Blumenampeln und Porzellanfische-jetzt wirklich

Blumenampeln und Porzellanfische-jetzt wirklich


Am schwersten haben es die Beamten, die staatlich Alimentierten.

Die trifft die ganze Härte des Lebens.

Habt Ihr schon einmal eine Beamtin oder einen Beamten bedauert, weil sie oder er soviel Arbeit leisten muss und hat?

Eben, habt Ihr nicht.

„Warum? Du bist doch Beamter!“

Wir dürfen nämlich das nicht, was alle anderen dürfen:

Jammern.

Dafür, dass uns das unterschwellig untersagt wird, werden wir viel zu schlecht bezahlt.

Ein Mediziner hat idR ebenso lange studiert und gelernt wie ein Gymnasiallehrer, aber der „verdient“ wesentlich mehr und der darf trotzdem noch jammern.

Das gilt auch für Psychologen, Anwälte und … ach, das gilt für wirklich viele.

Aber niemand spricht es aus.

Nur ich.

–

„Beschwerden“, das darf man sich eigentlich ja kaum, aber alle tun es.

Oft an falscher Stelle. Oft gar nicht. Oder zu spät.

Hier geht es um das „Zu-spät„.

Mein liebstes Beispiel ist der Birnenteig mit Speck, den die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, immer, -in großen Abständen- zubereitet.

Das ist ein Hefeteig, der in einer Steingutschale gebacken wird, vorher wird die ganze Schale mit durchwachsenem Speck ausgekleidet, ziemlich dick, viel davon.

Dann „geht der Speck“ nicht weg, aber „an“.

Der wird so -angeblich- knusprig.

Also am ersten Tag.

Ich mag keinen Speck.

Den gebe ich dem Hund. Unter dem Tisch.

Ach so: Dann schneidet man den „Kuchen“ in Stücke und legt den auf einen tiefen Teller. Dann kommen halbe Birnen aus der Dose drüber, etwas kleingeschnitten.

Und diese süße Flüssigkeit, die wird darübergekippt, in der Folge vom Teig aufgesogen, das matscht regelrecht.

Das ist nordisch. Speck, aber süß.

So.

Und jetzt stellt Euch vor, dass ihr Penelope Cruz kennengelernt habt und dass sie Euch eingeladen hat, zum Essen.

Am Abend. Open-End. Nur Du.

Und dann schwimmt speckiger Hefeteig in Birnensuppe und sie strahlt Euch an, sie schiebt dabei ihr dunkles Haar rechts hinter das Ohr.

Traumhaft.

Was sagst Du dann?

„Furchtbar! Muss ich das essen?“

„Oooch, kann ich ein Butterbrot haben?“

Nein, Du lächelst zurück und würgst das runter.

Für sie. Für Penelope. Dieses eine Mal.

„Das kannte ich noch nicht. Wunderbar! Darf ich noch ein Hefeboot schwimmen lassen?“

Das ist der Anfang vom Ende.

Eine unvergessliche Nacht.

Dann heiratet ihr.


Dann macht sie „Birnenteig“ jeden Monat.

Nach 25 Jahren hast Du das 300mal runterbekommen. Dann streitet Ihr Euch einmal und Du sagst „Deinen Birnenteig habe ich noch nie gemocht!“

Das ist dann die Scheidung.

Du hättest es vor dieser ersten Nacht sagen sollen.

Aber das ist das Problem:

Ehrlichkeit wird nicht immer belohnt.

–

Das ist bei Geschenken nicht anders.

„Oh Gott, das ist ja grauenhaft!“, das kommt in der Regel beim Schenkenden nicht wirklich gut an, auch, wenn Ihr meint, was Ihr sagt.

Der hat sich ja bemüht.

Aber eben parallel zu Deinem Geschmack. Weit entfernt parallel.

Man kam auch „windschief“ sagen.

Meine Mutter war schon in den 60er Jahren modern eingerichtet, schwarzes Leder, eine weiße Hülsta-Schrankwand, helle Auslegeware.

Mit Flecken, der Hund kotzte da drauf, der mochte Beige nicht so.

Beige.

Ich sage immer „Altersheimbeige“ zu „Beige“.

Ältere tragen gern Beige.

Ich vermute, dass die die schwarzen Sachen -die ihnen besser stehen- für die zahlreichen Beerdigungen -der Lauf der Dinge- schonen.

Geschenke, ja, weiter:

Jedenfalls hatten wir eine „Zugehfrau“, eine „Putzhilfe“, eine „gute Seele“, die jede Woche kam.

Und die konnte häkeln oder stricken, egal, ich kenne den Unterschied nicht.

„Riemenantrieb oder Direktantrieb“, das ist wichtig, nicht das mit diesen Fäden.

Und die schenkte meiner Mutter eine „Blumenampel“, also so ein gehäkeltes Gerät, das man aufhängt -bei uns im Durchgang zwischen selten genutztem Esszimmer und selten genutztem Wohnzimmer- da steckt man einen Blumentopf rein und das Grünzeug floss da so runter.

Grau-en-haft.

Man sitzt in der Küche. Der Rest ist für Gäste.

Meine Mutter hat sich total gefreut über diese „Aufmerksamkeit“. Als sie, die „gute Seele“, dann gegangen war, wurde die Ampel hinter dem Schlafzimmerschrank zur Ruhe gebettet.

Aber am nächsten Montag musste sie wieder hängen, dann kam nämlich Frau Ramsauer wieder.

Und ein Jahr später kam dann die Zweitampel, dann die Dritte. Es wurden echt viele. Die wurden montags am Morgen gehängt, mittags entfernt.

Vollstress.

Und so ist es auch, wenn man Beamter ist.

–

Zwei Porzellanfische stehen auf dem Toilettenspülkasten in einer Praxis in dieser Stadt.

Die fallen mir fast jede Woche runter, es gibt keinen anderen Platz für meine Zahncremetube.

„Warum liegen die da? Die haben keine Funktion, die nerven!“

Das habe ich beim fünfzigsten Besuch gesagt.

„Wenn ich da reingehen würde, wären die sofort weg. Aber die sind von einer Patientin. Ein Geschenk. Ich finde die schrecklich.“


–
„peace, tranquility and good will“

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