Das Autogramm

*Das Autogramm*
„Würden Sie mir bitte ein Autogramm geben?“

Das fragte morgens vor 8 Uhr heute im Café eine junge Frau, die wohl noch zur Schule geht, mich, der so oft in Rot unterschrieb aber nie ein ‚Autogramm‘ geben durfte.

„Aber gern! Wohin soll ich schreiben?“

Sie legte mir eine Postkarte vor, die sie offenbar schon griffbereit hatte.

„Ich heiße Nora.“

Routiniert schrieb ich lässig ein

„Für Dich, Nora!
Auf dass die Sonne für Dich
… sogar nachts scheinen möge ….
Martin :-)“

„Danke! … hmmm, ich dachte, Sie heißen ‚Andreas‘!“

„Hmm. Nein, leider nicht.
Habe ich jetzt Deine Postkarte zerstört?“

„Nein, nein, aber Sie *sind* doch am Theater!“

„Auch das leider nicht, ich sitze da meist nur nebenan und mache Mathematik!“

Schade.

Also wenn Ihr mich mal seht, seid doch so nett und fragt mich nach einem Autogramm.

Es ist ein recht warmes Gefühl.
Sogar, wenn es ein falsches ist. 🙂

Arzttermine

*Arzttermine*

Ich habe davon gehört, dass es manchmal nicht einfach ist, schnell einen Termin bei einem Arzt zu bekommen.

Jedenfalls sitze ich gerade hier bei einem, das ist sozusagen der Fotograph unter den Fachärzten.

Vor knapp 10 Jahren war ich genau hier schon einmal und wollte auch genau wieder hierhin, weil die Assistentin einfach total nett war, das weiß ich noch genau. Und mein Hausarzt hat gestaunt, dass ich schon zwei Tage später den Fototermin hatte obwohl man speziell bei dem Arzt oft vier Wochen warten muss.

Das liegt nicht daran, dass ich mit dem Doktorfotographen mal Fußball gespielt habe und das liegt auch nicht an der Assistentin mit dem ungewöhnlichen Vornamen und dem spanischen Nachnamen. Das hat andere Gründe.
Es ging jedenfalls recht flott.

Noch flotter ging das vor einiger Zeit beim Augenarzt. Da wollte ich gern hin und eine ältlich klingende Stimme schnarrte mir einen Termin im Februar 2017 entgegen.

„Hach, das aber eine lange Zeit. Ich war doch früher auch immer bei Ihnen, da hatte ich immer schnell einen Termin.“

„Moment, ich sehe mal nach …. “

30 Sekunden meiner Wartezeit auf den Februartermin vergehen in der Stille des von mir gehassten Telefons.

„Ach, ja, Sie stehen in der anderen Akte, das wusste ich nicht. Nächste Woche Montag?“

„Hmm, ich bin gerade bei Saturn gegenüber, kann ich nicht gleich kommen? Ich warte auch gern.“

„Ja, dann kommen Sie einfach in 30 Minuten, ja?“

Das war mein Rekord. Von 4 Monaten auf 30 Minuten. Für meine Frau habe ich dann den freien Termin am nächsten Montag gebucht, ‚der ist ja noch frei‘, habe ich grinsend gesagt.

Meine Frau ist nämlich bei der Barmer und hätte sonst lange warten müssen.

Ich bin ja „privat“.

Das ist unfassbar.

 

Sie war leider nicht da.

To Go

To Go

„To-Go“, das heißt „zum Gehen“, wissen Sie ja. Für mich ist das eher nur so ein „Geht-So“.

Das mit dem „Coffee-To-Go“ habe ich noch nicht verstanden. Neulich stand unter einem Schild mit dem „Coffee-To-Go“-Schriftzug sogar noch „zum mitnehmen“. Und das ‚m‘ war auch noch klein, das war dann wieder wie ein Sahnehäubchen.

Es gibt ja diese Notfälle, also wenn man in 3 Minuten abgeholt wird oder so, dann nehme sogar ich einen Pappbecher, aber das kommt nur dreimal jährlich vor.

