Miss Geschick


Miss Geschick

Leute, ich weiß auch nicht, ob ich immer schon so blöd war oder ob es gerade der fortgeschrittene Alterungsprozess ist.

Erst habe ich diese Grillzange beim Angeln nach dem Pfeifenmundstück im Gulli geschrottet.

Leider hat die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, das mitbekommen.

Normalerweise schläft sie länger, dann hätte ich die Reste unten in der Mülltonne entsorgt. Ich hebe die Beutel an und stecke solche Missgeschicke tief nach unten.

Wegen der Nachfragen solltet Ihr das auch so machen.

„Wie kann das sein?“

Das ist eine Frage, deren Beantwortung mir früher leichter fiel.

Jedenfalls trinke ich morgens im Dunkeln draußen meine vier Espresso. An sich ist das zuviel, aber man kann so eine Maschine, die man auf den Herd stellt, nicht halb füllen.

Damit das nicht so ungesund ist, nehme ich vier Teelöffel von dem „guten“ braunen Zucker dazu.

Wir haben seit 9 Monaten so eine elektrische Maschine, die alles kann, sogar Milch aufschäumen. Aber meine Frau hat die Bedienungsanleitung noch nicht lesen können und ich soll sie nicht in Betrieb nehmen, weil ich mich weigere, Anleitungen zu lesen.

Immerhin staube ich die ab.

Jeden zweiten Tag, das habe ich also schon 137mal gemacht.

Das ist ein aufgerundeter Wert.

Jetzt habe ich -keine Ahnung, wie ich auf die dumme Idee kam- diese uralte Blechmaschine in die Spülmaschine gestellt.

(Ich sage immer ‚Waschmaschine‘, meine aber die für Geschirr. Das sage ich seit 33 Jahren, jedes Mal korrigiert das meine Frau.)

Dann kommt die nicht in Silber raus sondern die sieht aus wie ein Schornsteinfeger.

Zum Glück ist meine Mutter -Quatsch- meine Frau!, mit ihrer Mutter für einige Tage an ein Wasser gefahren.

Sie, also meine Frau, nicht deren Mutter, hatte mir vor 15 Jahren eine kleine Espressomaschine für nur zwei Espresso-Tassen zum Geburtstag geschenkt.

Die habe ich heute ersatzweise eingesetzt.

Die hat aber keine Kanne, die hat ein „Tablett“, auf das man die Espresso-Tasse stellt.

Man kann keine Cappuccino-Tasse draufstellen, weil das ganze kippt, wenn unten das Wasser raus ist und in der Cappuccino-Tasse gelandet ist.

Dann versaut man die Herdplatte.

Das weiß ich.

Man sieht es der Konstruktion ja an.

Ich wärme die Tassen immer mit heißem Wasser vor. Auch die Espresso-Tasse.

Man muss die dann rechtzeitig unter diesen Hahn stellen, sonst läuft der Espresso auf die Herdplatte, verbrennt, brennt ein und man muss warten, bis man putzen kann.

Sonst schmilzt das Material des Microfaser-Lappens durch die heiße Herdplatte, ja, hatte ich auch schon.

Bei Nudeln.

Geht schwer ab von der Herdplatte der Mist.

Und heute um 5 Uhr morgens habe ich dann vergessen, die Tasse rechtzeitig unterzustellen.

Wegen Donald Trump.

Ein ZEIT-Artikel, der länger war als ich dachte und mich ablenkte.

DT lenkt leider oft ab.

Dann mit dem Lappen den Espresso vom Herd aufgenommen und kurz im Halbdunkel die helle, cremefarbene Front unter dem Herd abgewischt.

Zum Glück ist meine Frau ja nicht da.

Bei Licht sah diese helle Poggenpohl dann richtig ‚Scheiße‘ aus. Das geht aber mit Glasreiniger gut weg, war auch zu den Töpfen reingelaufen.

Espresso, das ist eine schnelle Sache.

Eigentlich.

„Wie kann das sein?“, das ist eine Frage, deren Beantwortung mir früher leichter fiel.

Hatte ich das schon?

Jedenfalls wollte ich die Fronten sowieso saubermachen, aber mit so einer kleinen „Miss Geschick“ am Morgen ist das viel motivierender.

Dann habe ich nochmal Espresso aufgesetzt.

Der ist jetzt kalt, weil ich die ganze Malaise getippt habe.

Es ist 5:43.

Eigentlich zu spät für Espresso.

Ich hatte schon bessere Tage.

Mit meiner Frau. Aber auch ohne.

Und gut, dass sie heute keine Fragen stellen konnte.

–

An sich wollte ich heute den Flur streichen. Das wollte ich schon nach Silvester machen.

