28,80DM.
Am frühen Nachmittag des Silvestertages hat meine Frau beim Bäcker an der Ostsee noch acht Berliner gekauft, mit Zuckergusss, das war aber ein anderer Bäcker. 12, das passt, das hatte die an der Käsetheke auch zuerst gesagt. Der Dirk und die Klaudia, die essen diese süßen Sachen gar nicht. Egal, zwei habe ich denen am nächsten Morgen heimlich in den Korb gepackt, zwei haben meine Frau und ich gegessen, bleiben noch 8. In die Pfanne passen die jetzt nicht so.
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Eine kleine Ergänzung zur Käsetrainerin:
Nun sind drei Wochen vergangen, wieder erhalte ich schwierig zu erfüllende Aufträge der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte. Dieses Mal Beifuss, Reispapier und Austernpilze, diese für einen Art Gansersatz.
Ich kann weder Beifuss noch Reispapier ohne Hilfe finden, also gehe ich an die Käsetheke, die Trainerin ist da.
„Entschuldigen Sie, ich habe eine Frage, die nichts mit Käse zu tun hat.“
„Na, dann …. tschüss.“
Der Name „Bring!“ gefällt mir. Kurz, knapp und eindeutig.
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Moin – und ein frohes und gesundes neues Jahr!
– Und es fängt ja auch gut an! Schon der zweite Beitrag in kurzer Zeit. Mich freut’s sehr!
Ich registriere: Bin nicht der einzige Bring!-Nutzer! Hilft mir sehr, weil ich auch zwischendurch mal schnell was eintragen kann, wenn mir ein Gedankenblitz kommt…
Käse und Neuordnung der Käsetheke sind auch ein Dauerbrenner. Aber (leider) ist die Auswahl in meinem Supermarkt doch nicht so, wie ich es gerne hätte. Aber Berlin bietet ja mehr.
– Nur keine Berliner, wie irrtümlich in Deinem Beitrag erwähnt! 😉
Ich habe zu Silvester, wie jedes Jahr, meine Pfannkuchen gekauft. Und immer Pflaumenmus mit Glasur, alles andere kommt mir nicht in die Tüte.
Wir waren allein, also waren es dieses Jahr nur 2. Aber die werden immer gegessen!
So, das musste doch mal gesagt werden.
Schönen Abend und „Weiter so“!
Liebe grüße aus B
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