Über das Vergessen II

Über das Vergessen II

Und nachdem in dem großen Bekleidungsgeschäft Schluß war, habe ich in Hamburg angefangen, Mathematik und Physik studieren. Das, was man da in Pädagogik lernen konnte, das erwähne ich gar nicht, weil das unerheblich war.

Zunächst bin ich morgens mit der Bundesbahn in die große Stadt gefahren nachdem die 18 Minuten auf dem Rad erledigt waren. Insgesamt waren das dann circa 75 Minuten, aber solange brauchte auch mancher, der am Stadtrand Hamburgs wohnte. Später hatte ich dann ein zweites, altes Rad in Hamburg, vielleicht steht das heute noch am Dammtor.

Durch das Warten auf den nächsten Zug zurück hatte ich fast täglich Zeit für die Hamburger Innenstadt und die unzähligen Second-Hand-Läden mit Vinyl. Davon gibt es kaum noch einen.

Jedenfalls gab es damals auch die ersten Punks, die einen auf Geld ansprachen. Die fragten in meiner Stadt immer nach „ein paar Groschen“.

Der erste in Hamburg fragte aber:
„Hast Du mal ’ne Mark?“

Dem habe ich gesagt, dass die in meiner Stadt nach Groschen fragen und er hat gesagt:

„*Das*, mein Freund, ist Hamburg! Alles wird teurer!“

Morgens fuhren die Züge um 7:05, 7:34 und um 8:43. Meistens nahm ich den um 7:34, dann war ich ohne Eile um 9:00 da, konnte Kaffee trinken und eine weitere ‚Gauloises‘ drehen. Die Vorlesungen begannen ja „c.t.“, also mit dem „Akademischen Viertel“, erst im 9:15.

Trotzdem bin ich dann drei Wochen lang um 7:05 gefahren und um 16:32 zurück statt um 15:32 wie meist üblich.

Das war wegen Anka

Anka ging auch auf die Schule, die einst Thomas Mann besuchte und Anka rauchte wie ein Schlot und Anla war eine Erscheinung. Wenn Anka morgens über den Schulhof ging, hielten 50% der Schüler die Luft an, bis sie weg war. Ich hätte die niemals angesprochen, weil die mit dem Ablehnen aller Angebote ja sowieso schon beschäftigt war und außerdem hatte ich den falschen Eindruck, dass sie dadurch verwöhnt in jungen Jahren geworden war.

Das hatte ich an einem Morgen irgendwie vergessen, weil sie nämlich in demselben Zug saß. Aus irgendeinem Grund muss ich den 7:05 genommen haben. Am Hauptbahnhof nach der Ankunft hatte ich etwas Mühe, sie einzuholen.

Anka.

„Du gehst viel zu schnell!“, habe ich ihr kurz vor der Rolltreppe japsend gesagt.

„Ach was“, hat sie gesagt und gelächelt.

Und dann sind wir immer morgens um 7:05 und nachmittags 16:32 gemeinsam gefahren. Das waren also nur 30 Fahrten und insgesamt knapp 30 Stunden, wenn man etwas Wartezeit mitrechnet. Man kann auch sagen, dass wir insgesamt nur einen Tag und eine Nacht zusammen Zug gefahren sind.

Das war bis heute eigentlich der lustigste „Tag“ in meinem Leben. Nach der letzten Fahrt haben wir noch Fotos im Automaten gemacht, die ziemlich verwegen und irre waren.

Morgens fragte sie immer im Raucherabteil, ob ich Taschentücher dabei habe. Sie hatte nie welche, aber wir haben teilweise geheult vor Lachen und sie brauchte dann Tücher, weil die Schminke sonst verlief. An sich hätte sie auch die Schminke weglassen können, das wäre entspannter gewesen.

Sie rauchte Pall Mall Filter. Die gab es in der normalen Version und in einer anderen, roten Packung mit der goldenen Schrift. Sie nahm stets die mit dem Golddruck obwohl die anderen ihr auch gestanden hätten. Jedenfalls habe ich dann einmal im Zug darüber gelästert, dass man sich so zum selben Preis „Gold“ leisten könne und so auch ein wenig reicher durch das Rauchen werde, sinngemäß war das wohl so.

Der Typ, etwas älter, uns gegenüber, der hörte zu an diesem Tag. Und dann zog er plötzlich seine Schachtel raus, hielt mir die hin und fragte:

„Zigarette?“

Der rauchte auch Pall Mall Filter Gold.

Und Anja wieder: „Taschentuuuuch!“

Natürlich haben wir nie wieder den 7:05er genommen.

Über das Vergessen

Über das Vergessen

Gestern war wieder eine Neue an meiner Tankstelle. Die wusste offenbar schon, dass ich für den Kaffee nie bezahle, weil sie mir den gleich nach dem Kauf der Zigaretten anbot. Der Erwerb der Zigarettenschachtel hatte etwas länger gedauert, weil ich tatsächlich nicht mehr wusste wie meine Marke heißt. Ich kaufe die nur an der Tankstelle oder in zwei verschiedenen Tabakgeschäften in der Innenstadt. Den ersten Laden ziehe ich vor, obwohl der „Thiel’s Tabak“ heißt, aber da muss ich in bar zahlen. Habe ich kein Bargeld dabei, muss ich zum zweiten Laden 300 Schritte gehen, weil man da mit der Karte zahlen kann. Zur Bank sind es nämlich 500 Schritte.

