Mein Hörtest 2025

Mein Hörtest

Ja, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, regte an, dass ich nach 8 Jahren mal wieder zum Hörgeräteakustiker gehen sollte.

„Du wirst ja nicht jünger!“

Mit dieser Begründung kann man auch als Grundschüler zum Hörtest gehen.

Deshalb habe ich dann einen Termin gemacht, sozusagen bei einer Art „Weltmeisterin“ der Hörgeräteakustik.

Der Hintergrund ist der Folgende:

Meine Frau meint, ich höre schlecht, ich dagegen meine, dass sie zunehmend nuschelt.

Vielleicht meint sie auch, dass ich nicht „zuhöre“, das ist auch möglich.

Andererseits wiederholt sie wesentliche Aspekte doch sowieso.

Es macht wenig Sinn, bereits beim ersten Mal alle Informationen zu speichern. Man isst auch nicht Frühstück, Mittagessen und Abendbrot auf einmal.

Man teilt sich das für den Tag ein.

Nichts anderes tue ich.

Nur eben mit den Ohren und nicht mit dem Mund.

Das zweite Problem ist das TV-Gerät, dass sich verschämt in eine Zimmerecke drückt und schräg über die Zusehenden blickt.

Meine Frau nutzt das „Wandsofa“ in circa zwei Metern Entfernung vom Fernsehapparat.

Wir haben ein Altgerät, nicht dieses raumgreifende, schwarzmalerische Wandelement.

Es ist aber schon eckig.

Ich selbst nehme auf dem „Raumsofa“ Platz, weil wir beide zur Entspannung gern die Füße hochlegen.

Einer von uns verliert da jeden Tag, weil der Hund täglich neu entscheidet, wessen Füße nicht auf das Sofa gehören.

Er will dann diesen speziellen Sitzplatz.

Meistens neben meiner Frau.

Aber ich bin sein Vorgesetzter, ich pflege sein Fell, ich ernähre ihn, ich mache die meisten Spazier- und Stadtgänge mit ihm!

Unfair.

Es ist eine Hündin.


Also, mein Platz ist 2,8 Meter von der Lautsprechermembran des TV-Geräts entfernt, also 1,4mal so weit wie der Sitzplatz meiner lieben Ehefrau.

Fast täglich bitte ich um Erhöhung der Lautstärke während der „heute“-Nachrichten.

Ich präferiere hier die Einstellung „12“ während meine Frau eine „8“ für völlig ausreichend hält.

„Das ist laut genug!“, sagt sie.

Regelmäßig gibt es darüber einen kleinen Disput, weil ich die Augen zusammenkneifen muss, um jedes Wort zu verstehen.

Ja, klingt blöd, aber das fokussiert mein Gehör.

Angenommen, die Lautstärkeskala ist linear gestaltet, dann möchte ich das TV-Gerät also 1,5mal so laut gestellt haben.

12 durch 8 macht 1,5.

Gute Geräte verfügen normalerweise über logarithmische Skalen, aber das Unsrige stammt aus Asien.

Ich möchte nicht kleinlich erscheinen.

Meiner Frau erklärte ich bereits, dass ich wegen der 1,4-fachen Entfernung nur halb so laut höre wie sie.

Zwischenbemerkung für Nicht-Mathematiker: 1,4 zum Quadrat ergibt 1,96, gerundet also 2.

Die Lautstärke nimmt ja quadratisch mit der Entfernung ab.

Ich möchte jetzt das mit dem Quadrat physikalisch nicht erklären, glaubt mir bitte einfach.

Also höre ich so als würde meine Frau (bei linearer Skaleneinteilung) für sich eine „4“ einstellen.

Dann hört sie meiner Meinung nach gar nichts.

Also fast.

Wünsche ich nun eine „12“, dann höre ich ja besser als meine Frau, die Lautstärke wünsche ich nicht zu verdoppeln! Ich will nur den Faktor 1,5 bei der zahlenmäßig erfassten Wortemission des Gerätes.

12 durch 8 ist 1,5.

Meine Frau versteht mich nicht.

„Red‘ nicht so herum, mir ist das zu laut!“

Ich würde niemals mit „Red‘ nicht so herum, mir ist das zu leise!“ antworten.



Ich sage: „Mach‘ lauter!“

„Nein“, sagt sie dann.

Ich darauf: „Gib‘ mir bitte die Fernbedienung!“



Das Ergebnis ist normalerweise, dass die Nachrichten auf „8“ laufen, wir aber beide nichts davon gehört haben.

Eine Zeitung aus Papier wäre eine Lösung.

Einen Sofatausch lehnt sie ab. Sie liebt Wandkontakt noch mehr als mich.

Vielleicht.

Und meine neue, prämierte Hörgeräteakustikerin hat mir unglaublich viel neues Wissen über Hörgeräte, Gehörschutz und die Problematik, ein Hörgerät speziell für Musik zu optimieren, vermittelt.

Ja, manche Sätze hören einfach nicht auf.

Die sind manchmal wie Konzerte von Taylor Swift.

Und auf dem Messprotokoll hat sie erstens knapp notiert, dass ich im nächsten Jahr schon wiederkommen darf.

Also die Hörgeräteakustikerin, nicht Taylor Swift.

Die gefällt mir nicht so gut und ihre Musik mag ich auch nicht hören. Die Hörgeräteakustikern spielt in einer ganz anderen Liga.

In einem anderen Fachbereich.

Sie gibt mir vollumfänglich Recht.

Und es wäre in ihrem Fall viel schlimmer, schlecht zu sehen als schlecht zu hören.

Ich erwog für den nächsten Hörtest den 1. Januar 2026, aber da haben die geschlossen.

Und zweitens schrieb sie, ich hatte um eine Bemerkung für meine Frau gebeten, den Satz:

„Ihr Mann hört noch sehr gut =)“

Ich gehe nie wieder zu einer anderen.


–
„peace, tranquility and good will“

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