Pedanten

 

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*Pedanten*

Kennt Ihr eigentlich einen pedantischen Menschen?

Wenn der Chef so einer ist, dann wird jede Kleinigkeit zur Last. Kann natürlich auch eine Chefin sein, die mit Kleinkram nervt.

„Pedant“ habe ich ‚gegooglet‘, weil ich einige kenne, die sich als Beispiel ganz gut machen würden. Vor grob 400 Jahren soll das Wort aus dem Französischen ins Deutsche gekommen sein, also vermutlich noch vor Immanuel Kant.

„Pédanterie“ hieß zunächst „Engherzigkeit“.

„Pedanterie ist nichts anderes als der Wille, Kleinigkeiten der Umwelt das Gesetz der eigenen Person aufzuerlegen“, so hat das später der Herr Allers erklärt.

Wenn es danach geht, laufen heute ganz schön viele Pedanten durch die Welt, oder?

Der alte Herr Knigge, ob der auch so einer war, ein „Pedant“, der das Einhalten seiner Benimmregeln fordert?

Kant wird als an einen strikten Tagesablauf gebundener vergeistigter Mensch beschrieben. Angeblich sollen die Königsberger sogar ihre Taschenuhren nach ihm gestellt haben. Das war nämlich die Zeit als viele diese Uhren hatten und in Folge dieses Besitzes versuchten, ihren Tagesablauf streng nach der Uhr auszurichten. Ein wenig ähnlich ist das heute mit den mobilen Telefonen.

Früher Sklave der Uhr, heute Sklave des Netzes.

Immanuel also ein … Pedant?

Vermutlich ist das nicht ganz korrekt. Als Student war er ein bekanntermaßen guter Kartenspieler und weil er fast professionell Billard spielte, soll er damit als Student sogar Geld verdient haben. Er trug wertvolle, elegante Kleidung, galt als ‚galant‘ bei den Damen, weil er belesen war und auf sehr unterhaltsame Art sehr trocken lustige Anekdoten erzählen konnte. Er empfahl anderen zum Beispiel auch, nicht so viel „über Büchern zu brüten“. Gesellschaftlichen Zerstreuungen soll er so gar nicht abgeneigt gewesen sein.

Klingt nicht nach Pedanterie.

Für die ihm nachgesagte, ’spießige‘ Pünktlichkeit war später eher ein Engländer verantwortlich, der sein Freund war und der sehr streng und pedantisch nach der Uhr lebte. Deshalb musste Immanuel sein Haus zu einer bestimmten Zeit verlassen, wenn er ihn besuchen wollte.

Erst als er über 40 war, soll er aus gesundheitlichen Gründen etwas „rigoros“ geworden sein. Sieht so aus als habe er die zweiten 40 Jahre seines Lebens deutlich anders verbracht als die ersten und als hätten die ihn zu etwas gemacht, was er vorher nicht war.

„Morgens um 4:45 Uhr ließ er sich von seinem Hausdiener mit den Worten „Es ist Zeit!“ wecken und ging um 22 Uhr zu Bett.“

Mit Freunden aß er zu Mittag und vermied dabei Themen der Philosophie.

„Es ist gut.“

Das hat er angeblich als Letztes gesagt.
Er sagte nicht „Es ist zu spät“.

Der nächste, der mir als „Pedant“ einfiel, vielleicht weil mir zu feste Regeln ein Gräuel sind, war der alte Knigge. Natürlich habe ich in seinem Buch nur geblättert und als mein Großer das aktuelle Werk zur Konfirmation erhielt, habe ich ein wenig gelächelt als der Riese etwas verzweifelt blickte.

„Über den Umgang mit Menschen“ ist Ende des 18. Jahrhunderts erstmals erschienen.

„Knigge beabsichtigte damit eine Aufklärungsschrift für Taktgefühl und Höflichkeit im Umgang mit den Generationen, Berufen, Charakteren, die einem auch Enttäuschungen ersparen sollte. Man kann seine durchdachten und weltkundigen Erläuterungen sehr wohl als angewandte Soziologie würdigen“.

Er selbst hat sich nämlich, speziell in jungen Jahren, ziemlich oft ‚daneben‘ benommen.

Sein Buch wurde später als Benimmbuch betrachtet, oft auch nur nach Hörensagen. Dieses Missverständnis kommt daher, dass der Verlag das Buch um „Benimmregeln“ erweiterte als Knigge schon tot war.

Kleiderregeln und wer wen in welcher Reihenfolge begrüßen muss und welches Glas unbedingt zu welchem Getränk gehört, das war dem Knigge total Wurst. Darüber hat er selbst nicht geschrieben.

Also taugt auch der weniger zum Beispiel eines Pedanten als diejenigen, die ihr Heil im strengen Befolgen suchen.

Ist ja meist auch etwas verkrampft.

Wie Pedanten eben oft sind: Verkrampft.

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