An allen drei Orten sage ich ja nur „einmal Zigaretten, bitte“. Ich sage nie die Marke, die kennen die ja. In dem Laden mit der Kartenzahlung muss ich auch manchmal zeigen, wenn die Blonde nicht arbeitet. Die Männer merken sich meine Marke nicht.

Seitdem es diese ganzen Farbaufnahmen auf den Schachteln gibt, sieht man kaum noch, wie die Marke heißt! Ich habe also der neuen Maria nur sagen können, dass die Schachtel hellgrün ist und neben Rothhändle im Regal steht.

Mit „dritte Reihe von oben, jetzt zwei Handbreit weiter rechts“ ging das aber auch.

Die Plätze wechseln ja des Öfteren, weil die Hersteller für bestimmte Platzierungen in den Regalen bezahlen müssen. Darauf müsst Ihr als Nichtraucher mal achten, das ist recht interessant.

Fast vergessen hätte ich auch, dass ich im Alter von 18 Jahren mal Marzipan am Fließband produziert habe. Das war nur eine knappe Woche mit den dicken Damen am Band und ich hatte mich auch nur beworben, weil Peter, mein Freund, da auch gearbeitet hat und erzählt hatte, dass die Sekretärin so toll sei. Aber mit der hatte man am Fließband viel weniger zu tun als ich bei der Vertragsunterschrift gehofft hatte. Die Fabrik wurde dann bald abgerissen. Da gab es nämlich die Grundmasse in 90/10 und in 70/30. Die zweite hatte 30% Zucker und war für Sonderangebote. Die hatten das nicht so mit der Qualität, fast wie VW heute.

Die Sekretärin war aber wirklich klasse, eigentlich 99/1.

Danach habe ich in einem großen Bekleidungsgeschäft angeheuert, leider kam ich in die Abteilung für Bettwäsche und Matratzen. Durch die Schaufensterdekorateurin habe ich dann Wolf Wondratschek kennengelernt und sie Bob Dylan.

Das war auch eine Sabine. Sie wollte sich damals selbständig machen mit einem Stand und selbst hergestelltem Schmuck. Das ist ja 40 Jahre her und jetzt müsste sie also 65 sein. Ich sehe mir die Verkäuferinnen an Schmuckständen mal wieder an. Ob sie die lockigen Haare noch mit Henna färbt?

Es gab eine regelrechte Hierarchie in dem Bekleidungsladen: „DOB“ grüßte zum Beispiel „BA“ im Fahrstuhl nicht.

Also die Damen aus der edlen Abteilung der Damenoberbekleidung grüßten die Damen aus der Bettenabteilung nicht, da musste sozusagen das Kopfkissen den Ledermantel grüßen.

Es gab auch noch den Beruf des Fahrstuhlführers. Der sagte immer die Abteilungen an.

„Dritter Stock, Betten und Matratzen, Stoffe“ oder so ähnlich.

Als Mann hatte ich es mit dem Grüßen besser, denn dass da ein junger Mann jobbte, das war recht ungewöhnlich. Daniela aus der DOB hatte mich gleich am ersten Tag vor einer jungen Mitarbeiterin aus der Federabteilung gewarnt, weil die jede Woche in der Discothek einen anderen abschleppte.

Mit der aus der DOB habe ich ich mich dann einige Male verabredet, denn die gefährliche fand ich leider total langweilig. Das haben die Typen aus der Discothek vermutlich nach dem ersten Abend auch gleich gemerkt. Ich weiß heute nicht mal ihren Namen obwohl wir im Lager vor der Stadt einen ganzen Tag lang Matratzen sortiert haben. Also ich habe sortiert, sie lag auf einer Latex und erzählte von ihren Typen. Das war recht interessant, man konnte da einiges lernen.

Der Substitut hat sich dann im Lager ‚angeschlichen‘ wie Sam Hawkins als er uns mit dem Auto wieder abholen wollte. Der dachte wohl, dass wir beide auf der Matratze liegen.

Aber der war eben aus Braunschweig und hatte einen Oberlippenbart und machte danach anderswo Karriere als Abteilungsleiter.

„Mal wieder eine falsche Wahl“, habe ich gedacht.

So viel vergesse ich gar nicht, finde ich.

Ein richtig flotter Dreier

*Ein richtig flotter Dreier*

Zuerst habe ich die Zigarettenkippe im Halbdunkel am Morgen aus einem Meter Entfernung direkt in das recht kleine Loch des Mülleimers geschnippt.

Schade, dass das keiner sah, das sah sicher „flott“ aus.

