










Blumenampeln und Porzellanfische
Mit der Zeit verändert sich viel, oft bedauerlich, aber nur dann, wenn man dazu neigt „im Rückspiegel“ zu leben und das Negative vom „Früher“ auszublenden.
Es gibt aber Ausnahmen.
Plattengeschäfte zum Beispiel.
Wenn man praktisch auf Fußballplätzen und in Plattenläden einen Teil seiner Jugend verbracht hat, dann fehlen später Ballkontakte und die haptische Erfahrung im Plattengeschäft.
Nur neue Platten haben diesen Neuplattenvinylgeruch.
Im Briefkasten kommt das heute nicht mehr rüber, man braucht „Masse“ für Geruch.
Heute haben wir hier noch zwei Plattengeschäfte mit Vinyl und CDs, Second-Hand, klar.
Der Eine gehört Bettina, jedenfalls habe ich sie 20 Jahre lang so angesprochen. Bis Frank, ihr Kollege, mir sagte, dass sie Paula heißt.
Warum hat sie das nicht 2006 gesagt? Jetzt ist es zu spät, ich kann mich nicht mehr umstellen.
„Du, ich heiße auch nicht ‚Frank‘, ich bin Michael, aber mich störte das nie!“
Offenbar sagen andere Kunden auch „Frank“.
Möglich -aber unwahrscheinlich- ist, dass ich schon mehrere zu „Bettina und Frank“ geschickt habe.
Der andere gehört Ralph. Oder so. Der ist super und auch Radiotechniker.
Jedenfalls alles mit „R“.
Früher, da hatten wir auch den Elektronikmarkt mit großer Plattenabteilung, jetzt sind da so eine Delphin-Apotheke und ein Outdoor-Geschäft.
Da war ich noch nie.
Die Apotheke ist grell beleuchtet, das macht mich krank. Und „Outdoor“, da werden Schuhe schmutzig.
Neben der Schwimmhalle wird jetzt frisiert, da wo früher auch Vinyl stand.
Statt Membran gibt es Burger an einer Straßenecke. Membran erlebte mein Abitur nicht.
Klamotten jetzt in der Fußgängerzone. Da war auch ein Elektronikgeschäft für weiße und schwarze Ware. Aber auch Fahrräder, zum Treten. Die Platten waren an den Rändern immer angestoßen.
Habe nie eine da gekauft.
Der ging zuerst ein, aber nach Membran. Membran verkaufte oft Pressungen aus fernen Ländern.
Die waren zwar billig, aber im Nachhinein zu teuer.
Es gibt echt viele Klamottengeschäfte. Zu viele. Ich brauche drei Jeans, drei Jeansjacken, fünf Hoodies und zwei Lederjacken.
Fast alles gebraucht.
Ich verstehe nicht, warum so viele Gewerbetreibende davon leben können, von Bekleidung. Lidl hat ja auch gute T-Shirts und Reebok-Socken.
Vinyl und CDs kann man nicht genug haben. Zur Not -wenn man einfach nichts findet- kauft man dieselben nochmal.
Andere machen das mit Schuhen.
Viel teurer.
Wegwerfschuhe, diese Sneaker.
Furchtbar. Plastik.
In einem riesigen Buch- & Musikhaus kannte ich alle, von Angela bis Phillip. Die führten mich als „DJ“ einer Schule, daher bekam ich 10% bis 20% Rabatt.
Der Einen folgte ich nach der Insolvenz zu Saturn.
Claudia Michelsen II.
Der kleine Laden im Gang neben dem Theater: Weg.
Jetzt ist da so eine Spelunke drin, mit einem Rechtschreibfehler draußen. Ich bin deshalb nicht reingegangen.
Wenn dann noch ein Fehler am Tresen steht, ist man am Arsch.
Manche Frauen sind hochgradig gefährlich, wie die in der Bar in Winterhude in den 80ern.
Mein Gott.
Ich war nur dreimal dort.
Großartig.
Also nicht nur die Bar im Souterrain zu Vinylzeiten.
Sade, sie hatte etwas von Sade.
Viel, eher viel.
Winterhude hatte keinen Plattenladen.
Da musste man „Glück“ anderswo suchen.
Im Vergleich ist Vinyl dauerhafter.
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Wir haben heute noch zwei Saturne.
Sagt man „Saturne“? Oder „Saturns“?
Egal, die haben zusammen weniger CDs und Platten als ich. Das ist armselig, aber auch mehreren Jahrzehnten geschuldet.
Ihr wartet vermutlich auf „Blumenampeln und Porzellanfische“.
Die habe ich jetzt leider vergessen.
Vielleicht morgen.
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„peace, tranquility and good will“