







Ärger Pt. 3: Der Nachbar und sin Fru
Nachbarn zu haben, das ist wie eine zweite Verwandtschaft.
Meine eigene, enge Verwandtschaft besteht eigentlich nur noch aus einer einzigen Person, die leider eine „Unperson“ ist. Sie hat sich selbst dazu gemacht. Ich nenne diese eigene, kleine Verwandtschaft also nur noch „Person“, sie hat keinen Namen mehr.
Das ist recht angenehm.
Man kennt auch Nachbarn, man mag sie oder auch nicht, aber es gibt kein Entkommen, kein Entrinnen. Letztlich hilft bei Verwandtschaft im Notfall eine komplette Trennung, aber man bleibt gedanklich verflochten, also bleibt es doch ein Ding der Unmöglichkeit zu entfliehen.
Nachbarn jedoch, da gibt es im seltenen Fall, wenn man sich stets aus dem Weg geht, eine gute Lösung, ja, das ist eine räumliche Trennung, wenn die einfach ausziehen. Das ist aber sehr selten, wenn Grundbesitz vorliegt und die Zinsen exorbitant hoch sind.
Ich hoffe seit Jahren auf fallende Zinssätze.
Ich, wir, kommen mit allen sehr gut aus, überall nette, freundliche Menschen rundherum, ein Glücksfall!
Aber es gibt seit 8 Jahren fünf Probleme mit „direkt nebenan“, vorher war ‚alles gut‘.
Naja.
Wir haben einen Hund mit vier Beinen und manchmal habe ich so eine duftende Pfeife, die qualmt so. Also fünf „echte“ Probleme, die alle anderen in der Nähe offenbar nicht stören. Und dann ist da noch der Baum, dazu später, Geduld, bitte.
Da könnte man sich schon mal persönlich auseinandersetzen zu Hund und Qualm, wenn etwas stört, aber dann grüßt man nicht mehr, man ignoriert sich schlicht.
Komisch ist das im Sinne von „merkwürdig“.
An sich ist mir das auch völlig gleichgültig, ich kenne nämlich schon genug Menschen, nehme aber trotzdem weitere auf, nein, das ist nicht wie mit CDs, ich sammele keine Menschen, die brauchen zu viel Platz.
Ich bin kein „Menschenfänger“, dafür habe ich zu viel Wehrsamkeit im leicht aufwallenden, südlich heißen Blut. Dafür muss aber schon die Hütte richtig brennen oder mir die Pfeife im intensiven Streitgespräch ausgehen.
Wir waren ja nie befreundet, wir haben 2016 zusammen Fußball gesehen, bei uns, nebenan waren wir noch nie, aber die Frauen tranken am Wochenende Sekt an der Mauer zwischen den Grundstücken. Sie heißt nicht „Elsbeth“, aber ich nenne sie so. Sie kneift immer die Lippen zusammen, das steht ihr nicht so, ist aber nicht mein Problem, sondern ihres.
Einmal habe ich sie versehentlich so angesprochen, mit „Elsbeth“ vor 5 Jahren in einem Cafe, sie wollte da nur zur „Netten Toilette“, der Kaffee ist dort nicht billig.
„Fast richtig, fast“, hat sie gesagt. So eine ausführliche Kommunikation hatten wir da schon lange nicht gehabt. Nett.
Einen anderen, sehr sympathischen Nachbarn habe ich vorgestern versehentlich mit „Thomas“ angesprochen, sehr peinlich.
Es war wegen Thomas Mann, kann passieren.
Würde mich jemand „Bob“ nennen, ich denke, dass ich schmunzeln würde. „Bob“, der Dylan, einer meiner Helden der Gegenwart, wie Franz „100“ oder Thomas aus der Vergangenheit für andere.
Ich würde das „Bob“ auch für „Bob, der Baumeister“ nicht übel nehmen.
Ich kenne auch einen großen Kafka-Verehrer, ich weiß nicht, was der sagen würde, wenn ich ihn als „Franz“ anspräche. Der hat einen feinen Humor, aber auch viele Ausrufezeichen beim Schreiben, sehr schön!
Hier sind noch ein paar, speziell für ihn:
„!!! !! ! !! !! !!! ! ! !!!! !“
Was „Franz“ und „Thomas“ zum Nobelpreis für „Bob“ denken, das frage ich aus guten Gründen …. nicht. Der brauchte ja keinen, der Nobelpreis brauchte eher ihn, aber Schwamm drüber, weiter im Text.
Ach, ja, habe mich kurz verlaufen, es ist ja noch so eine „Ärger-Geschichte“, die sind leider so langweilig und wenig erbaulich.
Der Nachbar erklärte mir auch, wie man die hinteren Bremslichter des Autos schont, damit sie länger halten („Handbremse! Immer Handbrense, die Lichter haben richtig Power und das kostet Strom und Energie!“).