Ansonsten trinke ich Kaffee im Sitzen aus Steingutbechern oder aus Glas. Das schmeckt aus Pappe auch gleich pappig und ich mag auch keine weiche Pappe mit heißem Kaffee in der Hand halten. Außerdem würde ich bestimmt kleckern und einen Teil verschütten, wenn ich in der anderen Hand die Hundeleine halte. Und für die Zigarette ist auch keine dritte Hand verfügbar.

Möglicherweise werden Menschen in einigen Millionen Jahren vier Hände haben. Zwei für das Mobilgerät und den Mobilkaffee und zwei weitere, um sich gestikulierend zu empören, weil es ja kaum noch Arbeit für die freien Hände gibt.

Die Leute, die es heute offenbar eiliger haben als ich und sich das Pappgetränk auf dem Weg zur Arbeit holen, verstehe ich auch nicht. An sich verstehe ich mit zunehmendem Alter eher weniger als mehr. Das habe ich mir früher doch etwas anders vorgestellt.

Warum gehen die Mobilkaffeetrinker nicht 10 Minuten früher los und genießen 10 Minuten Ruhe mit dem Becher im Sitzen und beim Quatschen mit denen, die das auch so machen?

Mit mir zum Beispiel.

Vielleicht rauchen die auch nicht mehr.
Das könnte ein Grund sein. Man sieht selten jemanden mit einem Pappbecher und einer Zigarette in der anderen Hand. Die meisten „Menschen-To-Go“ sind bestimmt Nichtraucher.

Zusätzlich kann man mit einem Becher Kaffee in den Händen das Handy nicht bedienen. Vielleicht kaufen die alle „Coffee-To-Go“ damit sie für 10 Minuten das Handy nicht benutzen, dann müssten die Hersteller von Mobiltelefonen eigentlich auch für die Müllbeseitigung der 170 Pappbecher pro Jahr und Bundesbürger aufkommen.

Angefangen hat das alles mit „Music-To-Go“ und dem Walkman von Sony. Die Japaner sind an allem Schuld. Ich hatte ja nie einen, wohl aber mobile CD-Player später und einen fetten iPod mit 160GB. Aber im Gehen oder in Bewegung auf dem Rad habe ich die Dinger nie benutzt, sondern im Sitzen im Zug, am Strand oder im Auto.

Und „Politics-To-Go“, das ist seit Donald ja der letzte Schrei. Der klingt bestimmt noch lange nach. Und bei dem hoffen ja viele, dass der bald wieder geht.

Ansonsten habe ich gar nichts gegen „Menschen-To-Go“ sondern nur gegen diese Eile, die sie sich selbst machen und die sie in gewisser Weise auch durch die Welt tragen.

Auf das „Telefon-To-Go“ kann ich trotzdem nicht verzichten. Ich schreibe trotzdem nur im Sitzen und ganz selten an der Käsetheke im Stau bei Sky.

So richtig nervös werde ich nur, wenn ich sehe, dass da irgendjemand versucht, anzurufen. Das kann ich noch weniger leiden als das ganze To-Go.

Das Telefonieren wird auch überschätzt.

 

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Habe nur die Bilder 2024 reingeklebt. Text ist von 2016. Kann so bleiben.

Ein Jahr oder eine Million

*Ein Jahr oder eine Million*
Es gibt unbequeme Fragen, aber oft sind die Antworten noch unbequemer.

„Der Tatort ist auf vielen Ebenen ein Spiegel der Gesellschaft“, das habe ich eben noch nach dem 1000sten im TV mitbekommen.

Vielleicht sind aber die Fragen und die Antworten, die man sich selbst stellt und beantwortet, das auch.

Wenn ich mir mal so vorstelle, dass der Arzt sagen würde, dass mir noch genau ein Jahr bleibt und ich aber bis zum Schluß bei guter Gesundheit bliebe, dann ist das eine schwierige Situation in der Vorstellung und die Frage ist, was man dann machen würde.

So ganz spontan war eben mein allererster Gedanke, …. also ich überlege ja nie vorher, was ich schreibe, sondern ich denke erst beim Schreiben, manchmal ist das sogar geschrieben bevor ich das verstanden habe …. also der erste Gedanke war, dass ich jeden Tag schon um 8 den ersten Cappuccino trinken würde und im Stammcafe jeden Tag einen mehr. Das wären dann drei am Tag, kalorientechnisch problematisch.

