In Istanbul

In „Istanbul„

Mein Nachbar, der Normanne, fährt manchmal auch nach „Istanbul“ zum Autowaschen.

Normalerweise fährt er zu einer Tankstelle und lässt das schwarze Mobilgerät für 19,90€ wieder zum Glänzen bringen.

Macht man das alle 2 Wochen, kostet das Waschen des Autos über 500€ im Jahr. Da ist ja meine Versicherung preiswerter! Ich fahre nicht in Waschanlagen.

Wozu auch?

Und in einen „Burger“ habe ich vor 25 Jahren zuletzt gebissen, vor der Fähre nach Amrum. Danach nie wieder.

Wozu auch?

Eine Waschanlage ist nicht sehr kommunikativ, außerdem wird ein Auto da nicht richtig sauber gemacht, also für meine Ansprüche.

„Südländer“ verstehen mehr von einem guten Auftritt als wir. Das Leben findet ja auch mehr draußen statt, auf Plätzen oder der Straße. Das Auto gehört dazu, um eine „bella figura“ zu machen, wie meines Wissens der Italiener sagt.

Diese Bürste in der sogenannten „Selbstwaschanlage“ habe ich auch noch nicht benutzt, die ist an sich zur Dekoration da, also für mich, für Südländer und die mit den teuren Autos ‚in Istanbul‘.

Mein Nachbar sagt ‚Istanbul‘, weil er hofft, dass der Bürgermeister nach der nächsten Wahl den anderen ablöst. Also den für das ganze Land.

Meistens wasche ich zwischendurch nur mit Sprühschaum, dazu Wasser, Wasser, Wasser. Eben mit viel Wasser. Richtig viel Wasser.

Dazu Backofenspray für die Felgen. Für 2€ ist dann alles nahezu rein. Für 2,50€ ist der Innenraum auch noch gesaugt. Selten nötig. Man reinigt Schuhsohlen ja vorher, Mitfahrer würde ich darauf niemals ansprechen. 50 Cents danach, kein Problem.

Und wenn ich nach 10 Jahren 4000€ in ein anderes gebrauchtes Auto stecke, sagt bestimmt jemand:

„Boah, 4000€ hätte ich jetzt nicht.“

Aber der wäscht ständig für 19,90€. Und 4000€ spart man durch ‚Istanbul‘ in 10 Jahren ein.

Derartige Argumente muss man nicht haben, aber man kann sie …. kreiieren.

Und neulich hat einer beim Waschen zu mir gesagt:

„Du bist gar kein richtiger ‚Alman‘, Du putzt ja wie ein Türke!“

Es war das höchste Lob in meinem bisherigen Leben.

Und gestern stand in der Waschbox neben mir eine Minute nach mir ein VW-Bus.

In Rot.

Als ich mit dem Rundgang um den Kleinwagen schon fast fertig war, sah ich, wie der Junge von circa 17 Jahren nebenan Sprühschaum in zwei Eimer spritzte statt auf den Bully.

„Warum machst Du das?“, fragte ich ihn.

„Wir waren in Dänemark an der Nordsee, der Bus war extrem schmutzig und voll mit Sand. Jetzt habe ich da erstmal mit Hochdruck als Vorarbeit das Gröbste abgespritzt, dann kommt da viel, also wirklich viel Sprühschaum drauf, zum weiteren Lösen. In die Eimer kommt auch Sprühschaum in das Wasser. Ein Eimer wird zum Shampoonieren genommen, der andere zum Auswaschen des Schwamms. Der Sprühschaum wirkt wie ein Gleitmittel (!) zwischen Lack und Schwamm und verhindert Kratzer. Das war alles.“

Der Vater mit Bart war gefahren, er sagte kein einziges Wort.

Wozu auch?

Also er war mit dem Auto vorgefahren, nicht mit dem Bart.

Doch, auch mit dem Bart, schon richtig.

Mann, Ihr habt es doch verstanden!

Man kann nach 50 Jahren Wascherfahrung tatsächlich von einem ohne Führerschein eine ganze Menge lernen.

Großartig!

Aber das Backofenspray hat er jetzt vom alten Mann.

Eine ganze Dose.

1,29€.

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Foto „sounds ok“ ist vom Kai, von „KT„. Thx!

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„peace, tranquility and good will“

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