Also nach Silvester 2023.

Die Farbe war dann im letzten Sommer bei Lidl preiswert.

Alpina.

Hält sich ja.

Mir ist das Risiko heute zu groß. Nach dem „DT-Espresso“.

Wenn mir der Eimer kippt, wäre das schwer zu erklären, wenn sie wieder da ist.


Ich werde stattdessen die Stereoanlage umbauen, also eine davon.

Vor circa 10 oder 15 Jahren hatte ich bei Ebay eine ‚Tag McLaren‘-Vorstufe günstig bekommen. Das sind die sündhaft teuren Nachfolger der britischen audiolab- bzw. der deutschen Camtech-Vorstufen gewesen, gleicher Aufbau, aber noch hochwertiger bestückt.

Neu kostete die meines Wissens Ende der 90er um 1500£, britische Pfund. Viel zu teuer. In Deutschland wurden die kaum gekauft.

Ihr würdet ja auch keine britischen Dosentomaten für 5€ kaufen, wenn die aus Holland 0,89€ kosten.

Aber manchmal lohnt sich das bei gebrauchten „Tomaten“.

Die Phono-Entzerrer-Vorstufe darin ist herausragend, sagt man.

MC und MM.

Dasselbe gilt für den Kopfhörer-Ausgang.

Leider hatte der Verkäufer die Fernbedienung des nahezu neuwertigen Gerätes nicht mehr. Das kauft dann kein Mensch mehr, aber ich.

Qualität ist immer der Feind der Bequemlichkeit.

Nachdem er die Vorstufe viermal eingestellt hatte, hatte ich ihm damals ein Angebot gemacht, das er auch hätte ablehnen können, aber der war nervlich schon am Ende.

Ein „Deal“.

Geduld ist wichtig, besonders im geschäftlichen Bereich.

Ja, auch im Privaten!

Und die Vorstufe probiere ich heute mal aus, das ist recht aufwändig. Ich hatte die nur für den Fall mitgehen lassen, dass eine andere mal zur Reparatur muss.

Leider ist nie eine kaputtgegangen.

Ich lasse die erstmal warm laufen. Nach 3 Stunden geht bei den analogen die Sonne schon auf.

Hoffentlich kratzt das Potentiometer für die Lautstärke noch nicht, sonst muss ich da mit WD40 Kontaktspray rangehen.

So ein Flur, der wird doch sowieso wieder schmutzig.

Vielleicht streiche ich den im Sommer.

Es liegt einfach zu viel an gerade.


Und neulich waren bei der HiFi-Messe wieder nahezu 99% Männer anwesend, viele, sehr viele „Silberfüchse“ darunter.

Unsere letzte Bastion!

Mit drei Frauen habe ich dort gesprochen, eine hat Kuchen verkauft, die zweite war nett, stellte sich aber als Schallplattenverkäuferin heraus, die zuhause keinen Plattenspieler hat und die dritte sagte nur:

„Mich interessiert das alles nicht, aber ich musste mit!“

Niemals, never ever, würde ich meine Frau, die trotzdem die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, ist, in ein Plattengeschäft oder gar zu einer Männer-Messe mitnehmen!

Oder zu einem Konzert mit Musik, die ihr nicht gefallen könnte, auch nicht.

Oder zu einem Fußballspiel!

Oder in ein Automobil-Fachgeschäft!

Wozu?

Mann braucht Ruhe im eigenen Garten Eden.

–

Heute wieder diese Rückenschmerzen, nur leicht, aber wahrnehmbar.

Ich gehe davon aus, ohne Beweise zu haben, dass diese von unbequemen Sitzgelegenheiten in europäischen Schuhgeschäften herrühren.

Mein Rekord sind übrigens 95min vor einem ZARA-Geschäft 2017 in Nizza, mit Hund.

Der durfte da nicht rein.

Allerdings wartete ich auf zwei Frauen, Durchschnittsalter damals 31,5 Jahre, also waren es auch nur 47min 30s pro Frau.

Ein üblicher Wartezeit-Durchschnittswert pro Geschäftsbesuch in weiblichen Style-Angelegenheiten!

‚MWZW‚ ist eine Abkürzung und bedeutet „Männlicher-Warte-Zeit-Wert“. Die Einheit können Minuten oder Stunden sein.

MWZW = 95min

Oder

MWZW/PF = 47,5min/Frau

Das ist die „männliche Wartezeit pro Frau“, als Quotient zu berechnen, zum Beispiel, wenn ein Mann mit einer Frauen-Gruppe unterwegs ist.

Edit:

Der Papst hat mir geschrieben, dass er den Begriff „MWZW“ nicht verstanden hat.


Kein anderer.


–
„peace, tranquility and good will„

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