Die sind echt sparsam. Auch mit Worten. Im Spaß habe ich dann gesagt, dass ich an der Ampel immer auf Standlicht schalte. Er fand die Idee gut.
Sie haben sogar einmal zu Käseplatten, Brot und Wein eine Tüte Haribo mitgebracht, eine nette Geste damals. Wir haben die Tüte auch noch, das ist so eine Art „Oscar“ für uns.
Ja, aber dann, nach „Haribo“, kam der Hund vor acht Jahren zu uns. So ein Hund legt Charaktereigenschaften gnadenlos bloß. Er ist auch Therapeut für andere, nicht nur für mich, ein Sinneschärfer, ein Wunderwerk auf Beinen.
Es gibt die Zeit mit Haribo „vor“ dem Hund und die Zeit mit Haribo „mit“ dem Hund. Haribo ruht ungeöffnet bei uns seit Jahren.
Acht Jahren.
Der kleine Hund bellt manchmal hinter der Balkontür, bei geschlossenem Fenster, wenn jemand vorbei geht. Das ist seine Natur, nicht meine, Katzen sind da anders. Die kacken vor die Garagentür, der Hund nur auf Grün und dann bin ich schnell da, sonst muss ich lange suchen.
Jedenfalls scheint man das Bellen auch durch eine stabile Wand hören zu können, etwas mühsam, man muss sich vermutlich konzentrieren, aber es scheint zu gehen.
Der kleine Hund jault auch etwas, wenn er einsam ist. Er war in den letzten 8 Jahren circa zehnmal allein für mehr als eine Stunde. An sich ist der nie allein, unser Fehler, mein Fehler, klar. Das zu üben ist schwierig, er bellt ja dann. Gehe ich dann zurück, denkt er, ich komme, weil er gebellt hat. Also muss man eine Pause abwarten. Wartet man zu lange, … nun gleich.
Ich kann mich nicht gut von ihm trennen, ich brauche den Hund für den Frieden meiner Seele, auch wenn er mir manchmal richtig auf die Nerven geht. Das ist mit Frauen genau dasselbe, aber milder. Viel milder. Nicht mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte.
Also nehme ich den Hund fast immer mit.
Und bei den zehn Malen mit dem einsamen Hund im Haus habe ich acht kleine Briefe erhalten, dass das Bellen und Jaulen stört. Auch tagsüber. Circa ein Brief in krakeliger Schrift pro Jahr. Ich glaube, dass er das für seine Frau schreibt. Die ist noch verkniffener als er. Einmal hat er nach 22:00 gejault, da habe ich das klassische Konzert früh verlassen, um ihm die Töne zu nehmen.
Man darf nicht jedem eine Mobilnummer geben. Es gibt ja eine Polizei.
Ja, verstehe ich, aber es gab nur ein einziges Gespräch über dieses riesige Problem in dem ich dann der „Rücksichtslosigkeit“ beschuldigt wurde.
Andererseits bohrt der Herr am Sonntag in Wände und erneuert das Bad am letzten Tag vor dem Abitur des Kindes, klar, legal. Aber er wusste, wann das Kind das „Abitur schreibt“.
Es gibt keine Verpflichtung, Fliesen an anderen Tagen herauszuschlagen.
10mal in 8 Jahren bellte und jaulte der Vierbeiner.
Nun, in solchen Momenten kann man sich über die Wortwahl „rücksichtslos“, die er mir entgegenschleuderte, ärgern und diskutieren.
Wozu? Unnötig.
Ich ziehe es dann vor, mich wortlos umzudrehen und eine Tüte Haribo anzuzünden, so symbolisch, ich esse das Zeug nämlich nicht. Es klebt an den Fingern, ich schätze aber die Süße. Ich kann mich nicht jetzt schon füttern lassen, auch nicht von dem Nachbarn.
Und der Qualm, ja, dann werden alle Fenster extrem laut zugeschlagen, wenn ein Hauch in dieser windigen Stadt vorbeizieht.
Also das mit dem Grüßen, das ist seit 6 Jahren nur so ein Nicken, mehr nicht.
Es sagt: „Ach, blöd, dass Ihr hier wohnt“.
Kürzlich sprach ich einen Gärtner an, ob er eine Idee für unseren Vorgarten hätte, den haben wir gemeinsam mit den lärmempfindlichen Nachbarn. Aber die hatten ihn schon gefragt und gesagt, dass sie „sehr, sehr problematische Nachbarn haben mit denen man nicht sprechen kann“.
Also davon wusste ich nicht, im Gegenteil bin ich manchmal von großer argumentativer bis gewinnender „Wortgewalt“.
Das sagt meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, niemand sonst. Ich bin nämlich eigentlich sehr schweigsam und zurückhaltend, ….. besonders allein.
Also ist alles gut, ich arbeite nicht im Garten, ich liebe totes Gehölz, ich mag hingegen nicht so gern schmutzige Hände, vielleicht eine vorliegende Störung.
