Die Zeit, die Scala und die Julia

Die Zeit, die Scala und die Julia

Kürzlich fielen mir gleich mehrere Zeitungsartikel ins Auge, die sich mit Äußerlichkeiten beschäftigten.

Da ging es einmal um Uhren, analoge Armbanduhren, deren Absatz offensichtlich wieder steigt.

Es geht dabei aber nicht um die Zeit, sondern um das Image, das eine wertvolle Uhr wohl zu verleihen im Stande ist.

Ich selbst befürchte ja bei besonders schweren Armbanduhren Haltungsschäden.

Es soll sogar Männer geben, die den linken Ärmel der Hemden kürzen lassen, damit die Uhr besser zu sehen ist!

Aber die Zeit ist dieselbe wie für 8€.

Und sie tickt und tickt und tickt.

Ich selbst kaufe gern eine preiswerte neue Armbanduhr, wenn die Batterie der Vorgängerin leer ist. Das ist nicht nachhaltig aber leider oft preiswerter, weil eine neue Uhr ja inklusive einer frischen Batterie verkauft wird.

Ich habe auch noch nie darauf geachtet, wer welche Uhr trägt. Mir ist nur die Zeit wichtig, nicht deren Messung.

Weiterhin vermute ich, dass Frauen bei Männern ebenso wenig auf den Uhrenhersteller achten wie ich selbst.

Sonst würde die Uhr auf diesen Kontaktbörsen ja erwähnt!

„Mann mit Rolex sucht ….“

Es heißt nicht „Kontaktbörse“, es heißt …. ach, Ihr wisst ja, was ich meine. Die mit den Plakaten mit schönen Menschen, die aussehen wie Filmstars.

Jedenfalls auf Plakaten.

Morgens eher weniger.

Pairtrain!
Painship!
Pairsheep!
Payship!

So ähnlich.

Danach las ich, dass in der Mailänder Scala jetzt keine Hawaii-Hemden, keine Shorts und keine Sandalen mehr erlaubt sind, um die ‚Würde des Hauses‘ zu wahren.

Die Oper!

Ich wusste nicht, dass man da mit Shorts reindurfte. Selbst in einem Spielcasino, voll mit traurigen Gestalten, muss ein Herr ein Jackett tragen, zumindest vor 20 Jahren.

In Badehose? Wie sieht das aus, wenn man da die Wertmarken im Stapel reinsteckt?

Ich musste immer mit den Abiturienten zum Roulette, damit die gemeinsam alles verlieren. Zum Glück haben die nie gewonnen, nur zwischendurch, am Ende war alles weg. Die Gier eben.

Ich selbst habe noch nie einen Euro gesetzt. Obwohl kein Glücksspiel bessere Gewinnchancen hat als das klassische Roulette.

Ach, die Klamotten, ja, ja:

Auch mit einem Verdi-Ticket kommt man kurzbehost oder im Bikini nicht in die Scala.

Ich mochte Italien schon immer.

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Dann ein Schwenk nach Westen:

Aus hygienischen Gründen müssen in Frankreich irgendwo ab jetzt sehr eng anliegende Badehosen getragen werden.

Die heißen „Speedo“ oder so und die haben kaum Stoff.

Ich möchte das bei mir selbst nicht sehen. Nicht einmal zuhause vor dem Spiegel.

Ich bade also lieber in einem Meer.

„Oder gar nicht!“ würde die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, jetzt dazwischenrufen.

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Und dann noch das Parlament, der Bundestag und die Würde des Hauses.

„Parlament“, da steckt ja das Verb „parlare“, also „sprechen“ drin.

Die politische Auseinandersetzung soll also mit Worten stattfinden und nicht mit bedruckten Klamotten oder Plakaten.

Eine gute Idee.

Und weil die ehemalige Weinkönigin nun streng die „Würde des Hauses“ wahren will und muss, gibt es immer wieder Ärger.

An sich war das prinzipiell bei Lammert, Schäuble und Co. früher genau dasselbe, aber die hießen eben nicht Julia Klöckner.

Und Weinkönigin waren die auch nicht.

Und nun werden Männer mit Mützen und Frauen in T-Shirts mit Kurztexten gemaßregelt oder nach draußen expediert.

Das schafft viel Aufmerksamkeit, und es gibt wieder ein Kurzvideo davon in den Sozialen Medien.

Dieses pubertäre Verhalten von Abgeordneten hat also mehr Reichweite als ohne die „Maßnahme“. Und für diese Reichweite wird das leider ausschließlich, speziell auf der linken Seite, gemacht.

Es ist ziemlich durchsichtig und schwach, wenn man sich nicht mit Argumenten und Worten aber mit Kappen und T-Shirts melden muss.

Und mit Videos auf Tiktok und Insta.

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In der Schule gab es mal Diskussionen in Konferenzen, ob das Tragen dieser Schirmkappen im Unterricht verboten werden soll.

„Na, wenn die Kollegen sonst keine Probleme haben, ist ja alles gut“ habe ich gedacht.

Nur bei Klausuren galt „Schirm nach hinten! Wie mit 11 auf dem Spieli!“

Ansonsten?

Wozu muss man über Kinderkram diskutieren?

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Und im Bundestag würde ich als PräsidentIn die T-Shirts auf „links“ tragen lassen.

Texte zur Haut. Innen.

„Links“ passt doch.

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„peace, tranquility and good
will“

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