Ein Ostersonntag mit Allegra in Düsseldorf


Ein Ostersonntag mit Allegra in Düsseldorf


Ostern steht nicht immer unter einem gutem Stern.

„O-Stern!“

Ja, so könnte man es auch aussprechen und die Bedeutung wandelt sich deutlich.

In der Stadt begegnete mir heute Corinne, nein, sie ist nicht Französin, aber sie hat durchaus etwas Charme von einer Pariserin, nicht nur äußerlich, wenn ich das so ausdrücken darf.

Aber sie war zu Ostern nur nach Husum gereist, kurz, Husum wurde für einige Tage französisch. Das ist nicht politisch gemeint, man könnte sonst denken, dass die Franzosen Husum kaufen wollen. Ist ja gerade modern.

Grönemeyer hat in den 80ern „Kaufen macht so viel Spaß“ gesungen. Sehr aktuell.

Leider ist Corinne in Husum gestürzt, aber zum Glück unverletzt geblieben. Sie fiel sozusagen auf ihren verlängerten Rücken.

Sie wurde von ihrem iPhone sanft abgebremst, das erlitt eine 1 zu 2 Teilung.

Also ein Drittel zu zwei Drittel, quer über das Display.

Nicht nur der Papst starb zu Ostern, auch das iPhone von Corinne. Ein „P“ im Namen hatte dieses Jahr und dieser Tage kein gutes Karma.

Auferstehung, nun ja, nicht immer strahlen die Sterne schon über Ostern.

Das iPhone, das ist sicher, kehrt nie zurück. Beim Papst muss man nur warten können.

–

Mir erging es am Ostersonntag wesentlich besser, aber „besser“ ist noch nicht „gut“.

Eine „unerhörte Begebenheit“!

Manchmal bin ich auch einfach blöde.

Ich wollte kurz zu Allegra nach Düsseldorf, mit dem schwarzen Vierbeiner, Miss Moneypenny. Das Tier braucht noch mehr Pausen als ich, das senkt dann die Durchschnittsgeschwindigkeit. Nicht so schlimm, die 1000km waren trotzdem entspannt zu schaffen, es war ja keine Eile.

Am Rasthof „Grundbergsee“ an der A1 gibt einen umzäunten Bereich am See, ideal, um dem kleinen Tier, ich sage auch manchmal „Uschi“ zu ihr, kurz Auslauf zu gönnen.

Es ist egal, wie man ihn, den weiblichen Hund, ruft. „Mucki“, das geht auch, entscheidend ist nur das „i“ am Ende.

Am Ende trank er noch, dann bugsierte ich ihn auf den Rücksitz, ließ die vorderen Fenster 6cm offen stehen und hatte auch noch eine „Erledigung“ vor.

Ich glaube, ich warf die viel zu warme Lederjacke noch in den Kofferraum. Leider mit dem Autoschlüssel. Und irgendwie war dann der Hund glücklich auf seiner flauschigen Badematte, das Auto aber zu. Nervös fingerte ich durch alle Taschen: Kein Schlüssel.

Das ist eben Ostern.

Natürlich denkt man dann nach, vor allem zuerst darüber, wie ich das am Ende der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, berichten kann ohne dass sie „Siehste!“ ruft.

Auf dem Beifahrersitz hinter Glas lag meine Schultertasche, ich wusste, dass darin mein zweiter Schlüsselbund in der Hardcore-Hausmeister-Version schlummert.

Daran hängt nämlich ein VW-Zweitschlüssel. Die HHV-Version passt aber nicht in meine Hose. Also schon, aber nicht, wenn ich schon ‚drin‘ bin in der Jeans.

Leider, ich bin zu muskulös, nein, gelogen, aber mein Arm passte trotzdem nicht durch den 6cm Fenster-Schlitz.

Also musste ich eine Person mit schlankeren Armen „auftun“. Kind oder junge Frau, beides wäre gegangen.

Zuerst bat ich ein älteres Ehepaar mit einem passenden Enkel auf dem Rücksitz um Hilfe.

„Rufen Sie den ADAC, uns ist das suspekt!“

Nein, *ich* war suspekt, Sonnenbrille, Pfeife, Armschmuck, da kann man schon so denken.

Die waren aus Celle. Die hätten mich gern in Zelle gesehen, was weiß ich.

Celle mochte ich wegen der Sybille jedenfalls schon mal mehr.

Sie heißt gar nicht Sybille, aber Corinne heißt auch nicht Corinne. Merken beide auch so, wer gemeint ist.

–

Dann kam ein Ehepaar vorbei, er groß und stattlich, sie genau „richtig“, perfekte Arme sozusagen.

Ich hatte nur Augen für Arme, Arme, Arme.

Es gibt recht viele voluminöse Unterarme, darüber hatte ich noch nie nachgedacht.

Sicherheitshalber fragte ich den Mann, ob ich seine Frau ausleihen darf, um meine Probleme zu lösen. Ja, ich habe das präzisiert.

Er war einverstanden und sie schaffte es!

Aus Münster waren die, klasse.

Sie überreichte mir den Schultergurt im Passat-Innenraum und ich konnte mit den Händen den Bund herausfriemeln. Die Tasche musste ich wieder loslassen. Zu dick.

Ein Fehler, denn da waren gar keine Schlüssel dran, das war der „Restbund“ mit irgendwelchem Zeug.

Dass es den überhaupt gibt, weiß meine Frau nicht.

„Überflüssig!“ würde sie zu Recht rufen.

Also, kurz, ein Paar aus Homburg war dann dran, er zwei Meter hoch, sie auch genau richtig:

1.65m, tolle, schlanke Arme.

Schade, dass er nur dem Angeln zustimmte.

Sie hatte zuerst gesagt, dass er Mechaniker ist und „alles kann“.

Aber nur sie konnte es. Und sie grinste ihn an, weil er eben doch nicht „alles kann“.

Echt, „Arme“ waren mir noch nie so wichtig wie in diesen Minuten.

Und ich konnte danach wieder alles. Der andere Schlüssel grinste mir frech im Kofferraum entgegen.

Miststück.

Der ADAC hätte länger gebraucht.

–

Und dann weiter an den Rhein.

Allegra, ein Traum, sage ich Euch.

Ich hänge ein Foto dran, keine Schönheit, auch ihr Zwilling nicht.

Die heißen beide Allegra. Der Vater heißt Joachim.

Aber gemeinsam sind die beiden eine „Wucht“, die Schwestern.

Die wohnen jetzt am Wasser im Norden.

Ja, lang.

Aber Ostern ist auch lang.

Zu lang.

–
„peace, tranquility and good will“

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