Über den Handel

 

Das ist nicht unterhaltsam, ich habe das nur geschrieben, weil ich etwas nicht verstehe.

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*Über den Handel*

 

Im Prinzip will man als Käufer, so behaupte ich mal von mir ausgehend, für ein Produkt einen möglichst geringen Preis zahlen. Kurz, wenn an einer Tankstelle ein kleines Glas Nutella 3,99€ kostet, dann kaufe ich das nicht, dasselbe würde ich ja an der Autobahn auch nicht für einen Cappuccino ausgeben.

Schließlich kaufen die auch keinen anderen Kaffee ein als diejenigen, die für das milchschaumbehauptete Getränk die Hälfte berechnen.

Heute erscheint „Reputation“ von Taylor Swift. Das Album interessiert mich zwar nicht so, aber ich entkomme der Werbung kaum. Das ist ein richtiger „Countdown“ seit Wochen.

Ob das jetzt ein „Millionenseller“ wie in den guten, alten Zeiten wird, das weiß ich nicht, aber wir nehmen das mal an.

Saturn oder Media Markt werden so ein Album vermutlich zu Preisen verkaufen, die unter dem Einkaufspreis liegen, oder zumindest unter dem eines kleineren Händlers. Seit 20 Jahren bekomme ich in einem lokalen Plattengeschäft einen Rabatt, weil mich da eine nette Verkäuferin mal als „DJ“ eingetragen hat. Manchmal bekam ich meine 20% Rabatt nicht, wenn nämlich meine Zahlung unter deren Einkaufspreis lag, dann bekam ich nur 10%.

Die Besonderheit im Tonträgerhandel ist nämlich, dass es meines Wissens keinen „empfohlenen Verkaufspreis“ gibt, eine Preisbindung wie bei Büchern gibt es sowieso nicht.

Jeder Händler bekommt einen bestimmten, persönlichen Einkaufspreis, der vermutlich verhandelt wird oder von der abgenommenen Menge abhängt, so genau weiß ich das nicht, ich vermute das nur. Die Händler wissen das besser.

Dadurch sitzen die „Riesen“ der CD-Branche an ziemlich fiesen, langen Hebeln.

Taylor Swift verkauft, angenommen, eine Million CDs. Wenn nun die „Riesen“ so kalkulieren, dass 10% oder 20% der Taylor-Käufer noch etwas anderes mitnehmen und vielleicht sogar wiederkommen, wäre es noch ein gutes Geschäft, wenn sie Taylor unter dem Einkaufspreis abgeben.

Ich schreibe hier über etwas, wovon ich ganz wenig verstehe. 🙂

Nun erschien kürzlich Marc-Uwe Klings neuer Roman „Qualityland“, der wurde hoch gehandelt nach den millionenfach verkauften „Känguru-Chroniken“.

Beim Buch gibt es eine Preisbindung.

Amazon verkauft also zum selben Preis wie alle anderen. Beim Hörbuch gibt es die „Bindung“ aber nicht. Nur den empfohlenen Verkaufspreis von 18€, den gibt es und auf dessen Grundlage werden dann dem kleinen Händler vielleicht 30% oder 40% Rabatt gewährt.

Amazon bekommt bestimmt mehr Rabatt und jetzt bieten die dieses Hörbuch für 11,95€ an. Die Thalia- Buchhandlungen machen das Spiel mit, aber vielleicht verdienen die damit auch nichts mehr.

Ein „kleiner“ Händler kann sich dann überlegen:
„Biete ich das Hörbuch gar nicht an oder verkaufe ich es ohne Gewinn?“

Wenn er jetzt nämlich 18€ verlangt, so würde das bedeuten, dass die Leute, die denken, dass Amazon billiger ist, sich bestätigt fühlen.

Könnte mir auch passieren, so zu denken.

Amazon ist beispielsweise bei CDs oft billiger, weil sie die Mehrwertsteuer kassieren aber nicht an den deutschen Staat abführen sondern an einen ihrer „Briefkästen“. Oder welche Steuer ist das? Körperschaftssteuer?

So ganz verstehe ich es noch nicht.

So können sie bei vielem mit 19% Mehrwertsteuer anders kalkulieren und preiswerter anbieten als ein „kleines“, lokales Geschäft, das das nicht vermag, weil der Händler pflichtbewusst alle seine Steuern hier zahlt.

Oder verstehe ich da etwas falsch?

Wer sich als Verlagsbetreiber bei Büchern zum Beispiel auf die von mir vermuteten Rabattforderungen der „Riesen“ nicht einlässt, „findet dort quasi nicht statt“, glaube ich. So beißen viele der Verlage vielleicht doch unter Druck in den sauren Rabattapfel.

Wenn es also um Bücher geht, dann sollte man absolut konsequent beim lokalen, kleinen Händler kaufen. Das kostet nicht mehr und die Mehrwertsteuer bleibt da, wo sie hingehört.

