




Meine Apotheke
Ein Arzt muss ja etwas machen, etwas verschreiben -gerade für Ältere, aus Gründen-, leider schreibt meiner -ein ‚Superman in White‘- alles auf ein einziges Rezept.
Da stehen dann drei Produkte.
Ich hätte aber gern drei einzelne Verordnungen, dann könnte ich für jedes einzeln in meine ‚Stamm-Apotheke‘ gehen.
Also jede Woche einmal zum Beispiel.
Meine Apotheke ist in einem riesigen Einkaufszentrum.
„Riesig“ ist für mich alles, was dazu führt, dass ich nie weiß, aus welcher Richtung ich dort reingekommen bin.
Das bauen die absichtlich so.
Plötzlich ist man bei ‚Action‘ und kauft Dinge, die man nicht braucht.
Jedenfalls darf da kein Hund hinein.
Es gibt nur eine einzige Ausnahme:
Meine Apotheke.
An der kann ich mich dort auch orientieren.
Merke „A vor A“:
‚Auto vor Apotheke‘.
Die haben eine Warteschlange, aber ich warte mit Hund einfach auf einer weißen Holzbank, bis ich aufgerufen werde.
„Schlange“ ist nicht das Meine.
Es ist mir auch egal, ob jemand ungefragt vordrängelt. Man sitzt sehr gut da und kann ‚Apotheke‘ beobachten.
Außerdem kennt man die Frauen vom Fach dort, wenn man -wie ich- nur positive Erfahrungen mit den Grüngewandeten hat. Ein gesundes Grün ist das, da hat jemand einen Eimer „Blau“ vorbeigetragen.
Fast ‚Petrol‘, aber 50cm daneben wie die Ecken von Kimmich.
Ja, da arbeiten auch freundliche Männer, aber ich sehe die nur selten, vermutlich bleiben die hinten.
-Apothekerin #1-
Kennt Ihr Fingerabdrücke?
Auf dem Bildschirm im Auto?
Auf dem Handy?
Auf Gläsern?
Auf Stereoanlagen, Vinyl und CD?
Ich hasse Fingerabdrücke.
Man hinterlässt keine Spuren.
Ich hasse Creme an Händen.
Leider sind meine Hände daher im Winter rissig. Und „#1“ sah sich das kurz an und sagte „Hier! Bitte abends eincremen, Stoffhandschuh darüber!“
„Fußcreme? Für meine Finger?“
„Yes, ich schlage hier einen ‚off-label-use‘ vor. Die ist fetter als die für Hände. Ist besser in Ihrem Fall.“
Eine Kollegin rief sie später einmal „Hanni“. Oder „Honey“? Egal, jedenfalls sagte ich „Hannelore, ein klassischer Name in ihrem Alter!“
Das gefiel ihr gar nicht, denn Apothekerinnen haben idR keine Vornamen.
Die fährt Autorennen.
Und die kann fliegen.
Nur von „Wasser“ hat sie keine Ahnung.
Dafür aber von Cremes bis Impfung.
Sie hätte auch „Ärztin“ gekonnt.
-Apothekerin #2-
Kennt Ihr Ali Güngörmüş?
Der ist Fernsehkoch.
So und jetzt stellt Euch in einer Apotheke eine große, blonde Helene Fischer vor, die aber ‚Güngörmüş‘ heißt.
So ging mir das auch.
Leider frage ich dann sofort:
„Warum heißen Sie ‚Güngörmüş‘?“
Die hat mir das -absolut nachvollziehbar- erklärt. Ich kannte den Namen ‚Güngörmüş‘ nämlich von früher. Ohne TV.
Ich muss noch herausfinden, wann in der Apotheke am wenigsten los ist, dann kann man da länger quatschen.
Die gehen ins Casino, die gehen Pizza essen, die jagen Mörder in so einem Zimmer. Die machen viel.
Klar, wenn da steht, dass die früher schließen, dann findet man die Gründe nur durch Fragen heraus.
Die schreiben ja nicht „Morgen ab 17:00 Casino. Nix Medis. Möglich, dass wir übermorgen schließen, wenn wir gewinnen“.
Frau Güngörmüş sagt dann nicht einfach einen Satz, die erzählt das richtig, mit den Alternativen, die es vor der Abstimmung hab.
Fast wie ‚Schule‘, demokratisch.
Vermutlich ist der Chef von ‚das Ganze‘ eine Frau.
-Apothekerin #3-
Eine erfahrene Kraft, aber man sieht ihr das nicht an, sozusagen schlank, groß und jugendlich.
Sie kann detailliert über Medikamente sprechen wie über einen Niederquerschnittsganzjahresreifen.
Völlig sachlich.
Aber im Spaß kann sie auch anders.
So minimal „bös“ wie ich das liebe. Dann wieder total witzig. Daher heißt sie bei mir auch unterschiedlich.
„Frau Garstigkeit“ oder „Frau Heiterkeit“.
Das kann sekündlich wechseln.
Ich durfte sogar mal in ihr „Allerheiligstes“.
Also hinter ihre „Wand“.
Da arbeitet ein Roboter, der spuckt die Medikamente rasant hinter den Tresen.
Fas-zi-nie-rend.
Ich habe mehrfach gefragt, wer da hinten so schnelle Finger hat.
Und jetzt ist das ein ‚Mann‘!
‚Der‘ Roboter.
Die haben sogar „Notstrom“.
Wenn der Strom ausfällt, weiß niemand, wo in einer 4m hohen und 8m breiten Wand welches Medikament wo ist.
Das ist fast wie bei meinem CD-Regal.
-Apothekerin #4-
Sie ist anders und mein ‚Zukunftsprojekt 2027‘. 😉
Mit Brille, wie ich. Aber sie spricht nicht so viel wie ich.
Neulich:
„Wenn Sie so viel reden, dauert das viel länger!“
Da war ich noch an der Startlinie.
Außerdem will ich es ja ‚länger‘, wenn keiner wartet.
Selbstverständlich meine ich das lediglich scherzhaft. 🙂
Menschen sind verschieden, die einen wollen arbeiten und die anderen wollen etwas ’nebenbei‘.
Wie Cantuccini zum Espresso, manche wollen das, andere nicht.
Ich werde an ihrem ‚talk acting‘ dennoch arbeiten wie Lee Strasberg.
Das ist der mit dem ‚method acting‘.
In ‚The Godfather II‚ spielt er ‚Hyman Roth‚ neben Al Pacino als ‚Michael Corleone‚.
Großartig.
Im Foto kann man sehen, dass ‚Michael‚ ältere, eingelaufene Schuhe trägt, die aber perfekt geputzt sind. Das macht einen tollen Film aus. Die Kleinigkeiten. Fast wie im Leben.
Melika hat mich darauf aufmerksam gemacht, wie SchauspielerInnen in Filmen essen.
Das nennt man in den USA ‚eat acting‘.
Sehr interessant, man kann den Film auch ohne Ton sehen.
Speziell Brad Pitt und Jack Nicholson können das perfekt. Also, so, wie die Rolle es erfordert.
Hach, das war jetzt wegen ‚talk acting‘ ein längerer Platz auf der weißen Sitzbank.
Warum stellt ein Arzt nicht drei einzelne Verordnungen aus?
–
„peace, tranquility and good will“