Auf der Suche nach der verlorenen Mutter

Auf der Suche nach der verlorenen Mutter

Es war ein schwieriger Tag, ein Problem jagte das nächste.

Schon lange wollte ich einen Text darüber schreiben, was -meiner Ansicht nach- wichtig ist im „Leben“.

Und darüber, wenn man sich verhalten kann, wenn ein Mensch die Spielregeln verletzt.

Also, „högscht“ anspruchsvoll, wie Jogi Löw sagen würde.

Dann schreibt man nämlich gar nicht, wenn man so denkt. Ich denke schon lange so und schreibe nur duldsamen Kleinkram.

Morgens Schneematsch und Eis von der Nacht, damit habe ich mich zuerst beschäftigt.

Als alles draußen „rein“ und rutschsicher war, fing es wieder an zu schneien.

„Dann lieber zurück und die 9 Stockwerke saugen“ habe ich mir gesagt.

9 halbe nur.

Dabei habe ich eine kleine Mutter eingesaugt, auf Ebene 4.

Die 8 Stück waren mir zusammen mit den zugehörigen 8 Spikes eines Lautsprecherpaares unter das Bett gefallen. Von den 16 Kleinteilen hatte ich 15 gefunden.

Und beim Saugen hatte ich diese kleine Sau noch kurz gesehen, aber zu spät, sie verkroch sich rasant im Staubbeutel.

Typisch Mutter.

Dann habe ich erstmal ein Post-It auf den Sauger geklebt.

„Beutel nicht wegwerfen!“

Erst der Schnee, dann der Sauger, zum Kotzen.

„Also erstmal mit der Wäsche weitermachen“ war mein nächster Gedanke, der Hund wollte nicht raus, der wollte nur zu den Nachbarn.

Im Keller war dann Wasser von der Decke auf die Schuhkartons der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, getropft.

Sie wollte das Wasser draußen abdrehen, das ging wegen Frostes nicht, daher hatte sie eine Konservendose kunstvoll unter die Leitung gehängt, dahinein sollte es tropfen.

Aber so eine Dose ist eben irgendwann voll.

Ich wusste davon nicht, ich sehe nur in Kirchen nach oben und hoffe, dass es dann schneller endet.

Nach der Entsorgung der wachsweichen Kartons und einem Stoßgebet für 4 wertige Schuhpaare hat mich die Waschmaschine wie ein bösartiger Zyklop angesehen.

Als das dann alles fast fertig war, habe ich den Staubbeutel aufgeschnitten, eine echte Sauerei so etwas, aber Mutti war dann „schlussendlich“ in der letzten Ecke.

Einschub:
„Schlussendlich“, das sagt meine Physio jedes Mal, ich warte immer darauf. Am letzten Freitag hat sie es erst gesagt als sie schon die Türklinke in der schlanken Hand hatte. Da hatte ich schon gedacht, das Wort sei kaputt.

Ich hatte die blöde Mutter erstmal auf Ebene 3 auf den Tisch gelegt.

Stufen muss man geplant angehen, sonst schmerzen die Knie am Abend.

Sitzt man beispielsweise auf Ebene 9 unter dem Dach und es klingelt, betet man für eine Wohnung mit nur einer Ebene.

Oder für einen Fahrstuhl.

Wenn dann unten der Postbote steht und fragt „Können Sie das für Nummer 23 annehmen?“, dann weiß man, was schlimmer als ein „bad hair day“ ist.

Danach habe ich erstmal meine 3 Liter Smoothie zubereitet, Bananen, Birnen, Dosenmandarinen, Zitrone und etwas Feigenmarmelade heute.

Das mit den Mandarinen aus der Dose und den Marmeladenfeigen sage ich meiner Frau gar nicht.

Ist besser so.

Dann wollte ich endlich die Mutter zu den anderen bringen.

Aber die war weg.

Einfach weg, die Sau.

Nicht auf dem Tisch, nicht auf dem Boden, nicht im Bad. Und der Hund war ja nebenan.

Wehrsam können Muttern sein!

Zum Schluss war sie dann im Biomüll mit den Bananenschalen und dem Birnenmatsch.

Trotzdem, es gibt hier schlechtere Tage.

Und den Text, den ich ich eigentlich schreiben wollte, den verschiebe ich auf den Frühling.

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ hätte man auch sagen können, aber damit war einer schneller.

Leider.

–
„peace, tranquility and good will“

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