Zweitens würde ich weiterhin ebenso CDs und Vinyl kaufen … auch wenn ich es nicht schaffe, die alle zu hören. Genau genommen kann ich sowieso nicht alle nochmal anhören, die den Weg hierher fanden. Dazu müsste ich 150 Jahre alt werden und pausenlos Musik hören. Klingt nicht nach Spaß, weil da ja auch viel Schrott auf der Strecke liegt.

Also ich würde öfter nach Italien fahren und nach Frankreich, aber nur für jeweils maximal zwei Wochen. Das wäre vermutlich das einzige, was ich wirklich ändern würde. Und ich würde eher an mir bekannte Orte fahren, weil man nur dann merkt, was sich dort wie verändert hat.

Wenn Leute sagen, dass sie unter den vorgebenen Bedingungen ihr ganzes Leben umkrempeln würden, dann frage ich mich immer, warum die dazu die Aussicht auf ein allerletztes Jahr brauchen.

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Alternativ kann man sich auch vorstellen, dass man beim Lotto gewinnt, das ist im Prinzip dieselbe Frage, nur mit mehr Geld statt weniger Tagen.

Also wenn ich so richtig viel Schotter hätte, dann würde ich zuerst meinen Traum, den ich seit 40 Jahren habe, wahr machen:

Ich würde mir ein Paar sündhaft teure handgearbeitete Schuhe anfertigen lassen. Die sollen nämlich ein Leben lang halten und ich stelle mir das wunderbar vor, weil es heißt, dass solche Schuhe mit den Jahren immer besser werden.

Vielleicht wünsche ich mir das aber auch von mir selbst und übertrage das nur von den Schuhen unten nach weiter oben.

Zweitens würde ich mir ein ebenso unauffälliges Auto wie meines kaufen. Aber mit 6 Zylindern und mehr Pferdestärken! Es kann aber auch sein, dass ich mir das von mir selbst wünsche, das weiß ich jetzt auch nicht genau. Aber von außen darf das nicht sichtbar sein, das fände ich ganz schrecklich, also beim Auto.

Und öfter mal ein Rinderfilet!

Aber ich glaube, dass das besser schmeckt, wenn man das nicht ißt.

Und viel mehr Karten für’s Schauspiel und für Konzerte.

Das ist nämlich auch wie Rinderfilet, schmeckt aber noch besser je öfter man davon kostet.

Belohnungen

*Belohnungen*
Es ist klar, dass das jetzt keinen wirklich interessiert. Ist aber auch egal, weil ich das ja mittlerweile eh nur noch für mich selbst schreibe. Und für den Hund.

Jedenfalls hat das schwarze, weibliche Monster beim Morgenkaffee eben einen Postboten von ‚Nordbrief‘ angebellt. Vorher kamen 10 Kunden ohne Gebell zu ihrem Kaffee. Der Hund kennt nämlich nicht nur die gelbe Kleidung der Boten der Deutschen Post, sondern auch die hellblaue von denen von ‚Nordbrief‘.

Hunde bellen Briefträger am liebsten an, weil die ihnen ein Erfolgserlebnis verschaffen.

Menschen machen das ohne Gebell, aber für ein Erfolgserlebnis oder ein gutes Gefühl tun auch die die schrägsten Dinge. Donald Trump zum Beispiel, der musste Präsident werden, weil er von Geld und albernen TV-Shows keine guten Gefühle mehr bekam. Er kann ja schließlich keine Briefträger anbellen. Der wohnt ja im Hochhaus ganz oben.

Ach, die Post und mein Hund.

Der Bote kommt, der Hund bellt und dann geht der Bote wieder. Der Hund denkt natürlich, dass der Bote geht, weil er gebellt hat. Daher sein Erfolgsgefühl. Hunde lieben Erfolge.

Das könnte bei einem meckernden Chef auch so sein. Da muss man ein geeignetes Leckerli in der Tasche haben. Bei Chefs bewirkt da ein Bewunderungskeks oft Wunder. Leider essen die gern ganze Tüten.

Viel einfacher ist das bei Ira, die kann sich nämlich richtig gut selbst belohnen. Sie hat leider nur eine Dusche In ihrem Badezimmer, aber sie liebt es, in einer Badewanne bei Kerzenlicht zu baden.