Eine Stunde später konnte ich den Kaugummi im Bad des Cafés im zügigen Gehen in den anderen Eimer spucken. Er küsste noch sanft den Rand und tauchte im Papier unter, genau wie Netzers Elfmeter Gordon Banks 1972 in Wembley verlud und eine kurze Affäre mit dem Pfosten hatte bevor er im Netz zappelte wie ein alter Fisch.

Zum Schluss hat man ja richtig Mut … solange keiner zusieht, …. sonst hätte ich den weiteren Wrigley im Wald nicht volley genommen. Die junge Birke blieb stehen, aber das war schon ein fettes Pfund wie ich die erwischt habe. Volley!

Wenn so etwas schief ging, früher unter Zeugen, wenn einem zum Beispiel mit 15 Jahren beim kraftvollen Anrollen nach dem Stop am Bahnübergang die Kette vom Ritzel des Rades rutschte, … dann war das schlimm!

Wenn mehrere junge Damen und Herren es dann mitbekamen wie man mit schwarzen Fingernägeln am nächsten Tag keine Ahnung davon hatte, wie weit der Rhein „flussbar“ (Lehrerfrage, sic!) ist …. also wenn so etwas schief ging, dann konnte man sich nur für drei Tage ins Kloster zurückziehen wie Lenny Cohen.

Und deshalb mache ich diese Dreier-Experimente nur allein und möglichst im Halbdunkel. Unter Zeugen würde das auch nie klappen. Ich erzähle das, was klappte, auch keinem.

Mich hat eine junge Frau mitten in *diese* Gefühlslage hinein gefragt, ob ich Anfang des Jahres in eine „morbide Stimmung geraten“ sei. Anlass war, dass ich eine Reihe prominenter Grabstätten, rein interessehalber, gegooglet hatte.

Bei „gegooglet“ weiß ich nie, wie ich das schreiben soll, diese europäisch-nichteuropäische Hochzeit zweier Worte. „Gegoogled“, das ist ja noch blöder.

Jedenfalls ist es ganz erstaunlich, wie zurückhaltend beziehungsweise fast vergessen wirkend die Gräber bei Mississippi John Hurt, Nick Drake oder Gram Parsons sein können und wie für meinem Geschmack unsäglich „groß“ bei Falco, Dalida oder Udo Jürgens diese auf der anderen Seite sind.

Darunter wird der Mensch nämlich zu klein.
„Overdressed“ hätte man zu Lebzeiten gesagt.

Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich. Und unterschiedlich bleibt, wie das, was bleibt, wahrgenommen werden soll.

Bei den sechs Namen passt das zum größten Teil zum Leben, das könnte man glatt als Kompromiss bezeichnen.

Ich bin an sich also mehr in „mobiler“ als „morbider“ Stimmung. Natürlich auch durch den „Dreier“ am Morgen. Man könnte auch „halt durch den Dreier“ sagen, aber dieses ewige „halt“ ist mir unerträglich geworden. Bei Präsentationen habe ich dann Strichlisten geführt und fand, dass vierzigmal „halt“ in 15 Minuten einen Punktabzug rechtfertigte, wenn der keine bleibenden Schmerzen hinterließ.

Hach, die Arbeit!

Kürzlich hatte ich eine Diskussion mit Ira darüber, was eigentlich „Arbeit“ ist. Das kann man schlicht betrachten und sagen, dass es das ist, wofür man finanziell entschädigt wird. Das ist jedoch die vielleicht eher moderne Sicht der Dinge.

Ein Schauspieler, der ein Stück für das Theater einstudiert und probt, der … „arbeitet“, klar. Was ist aber mit einem Laien, aber in einer Theatergruppe abends nach seiner Bürotätigkeit exakt dasselbe tut? „Arbeitet“ der?

Ira sagt: „Nein, der bekommt dafür ja kein Geld.“

Oder wenn jemand ehrenamtlich „arbeitet“, was ist damit? Zumindest nennt man das nicht „Hobby“ sondern „Arbeit“. Das könnte daran liegen, dass es die Bezahlung durch einen anderen einspart. Da liegt sozusagen ein negativer Verdienst vor, weil Arbeit unbezahlt getan wird. Von einem „Nullverdienst“ könnte man auch sprechen.

Es gibt mehr „Arbeit“ als man denkt.

Ein Schriftsteller, der beim Bier über sein Buch nachdenkt, arbeitet der oder ist der ein Müßiggänger? Ein Angestellter von der Stadtreinigung arbeitet. Fege ich die Einfahrt, heißt es „Schau, wie viel Zeit der hat!“.

Sagt ja keiner, aber ich kann das trotzdem hören! 🙂

„Mutti“ sagte über lachende Rockmusiker im TV immer: „Schau nur, die lachen die Zuschauer aus, weil die so dumm sind, sich das anzuhören!“

Leider war ich einer dieser richtig „Dummen“, die lachenden Rockern gern bei deren Arbeit im Rockpalast zusahen.

Ob es nun gleich 40 Millionen im Jahr in China sein müssen wie bei Carlos Tevez im Fußball, das ist die Frage, wenn es um die Vergütung von Arbeit geht.

