GRAS – Goleman, Rapoport, Axelrod, Sliwka – „Tit for Tat“ – #2

GRAS – Goleman, Rapoport, Axelrod, Sliwka – „Tit for Tat“ – #2



Fortsetzung, ohne #1 wird #2 nix. 🙂

Wenn man jetzt seine „Emotionale Intelligenz“ entwickelt hat und auch noch „gewaltfrei“ mit Worten umzugehen gelernt hat, was macht man dann, wenn man sich wehren muss, wenn Verteidigung gefragt ist, wenn man sich nicht in sein Schicksal ergeben kann oder will?

Oder wenn man grob und unsportlich verletzt wird oder gar erpresst wird?


Dass Daniel Goleman nicht „Goodman“ hieß, ist schade, denn das wäre „Programm“ gewesen. 🙂

Niemand kann immer „good“ sein, das ist nicht einmal erstrebenswert, finde ich.


Wie wehrt man sich also sinnvoll und angemessen, damit man nicht ausgenutzt oder beherrscht wird?


Persönlich?
Ich glaube, dass ich relativ viel mit Humor „nehmen“ kann ohne „böse“ zu werden. Aber wenn ein „Maß“ voll ist, dann neige ich leider zur Konsequenz und zur Härte bis mein Gegenüber Nachgiebigkeit zeigt oder ich jegliches Interesse begrabe. Jemand, der mich lange nur mit einem Lächeln kennt, fällt leicht aus allen Wolken, wenn er/sie nicht aufgepasst hat.

Das ist so nicht leicht abzustellen, das ist -leider- eine Persönlichkeitsfrage und vielleicht mein Grundfehler.


Die Ideen von *Anatol Rapoport* geben einen guten Hinweis, wie man das besser macht.

Anatol ist fast 97 Jahre alt geworden, die Zeit brauchte er auch, weil er sich mit so vielen unterschiedlichen Themen in seinem langen Leben beschäftigt hat.

Aus Russland 11jährig 1922 in die USA emigriert und -ohne korrekte Reihenfolge- Psychologe, Musiker, Mathematiker und Biologe gewesen ist er. Und er untersuchte spieltheoretische Fragen fachübergreifend und lieferte Beiträge zur Konflikt- und Friedensforschung.

Kurz: Er hätte heute viel zu tun, seine Erkenntnisse zu verbreiten.

Im WWII war er als Soldat für die Air Force in Alaska und Indien.


Genug vom Hintergrund, zu einem seiner Ergebnisse zu „Zusammenarbeit und Konflikt“.

Er beschäftigte sich -gemeinsam mit anderen- mit spieltheoretischen Fragen wie dem Gefangenendilemma.

(„Als Gefangenendilemma wird ein Gedankenexperiment …. bezeichnet, aus dem ein mathematisches Spiel der Spieltheorie hervorgegangen ist. Es beschreibt eine Situation, in der sich zwei Handelnde („Spieler“) unabhängig und ohne Rücksprache zwischen zwei Verhaltensweisen entscheiden müssen, wobei der Erfolg oder ‚Ertrag‘ für den Einzelnen von der Entscheidung des jeweils anderen stark beeinflusst wird.“)

Bem: Das ‚interierte“ G-Dilemma besteht in dessen Wiederholung im „Spiel“.


Seine erfolgreichste Strategie nannte er „Tit for Tat“.

„Es zeigte sich, dass Strategien einer *bedingten Kooperation*, insbesondere ‚Tit for Tat‘, von den Probanden häufig gewählt wurden. In den gegen Ende der 1970er Jahre von *Robert Axelrod* initiierten Computerturnieren zur Evolution von Kooperation im iterierten Gefangenendilemma war diese von Rapoport eingereichte ‚Tit-for-Tat‘-Strategie sämtlichen anderen Strategien, die am Wettbewerb teilnahmen, überlegen.“


So und wie „funktioniert“ nun diese „Tit for Tat“-Strategie?

-Auf Deutsch könnte man sie mit „Schubser für Schubser“ übersetzen, „Auge um Auge“ wäre zu brutal, also in dessen Bedeutung-


Ein Spieler, der die Tit-for-Tat-Strategie anwendet, beginnt die Interaktion mit einem kooperativen („freundlichen“) Spielzug.

Danach macht ein Tit-for-Tat-Spieler jeweils den letzten Zug des anderen Spielers nach.


„Verhalte Dich zum Gegenspieler so, wie der Gegenspieler sich Dir gegenüber verhalten hat“ kann man auch sagen.

Zu Beginn verhält sich der ‚Tit for Tat‘-Spieler also immer freundlich und kooperativ.

Bei ‚Fehlverhalten‘ des Gegenspielers gibt es eine beschränkte Vergeltung, die das Verhalten des Gegners „spiegelt“, danach kehrt der „Tit for Tat“-Spieler sofort wieder zur Kooperation zurück.

Er straft also sofort, auch hart, bietet aber umgehend wieder einen freundlichen Umgang durch erneute Zusammenarbeit an.

Bis zur nächsten „Bully“-Aktion des Gegenübers, klar.


Ganz wichtig:
Wenn zwei „Tit-for-Tat“-Spieler aufeinander treffen, so kooperieren sie immer, zum gegenseitigen, gemeinsamen Nutzen.

Die Strategie ist grundsätzlich „freundlich“ im Umgang, lässt sich aber nicht „die Butter vom Brot nehmen“.

Auch mit mehreren Mitspielern war „Tit for Tat“ stets die erfolgreichste Strategie.

Laut *Robert Axelrod* (der mit den Simulationen ist jetzt 83) zeichnet sich „Tit for Tat“ aus durch:

Klarheit

Nachsichtigkeit

Nettigkeit

Provozierbarkeit


Kurz:
Sie schlägt lediglich zurück, sie lässt sich provozieren, aber sie ist an keiner Stelle nachtragend oder von sich ausgehend „unfair“.


Und eben hat sie wieder „Tschüß“ gesagt, in der Halbzeitpause.

Ihr „Tschüß“ ist nämlich das Beste am Wetter im ZDF. Man kann es nicht oft genug sagen.

Tschüß.

–

… natürlich ist das hier nur ein Schluck Wasser vom See des „Tit for Tat“.

Es lohnt sich, die Uferlinie zu erkunden.


„Das wichtigste Prinzip besteht darin, nicht jedes unfreundliche Verhalten gleich zu bestrafen. Es müssen Vermutungen darüber angestellt werden, ob ein Missverständnis vorliegt, sei es auf der Seite des Gegners oder auf der eigenen. Die zusätzliche Nachsichtigkeit erlaubt den Gegnern zwar ein Wenig unfreundliches Verhalten, hat aber zur Folge, dass das Vertrauen, was bisher in diesen Gegner gesetzt wurde, gemindert wird. Unfreundlichkeit des Gegners schadet ihm weiterhin selbst.“

–
„peace, tranquility and …. tit for tat“ 🙂

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