Störenfriede

Störenfriede

Nun, „Störenfried“, das ist ein zu großes Wort, aber mir fällt keine Minitrix-Ausgabe dazu ein. Also ich meine so eine nettere Version mit rosa Blümchen und glänzendem Geschenkband dran.

Jedenfalls arbeitete ich kürzlich am Mobiltelefon konzentriert an einem Text, den ich schon fast fertig im Kopf hatte. Dann muss ich den nur heruntertippen, darf aber dabei nicht abgelenkt werden, sonst bricht die Wortwelle an einem Felsen, also bildlich.

Danach finde ich die Welle nie wieder.

Und dann sprach mich eine junge Frau an, die ich kenne, während ich weiter schrieb.

Ich schaffte nur ein nahezu gehauchtes „Jetzt nicht, bitte“, dabei schrieb ich weiter ohne auch nur den Kopf zu heben.

Erst als die wegging, sah ich, wer das war.

Hätte ich das gewusst, hätte ich den Text lieber ins Nirvana entfliehen lassen.

Mann hat ja auch Schwächen.

Jedenfalls grüßt sie mich jetzt nicht mehr.

Schade, ja, aber die Hälfte der Weltbevölkerung ist weiblich, das denke ich in solchen Fällen gern.

Ja, nochmal, nicht nett, aber das Weinen bringt ja auch nichts. 🙂

–

Ein anderes Mal exakt dieselbe Situation, ich tippe, nein, nicht so etwas wie jetzt, ich muss mich wirklich konzentrieren, draußen in der Sonne vor dem „Broad Street Cafe“ bei dem schon abgekühltem Caffe Latte mit der längst kalten Pfeife in der Linken.

Aus den Augenwinkeln nehme ich eine Jeans über Stiefeln wahr, die sich stumm neben mich setzen und kein Wort sprechen, bis ich nach 30 Sekunden ohne aufzublicken frage:

„Wer bist Du?“

Ich fand das einfach großartig, dieses Verhalten, diese Ruhe, dieses Warten auf einen, der gerade in einer anderen Welt unterwegs ist.

‚Rücksichtsvoll‘ nenne ich das.

Ob ich das selbst auch so kann? Das weiß ich gar nicht. Hoffentlich. Zweifel bleiben.

Und leider, leider, ich muss es zugeben:

Wenn Bob Dylan am schönen Arm von Fanny Fee Werther und der Papst mit Nicola Cavanis an seiner Rechten neben meinem Kaffeetisch eine Frage stellen würden während ich schreibe und ich lediglich die päpstlichen Schuhe und Dylans teure Stiefel erkennen würde, dann sage ich leider auch „jetzt nicht, bitte“.

Irgendetwas mache ich einfach falsch.

Ob die mich irgendwann wieder grüßt?

–
„peace, tranquility and good will“

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