Black And White, pt 1

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*Black And White, pt 1*

Gestern war ich wieder bei Frau Kunz in der besten Bücherei der Welt. Ich kenne sie gut, weil ich vor einigen Monaten ein Buch ersetzen musste, das ich nie entliehen hatte. Der Spaß hat mich nur 5€ gekostet, das sind also 12,5 Cent pro Jahr meiner Mitgliedschaft gewesen.

Die amüsante Bekanntschaft mit Frau Kunz ist mir nämlich viel mehr wert. Ihr realer Name ist ein langer Doppelname, deshalb nenne ich sie einfach kurz „Frau Kunz“. Sie regt sich dann etwas auf, das verstehe ich gut.

Und als ich sie gestern in der Halle traf, … nein, das ist nicht der Regelfall, weil ihr Büro nämlich direkt an der Straße liegt und man durch das offene Fenster auch einen kurzen Plausch halten kann, … also als ich sie dort traf, da sagte sie:

„Ich musste neulich an Sie denken!“

Das ist schon mal ein guter Anfang gewesen. Leider schmunzelte sie verschmitzt, senkte den Kopf, jedoch so gar nicht schuldbewusst.

Ich hatte zunächst gehofft, dass die mein angeblich entliehenes Buch am falschen Ort wiedergefunden hätten. Ich bestreite nach wie vor, dass ich das hatte und verbummelt habe.

„Wissen Sie, ich musste jetzt auch ein Buch ersetzen!“, sprach sie weiter, leise wie eine Verschwörerin.

„Santa Maria! Wie jetzt? Sie mussten sich selbst abmahnen?“, habe ich in der Halle ein wenig zu laut ausgerufen.

Jetzt muss sie das allen Mitarbeitern erklären. Das tut mir nun Leid, aber ich selbst würde mir so delikate Geheimnisse nicht verraten.

Frau Kunz ist nämlich sozusagen selbst die Mahnabteilung! Sie arbeitet sich an vergesslichen Menschen zusammen mit Frau Springsteen ab.

Musikalisch kommen die beiden auf keinen gemeinsamen Zweig, aber sonst sind die ein gutes Team. Ich finde es gut, dass Bruce da einen Tick über ihrem eigenen Favoriten sitzt, das dürfte ich Frau Kunz aber nicht sagen.

Auf Bruce lasse ich nichts kommen, jedenfalls bis 1981.

Es war ein Liebesroman und weil sie den mit einer reifen Kiwi in der Tasche hatte, hat der Roman die Kiwi zerquetscht und das Taschenbuch versaut. Den Titel des Buches konnte ich ihr nicht entlocken, da blieb sie eisern. So gut kenne ich sie leider noch nicht.

Oder war nur mein „Santa Maria“ zu laut? Ob sie sich auch die „Einarbeitungsgebühr“ des neuen Buches in Höhe von 6€ selbst in Rechnung gestellt hat, das habe ich nicht gefragt, aber ich traue ihr das zu!

Mir hat sie die ja großzügig erlassen, aber es könnte sein, dass sie mit sich selbst strenger ist als mit mir. Da kann sie sich glücklich schätzen, dass sie nicht zur Polizei gegangen ist. Sie hätte sich selbst jeden Tag Strafmandate ausgestellt! Neulich ist sie bei Rot über eine Ampel gegangen, das habe ich genau gesehen. Schon das wäre teurer gewesen als das Taschenbuch für 9,90.

Frau Kunz liebt nicht nur Romane, sie liebt auch den Kaiser seit mehr als 30 Jahren. Früher hat sie sich gar für ihre eigene Begeisterung rechtfertigen müssen, aber ich glaube nicht, dass man das in musikalischen Liebesdingen tun sollte.

Da mischt sich nämlich etwas Dunkles, etwas Schwarzes in das helle Weiß einer Zuneigung.

Die Treuesten seiner Fans nennen ihn „Rolli“, aber, … sie korrigierte mich sofort, … man sagt „Roooli“, man schreibt es nur „Rolli“.

Bei Bob Dylan, da sagt man einfach „Bob“. „Er“ reicht eigentlich auch. Keiner würde „Booobie“ sagen. Aber der ist ja nur ein König und kein Kaiser. Es gibt aber Menschen, die ihm göttliche Gaben nachsagen.

Also Bobby, nicht Rolli.

Nun begab es sich aber zu der Zeit, dass ich sehr gern einen Morgenkaffee mit der jugendlichen Giselle trinke. Und Giselle ist die jugendliche Mutter einer noch jugendlicheren Tochter, deren jugendlicher Freund der junge Sohn des alten … genau, …. ist.

Zumindest ist das mein Kenntnisstand.

Und wenn Frau Kunz durch meine Vermittlung irgendwann einmal dem Rolli die Hand drücken könnte, … oder auch etwas mehr …. , dann kann ich vielleicht die ganze Bücherei nach Mittelamerika verschiffen ohne dass die Mahnabteilung mir das in Rechnung stellt.

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