Oder ob es da auch Grenzen des „Anstands“ geben sollte, das ist keine einfache Frage …. solange jemand bereit ist, das so hoch zu bezahlen.

„JWD“ .. sagt man hier, „janz weit draußen“ …

….. auf der See findet sich ja auch keine Antwort.

Nur dass im Sturm Millionen auch nicht helfen, das weht leise zurück.

Saturday Night’s Alright For Fighting

*Saturday Night’s Alright For Fighting*

Don Camillo und Peppone am Nachmittag im TV, das hat mich wieder so aufgeregt, dass ich mich „kurz hinlegen“ wollte. Diese linken Themen und alles, was mit dem Glauben zu tun hat, sind ja Themen voller Unheil in der Realität und das ermüdet schnell.

Der andere Don Camillo, der aus Bayern, sagte einmal:

„Das eigenartige an Sozialisten ist doch, dass sie ihre Lehren aus der Vergangenheit ziehen, in der Gegenwart versagen und für die Zukunft goldene Berge versprechen.“

„Hach, Franz-Josef, nun reg‘ Dich doch nicht so auf“, hat seine Frau vielleicht gesagt, „nimm‘ lieber noch einen Knödel.“

Hätte ihm Schweitzer gegenüber gesessen, hätte der vielleicht geantwortet:

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“

So hätten die bei Bier und Knödeln gesprochen, aber in diesen Bildern spricht ja heute kaum noch einer. Obwohl das wirklich bessere Schlagzeilen brächte.

Dann bin ich acht Stunden später wieder aufgewacht, draußen ist immer noch alles spiegelglatt. Und gegenüber stehen 5 Menschen auf dem Balkon und rauchen. Genau wie ich, aber die trinken Bier und ich Kaffee. Und die reden. Man versteht ja jedes Wort zwischen den Häusern, auch, wenn man das gar nicht will.

Es spricht aber 7 Minuten lang nur einer, die drei jungen Damen sagen gar nichts und der zweite Mann macht immer nur „hmmm“ … oder „ja ja“.

Vor allem sagt der andere ja gar nichts, das ist mehr so wie ein Fluß mit einigen vorbeischwimmenden Plastiktüten.

Kennt Ihr das?

Ich glaube, ich muss auch mal wieder eine Schweigewoche machen.

„Selbst dann, wenn man eine rosarote Brille aufsetzt, werden Eisbären nicht zu Himbeeren.“

Sahra und die Brötchenhälfte

*Sahra und die Brötchenhälfte*

2017 ging gar nicht gut los.

Ich habe geträumt, dass Sahra Wagenknecht in unserer Küche sitzt und meine obere Brötchenhälfte mit Frischkäse und Himbeermarmelade aufisst.

Ich esse die obere Hälfte nämlich am liebsten. Und zwei facebook-Freunde wünschten sich diesen Titel, also mit Sahra und Brötchen, aber ohne Erwähnung der roten Marmelade.

Das dürfte jetzt sozusagen meine erste Auftragsarbeit sein.

Schwarzkirsche hätte Sahra nicht genommen und vermutlich auch nicht Kiwi-Marmelade in Grün. Das war aber alles da! Und die nimmt das kräftigste Rot, was sie finden kann!

Unter 10 Gläsern Marmelade!

Damit ist das Problem der Linken an sich klar umrissen.

Die FDP hat ja jetzt eine andere Farbe als früher, aber ob es sich lohnt, sich die Farbe zu merken, das weiß man erst nach der Wahl. Ich setze nur auf Katja Suding, der Rest ist mir relativ egal.

Vorher aber weiß man schon, dass sich Sahra ganz dringend von dieser Rosa Luxemburg-Frisur trennen müsste. Sigmar Gabriel lässt sich ja auch keinen Oberlippenbart stehen, um mehr Prozente zu bekommen, der trinkt dann lieber einen. Also vielleicht. Damit könnte der nochmal auf 40% kommen mit der SPD. Die sind ja fast auf gutem Rotwein-Niveau.

Allerdings noch „mit Schuß“.

Und dann ist da noch eine Partei, die man sich alkoholisch in Richtung Prozentgehalt der Ostsee wünscht.

Sonst haben wir hier wieder Hochwasser.

Der kleine Unterschied

Der kleine Unterschied

Mich an die Gehgeschwindigkeit des Hundes anzupassen, fällt mir gar nicht so schwer. Aber wenn ich mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, durch die Stadt gehe, ist das völlig anders. Mal bin ich zu langsam, mal bin ich zu schnell, aber nie richtig. Dass das beim Hund nicht so ist, kann daran liegen, dass der das nicht sagt.

Als ich meine Frau gerade kennengelernt hatte, da musste sie noch ein Geschenk für eine Hochzeit bei Marseille besorgen. Das klingt so cool wie es ist, nicht wahr?

Bei „Negernbötel“ wäre das nämlich anders, auch wenn das dasselbe Paar heiratete.

Sie trug ein hellblaues Hemd, bei Frauen sagt man Bluse, und dazu einen dunkelblauen Rock, der knapp über den Knien endete.

