




6 Missverständnisse
An sich ist das Leben doch voll von Missverständnissen unter Menschen.
Und damit das so bleibt, haben wir hier für den Anfang ein kleines Sammelsurium.
Eins
Kürzlich saß der 17jährige Autofan mit mir an Kurvendiskussionen. Das ist Mathematik. Der versteht an sich alles, man muss nur Beispiele mit Automobilen finden oder sich ausdenken.
Als ich im Aufstehen zum Schluss sagte:
„Mann, wo ist mein Anorak?“, da war er sehr beeindruckt, er fragte schnell nach:
„Du? Einen Amarok? Wie geil ist das denn?“
Nun, so einen Straßenpanzer würde ich nicht mal geschenkt wollen, vielleicht in Kanadas Norden oder auf Grönland, aber nicht in einer Stadt. Aber auch dort verbraucht der zuviel.
Zwei
Irgendwo bei ‚Threads‘, das nutze ich täglich für 10min für eine parallel durchgeführte Kieferübung, kam der Begriff „body count“ vor, dann nochmal.
Ich verstand gar nichts.
Da ist ja alles überschwemmt von russischen Bots, die negativ posten und den Rechtsradikalen Vorschub leisten, sehr nervig, dieser Blödsinn.
Man erkennt sie relativ leicht.
Dann habe ich bei „body count“ lieber nicht nachgefragt, ich dachte nämlich, es ginge um Längen, Gewichte und BMI-Daten.
Aber Miss Wiki hat es mir dann erklärt:
- Body Count (Krieg), die Zahl getöteter Feinde im Krieg
- Body Count (Band), eine US-amerikanische Crossover-Band
- Body Count (Album), ein Musikalbum der gleichnamigen Band
- Body Count, umgangssprachlich die Anzahl der Sexualpartner
Nun, ich überlege mir, ob ich nicht lieber für 10 Minuten zum Frühstücksfernsehen wechseln sollte.
Drei
Es ging irgendwo um „Poesie“ und der OT beklagte, dass die Menschen nicht mehr viel von ‚Poesie‘ verstehen, so sinngemäß.
Jedenfalls hatte ich dazu etwas geschrieben.
Was genau, das hatte ich -natürlich- schnell vergessen.
Danielle zitierte etwas später jedoch meine Aussage
„Frauen sind -im Schritt- poetischer ….“
Da bin ich gleich nervös geworden und habe mich für den Fauxpas entschuldigt und die Rechtschreibkorrektur verantwortlich gemacht.
„Im Schnitt“ sollte das natürlich heißen, auch wenn diese Aussage -zu Recht- angreifbar ist.
Aber die Danielle hatte den Fehler mit voller Absicht ins Zitat gezaubert, ich hatte gar keinen „Schritt“ erwähnt.
Das war also ein Missverständnis der geplanten Art.
Dieser weibliche ‚Schlingel‘, was habe ich geschmunzelt. 🙂
Vier
„Survival of the Fittest“ bedeutet auf Deutsch
das Überleben der am besten Angepassten, nicht der Stärksten.
Dieser Übersetzungsfehler, dass die „Stärksten überleben“, ist relativ häufig anzutreffen.
„Geprägt von Herbert Spencer und von Darwin genutzt, beschreibt es, dass Individuen, die durch vorteilhafte Merkmale besser an ihre Umwelt angepasst sind, häufiger überleben und mehr Nachkommen produzieren.“
Auf Deutsch:
Der ’starke‘ Löwe wird nicht so lange überleben wie die zarte Mücke.
Gern darf das auch politisch gelesen werden.
Fünf
Manchmal, so wurde es von Dunning und Kruger untersucht, missversteht der Mensch sogar sich selbst.
Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt -knapp beschrieben- eine kognitive Verzerrung inkompetenter Menschen bei der Einschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten, kurz sie halten sich -laut der Studie- für intelligenter als sie tatsächlich sind.
In der Graphik wird das dargestellt.
Nach rechts zunehmende „Kompetenz“, nach oben das „Selbstvertrauen“ in Abhängigkeit von der jeweiligen Kompetenz.
Der „Mount Stupid“ mit hohem Selbstbewusstsein aber geringen Kompetenzen eignet sich gut als Schlagwort in Diskussionen.
„Gern erkläre ich es Dir nochmal, damit Du eine Chance hast, von Deinem ‚Mount Stupid‘ abzusteigen.“
Danach kann man dann den „Effekt“ erklären, also, wenn man sich gern selbst darstellt.
Jedenfalls behaupteten D&K nach Untersuchungen an Probanden zu Textverständnis, zum Schachspiel und zum Autofahren, dass Unwissenheit oft zu größerem Selbstbewusstsein führt als tatsächlichen Wissen.
Sie, die Probanden, überschätzten eigene Fähigkeiten, erkannten höhere bei anderen nicht und schätzten das Maß ihrer Inkompetenz nicht korrekt ein.
Das „Imposter-Phänomen“ beschreibt den Effekt am anderen „Ende“ der Skala, dass nämlich gerade besonders kompetente Personen an ihre eigene Kompetenz nicht glauben und denken, sie hätten den eigenen Erfolg ‚eigentlich‘ gar nicht verdient.
Und bevor ihr jetzt darüber nachdenkt, muss ein Missverständnis ausgeräumt werden:
Der Dunning-Kruger-Effekt (1999) ist gar nicht nachweisbar, er zeigt lediglich auf, dass nahezu alle Menschen sich selbst für kompetenter und klüger halten als der Durchschnitt einer Bevölkerung.
Kurz: Dunning und Kruger waren vielleicht selbst Opfer ihres angeblichen „Effektes“.
Amüsant.
Die Graphik eignet sich gut zum Üben für Schüler, wenn eine Graphik interpretiert werden soll, inhaltlich ist sie leider Unsinn.
Aber so ist mir der „Dunning-Kruger-Effekt“ in die Quere gekommen, er geistert seit 27 Jahren durch die Welt und das Internet.
Sechs
Beliebte Missverständnisse gibt es auch bei kleineren Streitpunkten im Privaten.
A
„Sie räumt die Spülmaschine immer falsch ein, dazu lässt sie sie nur halb gefüllt laufen!“
So klagt der Ehemann.
B
„Meine Mann kennt beim Herd nur 9 und 0, alles kocht über, Nudeln, Kartoffeln, alles!“
So klagt die Ehefrau.
Er vergisst, dass sie sich um die Spülmaschine und sauberes Geschirr kümmert, kritisiert aber das „Wie“.
Sie vergisst dabei, dass ihr Mann kocht, und kritisiert nur das „Wie“.
Ein Missverständnis.
Mit 100%iger Sicherheit wird alles beim Anderen dann falsch, wenn man selbst gar nichts „tut“. 🙂
„Wer nix macht, macht keine Fehler“, sagt man ja gern.
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„peace, tranquility and good will“