Kurz:
Ich arbeite gern mit Papier in jedweder Form, aber es darf keine Knicke haben. Und mit CDs und Vinyl auch, aber auch da bitte ohne Knicke in Booklets und Hüllen.
Aber kleine Briefe auf geknickten Post-Its, die mag ich nicht, man kann doch auch ein weißes DIN A4-Blatt aus der Schule stehlen.
–
Leider plagt mich ein weiteres Nachbarschaftsproblem mit demselben Vogel. Das betrifft seit 6 Jahren einen bei einem Sturm umgestürzten „Grenzbaum“, der exakt auf der Grenze der Grundstücke stand.
Alle Kinder kletterten in ihren jungen Jahren darin herum, manchmal stutzte der Nachbar ihn wegen des Schattenwurfs, manchmal meine liebe Frau. Ich würde mich dabei nur verletzen, außerdem tue ich Bäumen nicht gern weh, ich kann ja auch keine Pferde essen.
Auch Hund, Katze, Meerschweinchen und Eichhörnchen kämen für mich nicht in Frage.
Und so geht’s mir mit Bäumen schon beim Sägen. Meerschweinchen sollen sehr wohlschmeckend sein, aber ich kann es einfach nicht. Vielleicht in Südamerika, ich frage mal unsere Tochter, ob sie die wissentlich probiert hat.
In Peru, Bolivien, Ecuador und Kolumbien werden jährlich bis zu 70.000.000 Meerschweinchen verzehrt. Ok, bei uns sind die Schweine eben größer, daher werden sie nicht in so hoher Zahl verspeist. Schwein esse ich nur unter den Bezeichungen „Parma“ und „Serrano“.
Das ist für ein Schwein sogar ein Karrieresprung, wenn ich mich da mal aus dem Fenster lehnen darf! Fische träumen sicher auch nicht von einem Räucherofen.
Aber Bäume eben auch nicht von Sägen.
Und als der Baum vor 6 Jahren umgekippt war, lag er quer über zwei Grundstücke neben unserem, nicht auf dem von uns. Also sägten wir alle Äste ab, zerkleinerten und entsorgten sie und ließen den 100cm langen Reststumpf auf dem Grundstück des Nachbarn liegen. Die waren nämlich im Urlaub als der Baum kippte.
Der sprach ja nicht mit mir wegen des Hundes und ein wenig sägen kann der doch auch, dem gehört der Baum ja ebenso wie uns. Ich darf den auch gar nicht komplett entsorgen, also rein rechtlich, ich müsste ihn vorher fragen.
Oder er mich.
Hat er aber nicht, kein Wort zum Baumrest.
Das hat er in 6 Jahren nicht geschafft, er hat den Stumpf quer über unsere beiden Grundstücke gelegt, halbe-halbe sozusagen. Und da verrottet er ohne Worte seit 6 Jahren.
Und jetzt überlege ich, ob ich nicht schriftlich auf alle meine Ansprüche am toten Stück Holz verzichte und ihn um die Entfernung des halben Restes von unserem Grundstück innerhalb einer Woche bitte. Auch auf so einem kleinen Post-It wie nach einem Hundegebell. Naja, ich nehme dann schon Briefpapier, ich mache mich nicht zu einem Post-It-Konkurrenten.
Nur so, zum Spaß.
Es ist nämlich zusätzlich so, dass seine Terrassenüberdachung bis über unser Grundstück reicht, nur einige Zentimeter, aber er hat irgendwie nicht bedacht, wo da im hinteren Garten die Grenze ist. Ich habe das nie moniert, so ein Dach aus Metall hat einen fünfstelligen Preis und er ist ein sparsamer Mann. Nicht so schlimm.
Und wenn er das umbauen muss, dann könnte das echt teuer werden. Für ihn.
Gut, wenn man noch eine verbale Patrone hat, wenn er doch noch spricht, der Nachbar mit der Haribo-Tüte.
Ich habe wenig Hoffnung, der ist irgendwie in einer Schule tätig. Soll nervig sein da mit ihm, immer mäkelig und schlecht gelaunt.
Ich weiß einfach nicht, wie ich ihm helfen soll.

–
Felix Vörtler hat 2016 in „Neues aus dem Reihenhaus“, einem TV-Film, vor einigen Jahren auf großartige Weise einen fiesen Nachbarn gespielt. Und deshalb bekommt er hier die Rolle nochmal.
Der Felix V., der Glückliche. 😉
Aber er war nicht so still wie meiner.
Herzlichen Dank an „The Strandpirate“ für seinen privaten Kommentar!
Hier ist er:
„HARIBO macht Kinder froh.
Der Nachbar bleibt dann ebenso.😂
Die Tüte hätte er lieber behalten, dann wäre Dir viel erspart geblieben.👍“
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Köstlich!
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Ein etwas weiter entfernter Nachbar auf dem Hundespaziergang, nach unserem Gespräch über den Urlaub:
„Ach, dieser Baumstumpf“, er lächelte ein wenig verschmitzt, „…. darf ich mir den mal ansehen?“
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