Und jetzt hat sie eine im Wohnzimmer stehen.
Das finde ich sehr beeindruckend, nicht nur weil sie in der Wanne den ‚Tatort‘ gucken kann.

Zuerst wollte sie eine ganz alte aus Gußeisen, aber die können vier Männer von heute nicht tragen, ihre alte Wanne aus Blech jedoch trägt sie allein.

Nun muss Ira aber vor den gemütlichen Badefreuden zehn Eimer warmes Wasser von der Küche bis zur Wohnzimmerwanne tragen.

„Das ist nicht so schlimm“, hat sie gesagt, „das Rausschöpfen nach dem Bad ist viel nerviger gewesen.“

Nun hat ihr Vater ihr eine Pumpe zum Abpumpen geschenkt und das geht jetzt ganz einfach.

Meine Wanne im Badezimmer mit Direktanschlus und Abfluss finde ich richtig langweilig seit sie mir das erzählt hat.

Ich habe leider keinen Fernseher im Bad.

Unrein

*Unrein*

Ich selbst würde mich gar nicht als „unsauber“ bezeichnen, also solange man das gedanklich Schmutzige mal weglässt. Das bleibt von außen unsichtbar und das ist auch gut so. Wenn man das sehen könnte, dann wäre die Welt ausschließlich von Schmutzfinken bevölkert.

Jedenfalls verlasse ich morgens das Haus niemals ungeduscht. Rasieren, das mache ich an sich immer freitags, genauso wie ich montags zur Bücherei gehe. Der Mensch braucht gewisse Rhythmen auch ohne Musik.

Allerdings verändern sich die Gewohnheiten beim Thema Reinlichkeit, wenn man sich einen Hund anschafft, … minimal.

Der will ja morgens gleich raus und es ist mühsam, einem Tier die Notwendigkeit einer Dusche zu erklären. Wenn ich das Duschen also auf 8:00 verschieben muss, trage ich die ersten drei Stunden am Tag einen sehr albernen Hut, der etwas an Gene „Popeye“ Hackman in „French Connection“ erinnert. Sonst stehen die Haare so wild in alle Richtungen und wirken wie eingefrorene Gesten von Pep Guardiola.

Ich liebe Pep hauptsächlich wegen der Gesten, der Mimik und seiner Anzüge. An sich finde ich an Pep alles gut. Ich glaube auch, dass der morgens duscht obwohl man das an seinen Haaren nicht sehen kann. Einen Hund hat Guardiola bestimmt nicht und wenn der einen hätte, dann hätte er sehr genaue Vorstellungen vom Verhalten seines Hundes. Ein Typ für Katzen ist er auch nicht. Ich traue ihm zuerst ein Aquarium zu, weil das einen Menschen fast so beruhigt wie die Anwesenheit von Hunden und Katzen.

Nein, ich schreibe jetzt nichts über Frauen. Frauen sind da in gewisser Hinsicht „Zwischenwesen“. Wenn sie wollen, können sie wie ein stilles Aquarium sein, aber sie wollen selten. Sie wollen mehr den Fisch im Mann, also diese Ruhe des Fisches im Mann. Ansonsten sind sie auch gefährlich wie ein schwarzer Panther. Jedenfalls sollte man sie nicht unnütz reizen, die Frauen.

Dieser Text könnte jedenfalls den Panther im Weibe wecken, aber das kann ich nicht gut einschätzen. Ehrlichkeit ist nicht immer praktisch.

Und gestern bin ich mit der ‚Mutter‘ von Ebba wieder ins Gespräch gekommen. Also Ebba ist eine Pudelhündin und ich wollte nicht „Herrin“ schreiben. „Frauchen“ ist frauenfeindlich und „Mutter“ falsch, denn sie hat glattes Haar. Ich weiß auch nicht, was ich schreiben soll. „Besitzerin“ ist wieder hundefeindlich.

Das Leben ist heute ein Slalom zwischen Fettnäpfchen, so scheint es zeitweise.