Sie hatte eine dunkelbraune Umhängetasche um, eine Perlenkette und diese silbernen Ohrringe, die so herunterbaumeln.

Das weiß ich so genau, weil ich 60 Minuten lang vor mehr als 25 Jahren in 3 bis 4 Meter Abstand hinter ihr her lief, die blonden langen Haare wehten bei jedem Schritt, die Beine waren vom Sommer gebräunt. Und ich dachte ständig, was für eine tolle Frau das ist während sie über die Schulter zurückblickte und wiederholt sagte:

„Geht das nicht alles ein kleines bisschen schneller?“

Mich würde eine Frau, die immer sehr langsam geht, auch in den Wahnsinn treiben. Aber ich gehe nicht langsam, sondern gemessenen Schrittes und mit einem Blick für die anderen Leute.

Manchmal gibt es auch neue Verkehrsschilder oder ein Geschäft hat eine neue Schaufensterdekoration. Wenn man da zu schnell ist, sieht man das nicht. Zusätzlich muss man auch noch andere überholen.

Kurz:
Schnell zu gehen ist ebenso anstrengend wie auf der Autobahn zu versuchen, einen Schnitt von 180km/h zu fahren. Das schafft keiner und hinterher, selbst nach nur 2 Stunden, sind die Fahrer ermüdet. Die brauchen dann 45 Minuten Ruhe. Und sie haben für 7€ mehr Benzin verfahren als wenn sie ruhiger rollen würden.

Der Kaffee kommt ja noch dazu.

Dann könnten die jedoch gleich nur 130km/h fahren, das kommt in der Summe auf dasselbe heraus und ist auch für andere viel entspannter.
Also die 360km in 2 Stunden und 45 Minuten fahren. Ich würde ja fast 4 Stunden brauchen, aber dabei soviel Diesel einsparen, dass ich quasi zwei Kaffee herausrollen kann!

Es geht beim Gehen im Beispiel auch nur um den Unterschied in der Geschwindigkeit und nicht um das Tempo an sich.

Usain Bolt würde meine Frau für eine lahme Schnecke halten, so meine ich das.

Das ist vermutlich auch in anderen Bereichen so, das mit dem „kleinen Unterschied“.

Vielleicht kennt Ihr das auch, ich versuche es mal:

Wenn man auf der „organisatorischen Ebene“ des Lebens zum Beispiel zwei Extreme nimmt wie „Wanderzirkus/Lebenskünstler-Typ Horst Janssen“ und als zweites Extrem den „Finanzbeamten-Typ Hans-Jochen Vogel“, dann sind die meisten Menschen ja Mischformen der beiden willkürlich gewählten Beispiele.

Mir fallen leider keine prominenten Alternativen zu Vogel und Janssen ein.

Man kann auch Sophia Thomalla und Frau Strack-Zimmermann nehmen. Aber FSZ fährt Motorrad, das passt nicht so richtig. Und die Thomalla bearbeitet Ihr Geschäftsmodell für Zirkus zu strukturiert und zielgerichtet. Extreme Frauen zu finden ist gar nicht so leicht wie bei Männern.

Meine Frau ist zum Beispiel zu 80% Vogel und zu 20% Wanderzirkus. Ich hingegen bin zu 40% Wanderzirkus und zu 60% Vogel. Der Unterschied ist keineswegs riesig, aber er ist entscheidend!

Meine Frau selbst würde jetzt übrigens gänzlich andere Prozentwerte nennen, aber das hätte Hans-Jochen, der Typ, der jedes Papier der SPD in einer Klarsichtfolie verwahrte, auch gemacht.

Und ebenso wie er würde sie darüber 45 Minuten diskutieren.

Pause.

Es ist *so* wie ich sagte, sie ist *eben* gerade zum Frühstück gekommen!

Ich habe es ausprobiert, aber zunächst nur gefragt, wo sie sich *selbst* sieht:

60% Vogel, 40% Wanderzirkus.

Exakt *dort* hätte ich *meinen* Stift auch hingelegt!

Aber sie sieht mich deutlich näher bei „Zirkus“ und ich sie mehr bei Finanzbeamtin!

Hochinteressant.

Das kann man ja ganz einfach mit zwei Stiften zwischen Messer und Gabel darstellen. Typisch ist auch wieder, dass man die eigene Position des Stiftes nicht verändert, sondern nur diejenige des anderen. 🙂

Würde ich auch so machen.

Übrigens war hier der ‚Zirkus‘ schon seit 3 Stunden wach als die Finanzbeamtin sich erst räkelte.

Eine völlig unpassende Nebenbemerkung, zugegeben.

Und ich kann nur sagen, dass es sich lohnt, das mit dem Partner mal auszuprobieren. Allerdings sollte man mindestens 45 Minuten für die anschließende Diskussion einplanen. Eher mehr.

Sie spricht gerade noch im Bad mit dem Spiegel.

Irgendwelche wirren Prozentwerte oder so.