Und es kostet auch dasselbe, es gibt zum Glück eine Preisbindung.

 

Time Out Of Mind

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„Time Out Of Mind“

Seit zwei Wochen das Auto nicht gewaschen, ich glaube, das ist ein echtes Problem.

„Time Out Of Mind“, welch ein aktueller Titel für eine Platte und, nahezu unfassbar, sie ist schon 20 Jahre alt und ich zähle sie noch immer zu den „Aktuellen“. Das ist das Alter, selbst der Große war ja noch nicht auf der Welt.

„Dylan spricht letzte Sätze“, hätte man es auch nennen können und richtig, was jemand damals schrieb, „Time“ klingt in der Nacht am besten, die Nacht ist ihr Freund und am besten ist das Vinyl, schwarz wie eine Nacht bei Neumond.

„Wenn ich meine Schuhe nicht putze, geht es mir wohl gerade nicht so gut“, das ist ein banaler Satz aus einem müden Hirn, wenn „Time Out Of Mind“ die nächste, dunkle Runde einläutet. Und wenn man Schuhe auch drei Tage nicht putzt, ist es Zeit aus der TOOM-Flasche zu trinken.

Dylan-Freunde kürzen ab:
GAIBTY oder BOTT oder JWH oder BIABH oder WGW, da weiß die Gemeinde, was gemeint ist.

Man kann trotz aller Düsternis nicht sagen, dass das Hören hier traurig stimmt, eher im Gegenteil. Es scheint wie das Gegenteil eines Moment kurzen Glücks …. in dem einem kurz und ohne Ankündigung Tränen kommen könnten, wenn man es ihnen denn erlauben würde. Das ist düster, macht jedoch nicht dunkel in der Dunkelheit.

Versteht vermutlich niemand, macht aber nichts.

Es versteht ja auch keiner, dass man am Erscheinungstag von „Trouble No More“ den ‚Trouble‘ in der Folie lässt und darüber nachsinnt, ob die Zeit wirklich ohne Geist ist.

„You were not all the time out of my mind.“

Scheint mir in der Nacht trotzdem passiert zu sein, wenn ich das am Morgen lese.

 

–

Das Foto zum Abheben ist vom Ron. Wundervoll.

 

 

„You don’t need a weather man to know which way the wind blows“

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*„You don’t need a weather man
to know which way the wind blows“*

Fast wie das Wetter sind Uhren als Thema sehr undankbar.

Sie halten nie an, sie verweilen keinen Moment, sie kennen nur eine Richtung:

Nach vorn!

So eine Uhr hat vermutlich nichts von den schönsten Augenblicken ihres Lebens.

Andererseits kennt die Uhr auch kein Ende ihrer Zeit, weil sie immer nur mit der nächsten Sekunde, der nächsten Minute und der nächsten Stunde beschäftigt ist. Vielleicht kann man eine Uhr darum auch ein wenig beneiden. Eine Uhr grübelt ja nicht über das Morgen und das Kommende, weil jeder Tag für sie denselben Ablauf hat.

„Die Uhr ist der schärfste Kritiker ihrer Zeit“, hat der Herr Brand mal weise gesagt.

Den Dirk habe ich neulich gefragt, ob er seine Uhr schon umgestellt hat und er hat geantwortet:

„Geht irgendwie nicht. Meine Uhren gehen schon seit jeher immer irgendwie anders, und die Abweichung wird täglich größer.“

Als ich daraufhin bemerkte, dass seine Uhr vielleicht richtig geht und alle anderen lediglich zu schnell, war er auch nicht einverstanden:

„Also wenn ich richtig liege (wovon ich nicht unbedingt ausgehe), dann gehen die nicht nur „zu schnell“ (weil, das wäre zu einfach) dann gehen die, viel schlimmer, nämlich richtig FALSCH!“

Und jetzt frage ich mich, ob die mit den falschesten Uhren vielleicht gerade denken, dass sie die einzigen richtig gehenden Uhren haben.

Denen hat der Hinrich mal zugerufen „Die Uhr hat Fragezeiger!“

Dem Dirk könnte man die Uhr von „Korf“ empfehlen, ich weiß aber nicht, was die heute kosten würde.

 

Die Korfsche Uhr

Korf erfindet eine Uhr,
die mit zwei Paar Zeigern kreist
und damit nach vorn nicht nur,
sondern auch nach rückwärts weist.

Zeigt sie zwei, – somit auch zehn;
zeigt sie drei, – somit auch neun;
und man braucht nur hinzusehn,
um die Zeit nicht mehr zu scheun.

Denn auf dieser Uhr von Korfen
mit dem janushaften Lauf
(dazu ward sie so entworfen):
hebt die Zeit sich selber auf.

– Christian Morgenstern

 

 

 

 

 

 

Pedanten

 

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*Pedanten*

Kennt Ihr eigentlich einen pedantischen Menschen?