Die ist sehr ordentlich und sympathisch, aber als ich neben ihr ging und die Hunde tobten, da versuchte ich jeden Matsch im Regen zu umgehen und mied vorsichtig den Schritt in die den grauen Himmel spiegelnden Pfützen. Sie aber sprach und schaute nicht. Sie trat in jede Pfütze auf ihrem geraden Weg, weil sie sich eben auf Hunde konzentrieren kann. Sie hat auch nicht kommentiert, dass ich die brauen Brühen mied.

Das ist wirklich eine tolle Frau mit Hund.
Ich weiß nur, dass der Hund Ebba heißt.

Gesendet mit der Telekom Mail App

Das Leben ‚auf‘ der Stammtankstelle

Das Leben ‚auf‘ der Stammtankstelle

Kürzlich hat jemand geschrieben, dass er sich über den neuen Begriff „Stammtankstelle“ gefreut hat. Das hat mich etwas gewundert, weil er nämlich aus Berlin schrieb und denen fallen ja immer neue und lustigere Wörter ein. Nur die Taxifahrer, die reden immer noch so wie früher. Mir ist einfach kein besseres Wort als „Stammtankstelle“ eingefallen.

An meiner Tankstelle gibt es nämlich drinnen kein WLAN und wegen des Stahlbetons hat man nur ganz am Fenster bei dem Regal mit den Kuscheltieren etwas Empfang, aber der ist trotzdem schlecht. Man kann sagen, dass an der Tankstelle immer noch 1995 ist. Nur dass die, die da arbeiten, 1995 teilweise gar noch nicht geboren waren.

Aber sie wissen durch ihre Arbeit jetzt, wie es sich anfühlte, 1995 zu leben. Damals hat man zum Beispiel mehr miteinander gesprochen als heute.

Zusätzlich kann man den jungen Frauen, die da arbeiten, auch erzählen, wie was in den 70ern bis in die 90er war.

Das Gute ist ja, dass die da jobben, die können also vor dem Schichtende gar nicht weg. Das ist fast wie früher in der Schule, die konnten auch erst weg, wenn es geklingelt hatte.

Wenn man nicht weg kann, ist das auch belastend, glaube ich.

Mich hat vor 35 Jahren mal einer im Fahrstuhl im Philosophenturm in Hamburg gefragt, ob ich an Gott glaube. Ich war auf dem Weg in den neunten Stock und der Fahrstuhl war noch in der Beschleunigungsphase!

Das war nicht so witzig, andererseits hat der Philosophenturm damals angeblich die höchste Selbstmordrate in Hamburg gehabt. Deshalb habe ich die Frage auch nicht spontan beantworten wollen. Man weiß ja nicht, wo Leute hinwollen, wenn sie solche Fragen stellen.


„Letztens wollte ich meinen ganzen Kummer ertränken ….. aber meine Frau wollte partout nicht ins Wasser.“


Das hat Alexander morgens an der Tankstelle wieder losgelassen.

Der arbeitet mit dem Pascal auf dem Bau, im Moment machen die eine Autobahn. Also die sind nicht ganz allein dabei, aber es dauert trotzdem etwas.


„Wo sehen Ehefrauen am besten aus? Auf alten Bildern.“


Das hat dann sein Freund gesagt, die werfen sich sozusagen morgens solche Betonbrocken zu, aber das tut nur denen richtig weh, die gar nicht da sind.

Ich gehe mal davon aus, dass die beiden zuhause ziemlich nett und folgsam sind. Andererseits können sie sich ja tagsüber auch am Beton relativ gut abreagieren. Ein Uhrmacher zum Beispiel hat es da mental nämlich deutlich schwerer. Ein Zahnarzt kann sich wenigstens beim Bohren vorstellen, dass er die Wurzelbehandlung an seiner Frau vornimmt. Der kann sich eigentlich trotz filigraner Werkzeuge gut abreagieren. Darüber hatte ich noch nicht nachgedacht, das fällt mir jetzt beim Schreiben auf.

Vermutlich haben Zahnärzte eine geringere Scheidungsquote als zum Beispiel Uhrmacher obwohl sich ihre Tätigkeiten äußerlich gar nicht wesentlich unterscheiden.

Naja, also die fahren schon unterschiedlich teure Autos, aber das meinte ich jetzt gar nicht.