Keine Frau will zu 80% sein wie Hans-Jochen Vogel.

🙂

„Sitting On The Dock Of The Bay“

*“Sitting On The Dock Of The Bay“*
… wenn ich das höre, muss ich immer an zwei Sätze denken.

„Und dann braucht man ja auch noch Zeit zum Herumsitzen“, sinngemäß nach Pippi, und „Man sitzt insgesamt zu wenig am Meer“, woher der ist, weiß ich nicht, aber der Mensch, der den das erste Mal sagte oder schrieb, stammt vermutlich nicht aus einer Bergregion. Obwohl der Satz dann ja noch mehr Sinn machen würde.

Ungefähr 18 Jahre lang habe ich ja fast täglich 90 Minuten am Computer verbracht, also nicht aus beruflichen Gründen, das hatte sich eher durch das Hobby ergeben. Das sind knapp unter 10000 Stunden am PC gewesen und wenn man diese Zeit in Spaziergänge umrechnet, kommt man schon auf 20000. Morgens habe ich nämlich immer zuerst die „US-Post“ gemacht, weil die ja an ihrem Abend schrieben, während ich schlief. Zeitverschiebung würde ich auch abschaffen, total unpraktisch. Und wenn die Amerikaner nachts wach wären, hätten sie auch mehr Zeit zum Nachdenken, welch besserwisserisch deutscher Gedanke!

Jetzt habe habe ich ja den Hund und gehe morgens sofort raus und muss zusehen, dass ich irgendwann schnell in 10 Minuten das Notwendigste an der Maschine erledige.

So ein Hund ist nämlich auch wie das Meer und das Dock am Hafen.

Wenn man dann noch zu den 10000 die TV-Stunden addiert, dann kann man sich ersatzweise schon ein eigenes Tierheim zulegen und die Hunde einzeln ausführen!

Wenn man keinen Hund und keinen Urlaub und viel Arbeit hat, dann ist es ganz gut das Fernsehprogramm durch ein Spiel zu ersetzen. Nach einem Film weiß ich zum Beispiel 30 Minuten später nicht mehr, wie der Mörder hieß. Das war dann wieder „Kaugummi für die Seele“.

Spielen.

Früher haben wir uns mit 15 Jungs zum Kicken verabredet, manchmal musste man auch an ein paar Türen klingeln, aber die hatten eigentlich immer Zeit. Einer übernahm die Seite rechts von der Landstraße, der andere die linke und 20 Minuten später hatte man zwei Mannschaften. Zu zweit kann man ja bloß Elfmeter und Freistöße üben.

Später wurde es dann schon schwierig, jemanden zu finden, der Zeit für eine Runde Tischtennis oder Schach hatte. Mit Schach habe ich irgendwann aufgehört nachdem ich versucht hatte, mir alte Partien von Bobby Fischer einzuverleiben. Da bin ich dann zu Würfeln, Karten und Bachgammon zurückgekehrt, das war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben.

Würfel und Karten und der Zufall, wunderbar.

Wenn es dann doch mal klappt mit einem Spiel zu dritt oder zu viert, so zu Ostern oder im Urlaub, dann gibt es immer dieselben Auffälligkeiten. Der spielende Mensch zeigt seine Stärken dann nämlich besonders offensichtlich. Ich betrüge zum Beispiel, weil ich ungern gegen die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, verliere. Leider verliere ich trotzdem von Zeit zu Zeit.

Am liebsten spiele ich kurze Spiele, die ich schon kenne. Spielanleitungen zu lesen, ist mir ein Gräuel. Ich finde, man sollte wieder ‚Greuel‘ schreiben. Das war auch wieder so eine blöde neue Schreibspielanleitung.

Und dann die Spielertypen!

Ein Typ, auf den ich verzichten kann, ist der, der auf die präzise Einhaltung der Regeln achtet und bei Bedarf in der Spielanleitung nachliest. Es ist viel angenehmer, wenn man sich ohne die Vorschriften zu konsultieren einigen kann. Man kann beim Rommé auch diese dämliche 30 Punkte-Regel weglassen. Das steht ja nicht auf Moses‘ Tafel oder im Grundgesetz, Himmelarsch.

Der Regeltyp hebt dann auch mal lesend den Finger.

„So, jetzt haben wir es!“ sagt er, denn es ist stets ein „er“, und danach macht es einfach weniger Spaß.

An sich macht alles weniger Spaß, weil man es dann versucht ‚richtig‘ zu machen. Ich stelle dann immer Fragen zum Spielverlauf, aber dann ist das Spiel ja schon vorbei. Da hofft man auf ein schnelles Ende. Aber wenn das Spiel ein langes ist, wird das ein öder Abend.

Kochbücher sind zum Beispiel auch nur als taktische Maßnahme brauchbar.

Seht ihr?

Kaum denke ich an einen Vorleser von Spielanleitungen, habe ich keine Lust mehr weiter zu tippen. Und so ist das beim Spielen auch. Mit Kindern ist das nicht so, die spielen nämlich, die ….. „ernsten“ nicht. 😉

Flacher Text.

