Der Teddy

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*Der Teddy*

Vor 15 Jahren oder so gab es einen TV-Bericht zur damals noch in den Kinderschuhen steckenden digitalen Bildbearbeitung.

Ein Künstler hatte sich zum Beispiel in weltbekannte Bilder aus der Vergangenheit hineinkopiert und zwar so, dass das kaum erkennbar war, man aber „spürte“, dass da ‚irgendetwas‘ nicht stimmte. Mal war er der fünfte Beatle, mal stand er neben J.F. Kennedy. Das waren die offensichtlichen Fälle. Die Aussage war, dass, wenn man alle Originalbilder vernichten würde, spätere Generationen die veränderten Bilder für die Wahrheit halten müssten oder könnten. Würde man Hitler auf allen Bildern und Filmen den lächerlichen Bart abrasieren und eine Langhaarfrisur verpassen, dann würden das ja in 200 Jahren auch alle Menschen für wahr halten. Hitler ist ein blödes Beispiel.

Meg Ryan und die Golding sind nach ihren zahlreichen Gesichtsveränderungen auch so ein Fall, aber ich komme vom Thema ab. Das sind ja nur reale „Remixes“ des Originals. Allerdings wissen beide von ihrer derzeitigen optischen, wahren Realität nichts, der sind sie aus dem Weg gegangen.

Bei Musik ist das nicht wesentlich anders. Das ‚Sergeant Pepper‘-Album von den Beatles gab es vor 50 Jahren in zwei Versionen, nämlich in Mono und in Stereo, schon da kann man sich streiten, welche Version denn das eigentliche „Original“ war, vermutlich ist es eher die Mono-Variante gewesen.
2009 hat man zum Beispiel die Stereo-Version „frisch poliert“, dann kaufen die Irren wie ich das nochmal und vergleichen das. Die alte Version verschwindet aus dem Handel. Nun gibt es dieselbe Musik wieder neu, das nennt man dann einen „Remix“, die Varianten mit der Stimme auf nur einem Kanal, rechts oder links, gibt es da kaum noch. Vermutlich verschwinden dann die älteren Versionen nach und nach wieder aus dem Handel.

Das ist für mich eine andere Platte, ist gut gemacht, aber es ist eben keine „kulturhistorische Wahrheit“ mehr. Es ist in gewisser Weise die Meg Ryan-Version von „Sgt. Pepper“ von heute.

Niemand käme auf die Idee, der Mona Lisa einen moderneren Haarschnitt zu verpassen, oder?

Der Große war einmal ganz klein und er hatte ein Kuscheltier, der hieß „Teddy“. Der war schon mehrfach gewaschen, hatte eine neue Füllung, weil er schon zum „Flachwesen“ geworden war. Flicken hatte er auch und ich glaube, dass ein Auge fehlte. Jedenfalls bekam er genau dengleichen Teddy ein zweites Mal geschenkt.

„Das ist nicht ‚Teddy'“, hat er weinend gerufen.

Eben.

Und so ist das auch mit „Sergeant Pepper“.

 

 

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