Alex‘ Freund nennen wir nur „Die 5“, weil er morgens mit dem Bus kommt. Er kommt nämlich wirklich mit der Linie 5 aber er sagt „mit die 5“. Der weiß ganz genau, dass das sprachlich falsch ist, aber der macht das trotzdem.

Ich glaube, dass das besonders viele Männer tun, also Sachen ‚trotzdem machen‘ obwohl sie wissen, dass die falsch sind. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, würde nie Sachen machen von denen sie weiß, dass die falsch sind.

Sie würde die nicht mal machen, wenn ich die richtig fände.

Zum Beispiel habe ich mir einen neuen gebrauchten Klappstuhl aus weiß lackiertem Holz gekauft.

Das war wieder falsch.

Andererseits hat man damit quasi die Rasenfläche an der Außenalster in Hamburg im Kofferraum. Das ist ein ganz erhabenes Gefühl, wenn man weiß, dass man den rausholen kann und dann wird das richtig entspannt. Außerdem ist Entspannung auf weiß lackiertem Holz schon etwas anders als auf schwarzem Stoff von IKEA.

Ich habe den alten Stuhl von IKEA nämlich auch noch. Wenn den also jemand braucht, ich würde den verkaufen.

Das ist ein super bequemer Regiestuhl, ich sage mal, dass ich gern 25€ dafür hätte, aber nur von denjenigen, die die alte Geschichte über den Klappstuhl nicht gelesen haben, weil da nämlich drinstand, was ich dafür bezahlt habe.

Das war jetzt wieder ein Beispiel für eine Sache, die ein Mann macht obwohl er genau weiß, dass das falsch ist.

Meine Frau würde jetzt ganz laut sagen:
„Das kann man doch nicht machen!“

Sie betont dann gern das letzte Wort im Satz und zieht die Stimme etwas hoch.

Dann kann ich gar nicht zuhören, was sie sagt, weil mich das an den Gesangsstil von Bob Dylan zwischen 2005 und 2009 erinnert. Das war auch eine sehr, sehr anstrengende Zeit.

Leider glaube ich, dass Männer manche Dinge ausgerechnet deshalb machen, weil ihre Frauen sagen, dass man die „nicht machen kann“.

Jedenfalls könnte es sein, dass das dann deutlich mehr Spaß macht.

Ich weiß übrigens gar nicht, ob Bob Dylan zwischen 2005 und 2009 verheiratet war, weil der ja nicht darüber spricht. Der spricht eigentlich fast gar nicht, wenn er Leute nicht gut kennt.

Es könnte aber gut sein, dass er eine Frau hatte, die gesagt hat „lass‘ das mal mit diesem upsinging, das nervt“.

Und das ist auch so ein Typ, der das dann trotzdem weitermacht.

Ach, die Tankstelle, habe mich mal wieder im Unterholz verlaufen.

Wobei man bei „Holz“ ja von den Angestellten trotzdem nicht weit weg ist.

An sich kennt sogar der Hund alle, die da morgens reinkommen. Es gibt nur einen einzigen, der so richtig nervt, dessen Name wird mit seiner Autonummer codiert. Der hat zu allem etwas zu sagen, aber nur Negatives.

„Tattoos sind asozial“, hat der neulich zu Lara gesagt. Und die Lara ziemlich viele großflächige Tattoos, also „groß“ im Verhältnis zu ihrer nicht so großen Oberfläche.

So ist der immer, man könnte sich über den richtig aufregen. Aber über den kann man eben hinterher auch gut sprechen. Und wenn der zwei Wochen nicht da war, dann fragen alle wo denn „XX 69“ bleibt.

Aber wenn der dann wieder kommt, dann wollen alle, dass der schnell wieder geht. Das ist so bei schwierigen Fällen. Der kann einem schon leid tun.

Muss jetzt Schluß machen, weil Frau Hahn gerade reinkommt. Sie kommt immer um 8:10. Heute müssen wir noch über den neuen Borowski-Tatort sprechen, der läuft heute um 20:15 in der ARD.

Mittwochs bleibt Frau Hahn nur 30 Minuten, weil der Eiermann dann kommt. Sonst bleibt sie eine Stunde. Sie sagt, dass nirgends die Zeit so schnell vergeht wie an der Tankstelle.