Aber flach ist es auch am Meer.
–

Der Neujahrsspaziergang

Der Neujahrsspaziergang

… so ein frisches, junges Jahr, das riecht immer anders als sein Vorgänger und wenn es nur für einen Tag ist. Und weil das so ist, muss man da meiner Meinung nach an das Meer. Es ist nicht der „Geruch von Napalm am Morgen“, aber daran muss ich meistens denken bevor der Motor gestartet wird.

Ich wollte ja aufhören mit diesen Geschichten, aber man gewöhnt sich einfach daran wie an den ersten Kaffee am Morgen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob das jemand liest. Das ist sozusagen so wie das Gästebad richtig sauber machen obwohl gar keine Gäste kommen. Das gute Gefühl hat man trotzdem.

Das Beispiel ist irgendwie …. Scheiße. 🙂

Am Neujahrsmorgen bin ich dann gleich um kurz vor 6 hoch, weil der Hund abends absichtlich hungern musste, damit der nicht beim Pinkeln im Bombenhagel seine erste Jahreskrise hat. Und zwei Stunden früher aufzustehen ist besser als gleich am ersten Tag putzen zu müssen. Und der Hase kommt in der Natur ja auch nicht immer zu den „Tagesthemen“ sondern manchmal auch erst zum Frühstücksfernsehen. Das bezieht sich auf die Regelmäßigkeit der Futtergabe, falls das jetzt wieder zu kryptisch war.

Danach weiß ich gar nicht mehr, was ich so „an“ Neujahr gemacht habe außer dass ich mich auf den traditionellen Spaziergang gefreut habe. Nach dem Waschen des Autos und der Küchenreinigung war irgendwie noch Zeit. Gelesen habe ich auch, aber sehr diffus.

Als wir dann losfahren wollten, da musste ich noch drei Minuten ins Bad, die Familie ging schon eilig raus obwohl meine Jacke von innen schon warm gestanden war.

Und sie rief:
„Du kommst ja jetzt, oder? Wir wollen lohoooos!“

Ich finde Vorfreude generell wunderbar, das Drängen zur Eile bei deren Beendigung in der Regel jedoch nicht. Dass ich kurz ins Bad ging, das war nämlich 9 Stunden und 25 Minuten nachdem ich aufgestanden war. Im Kopf überschlage ich dann still und heimlich im Auto bei „Time Waits For Noone“, dass ich knapp 190mal solange gewartet hatte.

Ohne zu fragen, wann, wie, wo entlang und wohin. Das Jahr ist ja lang.

Es ist herrlich, wenn Wahrnehmungen so verschieden sind! Das ist dann wie wenn der Wind mit schwacher Brise stundenlang von Nordost weht und innerhalb von Sekunden hebt er dann zum Orkan aus Südwest an. Menschen aus den Bergen denken hier aber vermutlich in anderen Bildern.

Zusätzlich hatte ich die falsche Norah Jones-CD mitgenommen, da war „Sunrise“ gar nicht drauf. „Sundown“ von Gordon Lightfoot habe ich mich nicht getraut reinzuschieben. Andererseits wäre das auch nicht aufgefallen.

Am Morgen oder gegen Mittag, ich weiß gar nicht mehr wo, habe ich gelesen, dass „man die Menschen nicht mag, von denen man glaubt, dass sie einen selbst nicht mögen“.

„Ist das so, ja?“, fragt meine beim American Football trainierte Muskelmasse von 90kg gern nach.

„Ist das so?“, frage jetzt … auch ich.

Das ging mir dann den ganzen Tag ergebnislos durch den Kopf, also das mit dem „Glauben des Nichtmögens“.

„Ergebnislos“, das ist für einen Mathematiker deutlich schwerer zu ertragen als für einen Philosophen, … für den ist das nämlich normal!

Generell ist das Gespräch über die Frage „Mögen wir uns oder mögen wir uns nicht und wenn ja warum?“ zu 99% ein gutes. Meta-Ebene und so, kennt man ja seit den 70ern. Meistens stellt sich dann heraus, dass jeder vom Gegenüber dachte, abgelehnt zu werden aber keine anderen Gründe für eine Antipathie hatte.

Allerdings gibt es da auch noch den Rest von 1%. Wenn man nur 50 Menschen kennt, dann ist das ja nur eine halbe Person.

 

Jedenfalls hat mir diese Frage einmal ein Vorgesetzter gestellt. „Gestellt“ ist gut, weil der nebenberuflich vermutlich Fallensteller bei Karl May war.

Und das war wirklich schwierig, es war nämlich keine Frage, es war:

„Sie mögen mich nicht, nicht wahr?“

Was soll man da antworten ohne ganz offensichtlich zu lügen?

„Absolut!“
„Genau!“
„Nein!“
„Doch, doch!“

Alles zu kurz.

„Doch, schon, ich finde ihre Scherze zum Beispiel bei der dritten Wiederholung sogar am besten.“

„Sie persönlich mag ich, aber leider sprechen Sie ja auch.“

„Doch, klar, aber ich wusste nicht, dass das hier eine Kaserne ist.“

Da gibt es ja viele Varianten, die man alle nicht wählt sondern nur so kurz geistig durchdekliniert.


