
*„You don’t need a weather man
to know which way the wind blows“*
Fast wie das Wetter sind Uhren als Thema sehr undankbar.
Sie halten nie an, sie verweilen keinen Moment, sie kennen nur eine Richtung:
Nach vorn!
So eine Uhr hat vermutlich nichts von den schönsten Augenblicken ihres Lebens.
Andererseits kennt die Uhr auch kein Ende ihrer Zeit, weil sie immer nur mit der nächsten Sekunde, der nächsten Minute und der nächsten Stunde beschäftigt ist. Vielleicht kann man eine Uhr darum auch ein wenig beneiden. Eine Uhr grübelt ja nicht über das Morgen und das Kommende, weil jeder Tag für sie denselben Ablauf hat.
„Die Uhr ist der schärfste Kritiker ihrer Zeit“, hat der Herr Brand mal weise gesagt.
Den Dirk habe ich neulich gefragt, ob er seine Uhr schon umgestellt hat und er hat geantwortet:
„Geht irgendwie nicht. Meine Uhren gehen schon seit jeher immer irgendwie anders, und die Abweichung wird täglich größer.“
Als ich daraufhin bemerkte, dass seine Uhr vielleicht richtig geht und alle anderen lediglich zu schnell, war er auch nicht einverstanden:
„Also wenn ich richtig liege (wovon ich nicht unbedingt ausgehe), dann gehen die nicht nur „zu schnell“ (weil, das wäre zu einfach) dann gehen die, viel schlimmer, nämlich richtig FALSCH!“
Und jetzt frage ich mich, ob die mit den falschesten Uhren vielleicht gerade denken, dass sie die einzigen richtig gehenden Uhren haben.
Denen hat der Hinrich mal zugerufen „Die Uhr hat Fragezeiger!“
Dem Dirk könnte man die Uhr von „Korf“ empfehlen, ich weiß aber nicht, was die heute kosten würde.
Die Korfsche Uhr
Korf erfindet eine Uhr,
die mit zwei Paar Zeigern kreist
und damit nach vorn nicht nur,
sondern auch nach rückwärts weist.
Zeigt sie zwei, – somit auch zehn;
zeigt sie drei, – somit auch neun;
und man braucht nur hinzusehn,
um die Zeit nicht mehr zu scheun.
Denn auf dieser Uhr von Korfen
mit dem janushaften Lauf
(dazu ward sie so entworfen):
hebt die Zeit sich selber auf.
– Christian Morgenstern