




Ärger Pt.1: Billie Eilish
Das „kleine Kind“ ist nach sieben langen Monaten zurück aus Mittel- und Südamerika!
Costa Rica, Ecuador, Nicaragua, Guatemala, Panama, El Salvador, Peru, Ceylon, Bolivien, Argentinien …. und auf dem Rückweg kurz nur Spanien mit Madrid und Barcelona.
Irgendein Land oder zwei habe ich bestimmt vergessen.
„Wenn Du aus Bayern nach Barcelona kommst, ist das bestimmt supertoll, aber wenn Du aus Südamerika kommst, dann ist Barcelona leider superscheiße. Die Menschen dort, die lächeln nämlich nicht.“
Alles allein organisiert, alle drei Tage im Schnitt ein neues Hostel, alle vier Sprachen genutzt, die sie spricht, 10 Flüge, unzählige Busse, Hikes bis in 5000m Höhe, ich weiß gar nicht, wie sie das alles schaffte. Klasse!
Und wir sind so stolz auf sie wie auf den Großen, der die kleinen Entdeckungen ebenso liebt wie sie die großen.
Zweimal habe ich sogar mit ihr telefoniert, das zweite Telefonat war das wichtigere, das kürzere. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, es könnte etwas passiert sein, weil wir sonst nur schrieben und Herzchen sandten. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, telefonierte jede Woche 60 Minuten. Ich kann das nicht, ich bin der Mann der wenigen Worte. Jedenfalls am Telefon.
Es war eigentlich nur eine kurze Frage beim zweiten Telefonat:
„Papa, es ist ganz wichtig! Ist die neue Platte von Billie Eilish schon angekommen? Ist das Vinyl farbig?„
Ja, sie ist. Und es ist rot. 🙂
Habe natürlich nicht ausgepackt, das tut man nicht, es steht aber draußen drauf.
Sie hört ja Musik nur von Vinyl. Sie will auch keinen CD-Spieler von meinen haben obwohl die Auswahl an CDs ein Stockwerk höher durchaus gut ist.
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Und heute war ich dann bei IKEA, ein paar Plastikblumen für das Auto kaufen, einen kleinen Bilderrahmen für ein schönes Bild, das ich geschenkt bekam, eine Plastikkiste und ein Kissen, nein, nicht damit die Autoputz-Utensilien in der Kiste weich liegen.
Ich bin dann noch die 400m zum Elektronik-Fachmarkt gefahren, der Motor war ja noch warm und es regnete, eine beliebte Ausrede auch, wenn man hätte drinnen gehen können. Ich gehe keine weiten Strecken unter Dächern, ich umfahre solche Beschränkungen. Tunnel sind da in einer anderen Liga, nur selten ziehe ich den Pass über den Berg vor.
Dieser Medien-Markt, ich liebe den ja nicht, aber ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, einmal jährlich den Schrumpfungsprozess der CD-Abteilung in Augenschein zu nehmen.
Die sieht mittlerweile trist aus, keine CD von Dylan zu finden, nein, ich habe die alle mehrfach, nicht von Reiz, mehr finde ich im Heim.
Aber in der Grabbelkiste zwischen Wolfgang Petry, diversen nichtssagenden Samplern und Tim Benzko, der schon das Schicksal vom Wolfgang teilt, plötzlich Billie, Billie Eilish!
Für 7,99€!
Eine ältere CD, ich bin bei ihr kein Fachmann.
Großartig, die durfte mit, Eminem auch, man braucht eine CD von Eminem aus historischen Gründen, auch wenn ich seine Texte nicht mag. Für 4,99€ sowieso.
Dazu zwei Vinyl-Scheiben für je 5€ in farbigem Vinyl, vielleicht kann das kleine Kind sie dekorativ an der Wand platzieren oder sie hört sie sogar, so ein Blindkauf ist manchmal ein Ausweg aus den Dilemmata der Schrumpfabteilung.
An der Kasse habe ich Pech, ich muss zu der mit dem Dutt und der Brille, lieber wäre ich zu dem dunklen, jungen Mann mit dem Vollbart und dem Lächeln darin gegangen, es waren keine anderen da, sonst hätte ich eine dritte Wahl gehabt.
Nicht immer sind Frauen die beste Wahl.
Der Dutt lächelte so gar nicht, etwas starr der Blick, vielleicht hatte sie schlecht geträumt. Ich habe auch solche Tage, aber ich trage auch keinen Dutt, der das noch betont.