Sie ist schon 80.

Und wenn sie um 8:20 noch nicht da ist, dann rufen die von der Tankstelle bei ihr an. Das kommt höchstens einmal im Monat vor.

Speziell, wenn am Vorabend Champions-League im TV lief.

Patricia

*Patricia*
Wenn Frauen sagen, dass sie über etwas nicht sprechen wollen, dann sollte man als Mann für die nächsten Minuten schon mal auf Empfang bleiben.

Heute war ich wieder bei Lidl, voll gut, habe schon von draußen die Tattoos auf den Kassentasten gesehen. Frau Müller hatte die Spätschicht.

Manchmal hat man eben dieses unverschämte Glück. Heute musste ich wieder drei Leggings zurückbringen, die die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, für die Kurze mitgenommen hatte. In Grau und Weiß, mein Gott, die Kurze trägt doch nur schwarze Leggings. Aber als Umtauschkunde bin ich durchtrainiert.

Jedenfalls bin ich dann rein und habe Frau Müller gesagt, dass sie mir nicht passen, aber die hat nur gesagt: „Heute wird nix getauscht.“

Das hat mich dann trotz meines Ausrufes „Frau Müller!“ eigentlich sprachlos gemacht. Ich durfte die Leggings dann aber an ihre Kasse legen und sie hat mir sogar das Tor an der Nebenkasse geöffnet. So ist sie eben, meine Frau Müller.

An der Kasse habe ich dann erstmal drei „Kleinkunden“ mit weniger als 10 Artikeln vorgelassen, damit ich Frau Müller in Ruhe interviewen kann.

Sie hatte nämlich nicht mehr das übliche „Frau Müller“-Schildchen sondern eines mit „Patricia M.“.

„Patricia“ ist ein wundervoller Name, oder?

Und wie immer, wenn ich etwas frage, hat sie wie üblich „darüber will ich nicht sprechen“ gesagt als ich fragte, was denn mit dem „Frau Müller“-Schild passiert ist.

Wie immer habe ich dann nur gegrinst und habe die Empfangsfrequenz beibehalten. Das dauert nur Sekunden, dann hat man bei Frauen nach „nicht sprechen“ wieder Empfang. Bloß nicht mit „Och, schade“ oder „bitte, bitte“ oder so kommen, dann ziehen die das nur länger raus und reden erst nach 5 Minuten wieder.

„Ist wegen Datenschutz“, hat Frau Müller plötzlich rausgeschossen.

„Hach, Frau Müller, das ist ja totaler Quatsch, denn ich weiß doch, dass Sie Müller heißen. Im Gegenteil, ich weiß jetzt doch noch mehr als *vor* dem Datenschutz, ….. *Patricia*. Oder soll ich „M“ zu Ihnen sagen wie bei James Bond?“

„Mir egal, aber es ist noch viel schlimmer, ich muss jetzt zu meiner Chefin *Corinna* sagen. Und die duzt mich jetzt auch, müssen wir, das ist neu. Alles wegen Datenschutz.“

„Und was sagen die Kunden jetzt zu Ihnen?“

„Na, ‚Müller‘.“

Die Patricia kann richtig toll die Augen rollen.

Und dann hat sie noch gesagt, dass man „weniger Respekt hat, wenn man Chefs duzt“.

Die Patricia, die ist echt cool.
Frühschicht erst wieder am Montag.

Das „P“ am Auto

*Das „P“ am Auto*
Ich finde Senta Berger immer toll.
Und ich fand sie früher aus anderen Gründen toll als heute. Aber toll ist die auch heute mit 75.

Gestern war sie in der NDR-Talkshow, die habe ich aufgenommen und daher live nicht so ganz genau aufgepasst. Heutzutage schreibt man ja beim Fernsehen eMails und im TV verpaßt man dabei sehr selten etwas.

Jedenfalls hatte sie die Idee, dass an einem Auto hinten ein „P“ aufleuchten sollte. Das ging so hin und her, damit derjenige, der langsam hinterherfährt, Bescheid weiß und so und vielleicht daneben parken kann.

Ich hatte die Vorstellung, dass das leuchtende „P“ an Heck „Suche Partner“ bedeuten soll . Darauf kommt man zuerst, wenn man Senta Berger zuhört. Allein dieses Wienerisch, es wäre auch im Radio ein Genuß.