Wenn der Chef so einer ist, dann wird jede Kleinigkeit zur Last. Kann natürlich auch eine Chefin sein, die mit Kleinkram nervt.

„Pedant“ habe ich ‚gegooglet‘, weil ich einige kenne, die sich als Beispiel ganz gut machen würden. Vor grob 400 Jahren soll das Wort aus dem Französischen ins Deutsche gekommen sein, also vermutlich noch vor Immanuel Kant.

„Pédanterie“ hieß zunächst „Engherzigkeit“.

„Pedanterie ist nichts anderes als der Wille, Kleinigkeiten der Umwelt das Gesetz der eigenen Person aufzuerlegen“, so hat das später der Herr Allers erklärt.

Wenn es danach geht, laufen heute ganz schön viele Pedanten durch die Welt, oder?

Der alte Herr Knigge, ob der auch so einer war, ein „Pedant“, der das Einhalten seiner Benimmregeln fordert?

Kant wird als an einen strikten Tagesablauf gebundener vergeistigter Mensch beschrieben. Angeblich sollen die Königsberger sogar ihre Taschenuhren nach ihm gestellt haben. Das war nämlich die Zeit als viele diese Uhren hatten und in Folge dieses Besitzes versuchten, ihren Tagesablauf streng nach der Uhr auszurichten. Ein wenig ähnlich ist das heute mit den mobilen Telefonen.

Früher Sklave der Uhr, heute Sklave des Netzes.

Immanuel also ein … Pedant?

Vermutlich ist das nicht ganz korrekt. Als Student war er ein bekanntermaßen guter Kartenspieler und weil er fast professionell Billard spielte, soll er damit als Student sogar Geld verdient haben. Er trug wertvolle, elegante Kleidung, galt als ‚galant‘ bei den Damen, weil er belesen war und auf sehr unterhaltsame Art sehr trocken lustige Anekdoten erzählen konnte. Er empfahl anderen zum Beispiel auch, nicht so viel „über Büchern zu brüten“. Gesellschaftlichen Zerstreuungen soll er so gar nicht abgeneigt gewesen sein.

Klingt nicht nach Pedanterie.

Für die ihm nachgesagte, ’spießige‘ Pünktlichkeit war später eher ein Engländer verantwortlich, der sein Freund war und der sehr streng und pedantisch nach der Uhr lebte. Deshalb musste Immanuel sein Haus zu einer bestimmten Zeit verlassen, wenn er ihn besuchen wollte.

Erst als er über 40 war, soll er aus gesundheitlichen Gründen etwas „rigoros“ geworden sein. Sieht so aus als habe er die zweiten 40 Jahre seines Lebens deutlich anders verbracht als die ersten und als hätten die ihn zu etwas gemacht, was er vorher nicht war.

„Morgens um 4:45 Uhr ließ er sich von seinem Hausdiener mit den Worten „Es ist Zeit!“ wecken und ging um 22 Uhr zu Bett.“

Mit Freunden aß er zu Mittag und vermied dabei Themen der Philosophie.

„Es ist gut.“

Das hat er angeblich als Letztes gesagt.
Er sagte nicht „Es ist zu spät“.

Der nächste, der mir als „Pedant“ einfiel, vielleicht weil mir zu feste Regeln ein Gräuel sind, war der alte Knigge. Natürlich habe ich in seinem Buch nur geblättert und als mein Großer das aktuelle Werk zur Konfirmation erhielt, habe ich ein wenig gelächelt als der Riese etwas verzweifelt blickte.

„Über den Umgang mit Menschen“ ist Ende des 18. Jahrhunderts erstmals erschienen.

„Knigge beabsichtigte damit eine Aufklärungsschrift für Taktgefühl und Höflichkeit im Umgang mit den Generationen, Berufen, Charakteren, die einem auch Enttäuschungen ersparen sollte. Man kann seine durchdachten und weltkundigen Erläuterungen sehr wohl als angewandte Soziologie würdigen“.

Er selbst hat sich nämlich, speziell in jungen Jahren, ziemlich oft ‚daneben‘ benommen.

Sein Buch wurde später als Benimmbuch betrachtet, oft auch nur nach Hörensagen. Dieses Missverständnis kommt daher, dass der Verlag das Buch um „Benimmregeln“ erweiterte als Knigge schon tot war.

Kleiderregeln und wer wen in welcher Reihenfolge begrüßen muss und welches Glas unbedingt zu welchem Getränk gehört, das war dem Knigge total Wurst. Darüber hat er selbst nicht geschrieben.

Also taugt auch der weniger zum Beispiel eines Pedanten als diejenigen, die ihr Heil im strengen Befolgen suchen.

Ist ja meist auch etwas verkrampft.

Wie Pedanten eben oft sind: Verkrampft.

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maddin61.wordpress.com