„Ach, wissen Sie, ich glaube, ich mag Sie ebenso wie Sie mich.“


War natürlich wieder typisch. Der Sohn des Vorgesetzten hatte mir beim Grillen gesagt, dass er „zweisprachig aufgewachsen“ sei.

„Deutsch und Zynisch.“

Da wählt man die eigenen Worte mit Bedacht.

So insgesamt denke ich manchmal, dass jemand, der eine Leitungsfunktion übernimmt, diese immer nur auf Zeit bekommen sollte. Dann geht es zurück ins Glied. Das würde manchem gut tun und dem Deutschen vielleicht ganz besonders.

Aber es ist wirklich eine gute Idee, jemanden zu fragen, ob er einen mag oder nicht, wenn man mit diesem ungeklärten Gefühl herumläuft.

Das Risiko, dass es hinterher schlechter ist als vorher, liegt rein statistisch vermutlich bei 1%.

Unter dem einen Prozent finden sich zum Beispiel José Mourinho und Donald Trump. Klaus Kinski hätte man die Frage übrigens auch nicht stellen dürfen. Frau Thatcher ist die einzige Frau, die mir spontan eingefallen ist.

Endlich

*Endlich*

…..

Endlich ist es geschafft!

Und der Hund war hervorragender Laune und bog sich vor Freude um Mitternacht. Es gab ja die kleinen Drops bei jedem Kanonenschlag. Schon früher war ich der Meinung, dass sich eine durchdachte, aber nicht arbeitsintensive Vorbereitung am besten auszahlt. Heimlich habe ich dem Tier dann noch Rumpsteak zugesteckt.

Drops für Donnerhall, Rumpsteak für Raketen. Schade, dass das nicht überall funktioniert.

Leider hatten dann ein paar Idioten morgens um 6 beim ersten Gang noch drei Raketen übrig, das war nicht so lustig. Ich war nicht darauf vorbereitet und der kleine Hund auch nicht. Und ein Rumpsteak hat man nicht in der Jackentasche.

Es ging ja schon los als ich am Silvesterabend um 7 noch auf eine Zigarette vor der Tür saß. Da rummste es aus der Ferne immer wieder. Und auch, wenn man dieses ganze Feuerwerk und die Ballerei nicht schätzt, so denkt man ja doch ein wenig zurück wie es in anderen Jahren war.

„Das ist ein Tag wie jeder andere und morgen geht es weiter!“

Das ist ein frommer Wunsch und ein wenig wie das Rufen im Wald, wenn es dunkel ist.

Mit meinem Vater hatte ich 30mal Silvester, bis vor einem Vierteljahrhundert. Vielleicht ist es auch die runde 25, die mich zum Thema bringt. Er hat nie eine Rakete abgeschossen, er ist nicht mal rausgegangen. Meistens hat er den Fernseher angemacht nachdem er ein Bier getrunken hatte.

Er hatte nämlich gleich zwei Weltkriege erlebt.

Und wenn man um 7 am Abend draußen sitzt wie ich und darüber nachdenkt, dann klingen die fernen Donnerschläge auch nicht so als würden sie das Böse vertreiben sondern so als würden sie es bringen.

„Man weiß es ja nicht“

Vielleicht war er deshalb nie draußen und sagte bissig:

„Was soll der Unsinn?“

Erzählt hat er fast nichts, auch 45 Jahre nach Kriegsende nicht. „Die Krim“, hat er nur gesagt, als ich einmal fragte, was das Schlimmste war, was er erlebt hat, mehr nicht.

An den Namen seiner Schüler konnte er sich auch 40 Jahre später erinnern. Am Gedächtnis lag es nicht, dass er nicht sprach.

Leider habe ich nur drei Fotos von ihm. Fast als wäre ich selbst im Krieg gewesen und hätte fast alle Bilder verloren. Aber ich habe nie gern Fotos gemacht, das könnte daran liegen, dass ich keine Kamera hatte. Oder daran, dass ich meinte, die Lieder für die Ohren reichen und man brauche keine Bilder für die Augen.

Dir Frau, die mich mal geboren hat, hat alle Erinnerungen und Bilder von ihm weggeworfen.

„Er ist doch tot. Was soll ich damit?“

Das ist dann ein innerer Krieg, den man nicht gewinnen kann. Und ein „gutes Gedächtnis“ wie das meine, das die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, nicht hat, das ist nur schön für diejenigen, die es nicht haben. Es ist eine Last, sich zu gut zu erinnern.

„Eine kleinere Speicherplatte im Hirn“, die wünsche ich mir dann 2017 zu Weihnachten. Das Beste am Jahr 2017 ist, dass ich seit heute endlich sagen kann, wenn jemand fragt, wie alt ich bin:

„Im übernächsten Jahr bin ich im 60sten Lebensjahr.“

Ich dachte immer, dass das Warten länger dauert.