Meine vier Produkte summiert der Dutt an der elektronischen Kasse auf 32,98€. Ich stutze kurz und sage:
„Entschuldigen Sie bitte, aber das sind exakt 10€ zuviel“ und weise auf die Preisschilder hin. Sie summiert erneut, gleiches Ergebnis: 32,98€.
„Ja, hier bei der Eilish-CD steht ja UVP des Lieferanten 7,99€, unser Preis sind 17,99€.“
„Ach. Und wenn ich bei Ihnen nicht aufpasse, dann ziehen Sie mir ungefragt 10€ mehr ab? Ein Kühlschrank, der mit 799€ ausgezeichnet ist, kann mich auch 1799€ kosten? Das ist ja erstaunlich! Die CD bleibt hier, schade, aber ich möchte das fast als ‚Betrugsversuch‘ bewerten.“
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Das hat mich schon geärgert, draußen auf dem Parkplatz, also wollte ich den Geschäftsführer telefonisch sprechen. Die Zentrale in Köln teilte mir mit, der Rückruf könne zwei Stunden dauern nachdem ich den Fall beschrieben hatte. Eine Aufzeichnung des Gespräches lehnte ich natürlich vorher ab.
„Ihren Namen, bitte.“
„Franz Kafka. Also gut, ich gebe Ihnen 15min für den Rückruf. Danach schreibe ich eine kleine Kolumne über Ihre Preisauszeichung und das Verhalten ihrer Mitarbeiterin an der Kasse Ihres Marktes.“
Kein Rückruf in 15min, super, die Kolumne hatte ich damit gesichert. Schön.
Ja, nicht nett, ich zwinge mich richtiggehend zu solchen Sätzen. Ich warte keine zwei Stunden mit einem auf laut gestellten Mobiltelefon, das verlängert ja meinen Ärger, der braucht viel schnellere Ventile.
Also trotzdem noch schnell zurück in den Markt, ohne Jacke, ich ziehe den verbalen Revolver ohne Jacke einfach schneller. Auch mit dem Kassenbon und den stornierten 17,99€ in der Hand. Ich picke mir zügig den Vollbart heraus.
Der Dutt?
Ich spreche nicht zweimal mit demselben Dutt.
Sein Lächeln wurde schnell schmal, „ja, ich kann Sie absolut verstehen, wir haben mit der Marktleitung über diese Fälle gesprochen. Ich selbst weise Käufer an der Kasse auf ‚unseren abweichenden Preis‘ hin.“
„Schön, aber das unterblieb in meinem Fall“, sagte ich mit stummen Blick zum Dutt.
„Ich will Ihnen nicht sagen, wie ich das nenne, aber Sie sollten sich die Mühe machen, Ihre Waren auch mit Ihren tatsächlichen Preisen auszuzeichnen! Sie persönlich können ja nichts dafür!“
Der letzte Satz ist so eine Art ‚Klassiker‘ von mir.
„Verständlich, dass Sie das sagen, aber das dürfen wir nicht. Wir dürfen die UVP des Lieferanten nicht überkleben.“
„Ach, warum das denn nicht? Weil der Lieferant nicht will, dass Sie einen Zehner pro CD draufschlagen um mehr Gewinn zu machen? Ich könnte ja Ihren Lieferanten kontaktieren mit der CD plus UVP-Aufdruck und dem Kassenbon über 17,99€. Was halten Sie denn davon?“
Manchmal mache ich argumentativ gleich das ganze Magazin leer, hier ließ ich die letzte Patrone noch ungenutzt.
„Moment, ich telefoniere kurz.“
Nach dem Telefonat eine „Kulanzregelung“, nur für mich ‚ganz persönlich‘, sehr nett, ich wollte doch gleich zu ihm.
Also 7,99€ für Billie Eilish, ich wollte die doch nur, damit das kleine Kind im alten Auto auch Billie hören kann. Sie hat die alte Platte ja auch nur auf farbigem Vinyl.
In Gold.
Mir ist das eigentlich egal, ich finde Billie auch auf dem Gebrauchtmarkt, aber so einen Umgang mit Kunden mag ich leider gar nicht. Den 10er investiere ich viel lieber in Kaffee und Kuchen mit dem kleinen Kind als ihn dem Giermarkt zuzuwerfen.
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Ceylon gehörte nicht zu ihren Zielen, gut, dass Ihr aufpasst. Das muss man nämlich immer öfter. Schade.