Das mit der ‚Partnersuche‘ habe ich dann die aufmerksame beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, gefragt. Also ob das „P“ in der Senta-Idee „Suche Partner“ heißen soll.

„Hör‘ doch mal zu!“, hat sie gesagt.

„Das soll heißen ‚Suche Parkplatz‘!“

Ich fand das mit der Partnersuche viel besser, weil man dann nicht wie bei diesen Online-Plattformen die Senta im Sack kauft, sondern gleich weiß, wie die fährt.

Ich glaube, dass Senta Berger immer noch ziemlich zügig fährt. Es kann sogar sein, dass sie dicht auffährt.

Das glaube ich zum Beispiel bei Claudia Michelsen nicht. Die finde ich noch besser als Senta Berger.

Die spielt in „Polizeiruf 110“ eine beinharte Kommissarin auf einem schweren Motorrad. Mit der verpasse ich keine Folge und ich interessiere mich gar nicht wirklich für Motorräder.

Aber die Michelsen ist ziemlich ängstlich in der Realität und musste das Motorradfahren auf abgesperrten Straßen erst üben.

Das hat sie mal bei „III nach 9“ erzählt.

Ich sehe gern Talkshows.

Leider wird es immer seltener, dass ich die Leute kenne, die die einladen.

Transcendental Blues

*Transcendental Blues*
Warum das jetzt „Blues“ heißt, weiß ich auch nicht.

Aber ich hatte gerade Steve Earle in den CD-Player geschoben und das war gut. Es war nur seine CD, nicht er selbst. Er passt nicht in den Schlitz, viele Jahre schon nicht mehr. An sich hätte ich die Bemerkung nur bei Taylor Swift machen müssen.

Jedenfalls wollte ich vorgestern „Schweigeminute“ nach Siegfried Lenz im TV aufnehmen aber die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat gesagt, dass das kleine Kind irgendwas im Disney Channel parallel aufgenommen haben will während meine Frau irgendeinen „Bügelfilm“ live sehen wollte.

Das ist dann eine Sendung zuviel, auch weil mein Rechner sich parallel noch mit Musik beschäftigt.

Und dann habe ich eben ganz kurz so ein stöhnendes Geräusch gemacht, weil „Schweigeminute“ nur zu dieser Zeit lief. Es war wirklich nur so kurz im Rachen und etwas kratzig, weil ich gerade vom Rauchen im Regen kam.

„Sei doch nicht immer so negativ„, hat sie dann gesagt.

Da habe ich mir dann selbst lieber eine Schweigeminute verordnet und meine programmierte Aufnahme der anderen „Schweigeminute“ gelöscht.

Früher hatte ich für jede Oberstufenklasse immer einen Weihnachtskalender in „meinem“ Unterrichtsraum. Da war dann eine Wand fast voll, weil ich meistens 12 Klassen unterrichtet habe. Da standen dann auf den Türchen mit Edding die Namen und in der ersten Minute wurde der Kalender rumgegeben damit der Betreffende seinen Schokoladenengel aus dem 99ct Kalender rauspulen konnte.

Egal, der Direktor meinte, das passe nicht in einen Unterrichtsraum für 17-20jährige. Ich durfte aber die eine Grünpflanze, die die am Fenster immer gegossen haben, stehenlassen. Ich glaube aber nicht, dass der die Grünen gewählt hat, der war eher so der Typ für eine Versicherung.

Und weil ich jetzt keine Klassen mehr habe, mache ich so einen Kalender eben für meine Stammtankstelle fertig. Das passt genau, weil da 11 „Mädchen“ arbeiten und der Chef ist ein Mann, also zwei Türen für jeden bei 24 Türchen.

„Der vom letzten Jahr war aber viel schöner!“

„Ich will aber einen mit Lakritz!“

„Ich bin am 4ten und am 19ten dran! Voll doof.“

„Warum hat Sina den 24ten mit dem großen Stück bekommen?“

Kennt Ihr „Killing The Blues“, gesungen von Shawn Colvin? Da hört man mit guten Lautsprechern sogar das Knarren der Holzdielen auf dem Bühnenboden.