*Those Three Days*
Es gibt viele Momente im Leben, an die sich fast alle im entsprechenden Alter erinnern. Ich glaube, dass sich bestimmte traurige Vorfälle dabei etwas stärker ins Hirn brennen.
Zum Beispiel als Elvis starb, als John Lennon ermordet wurde, auch Diana gehört dazu. Viele erinnern sich an das exakte Datum und wo sie waren als sie es erfuhren. Dass ich einen Pferdeanhänger manövrierte als Helmut Kohl Kanzler wurde, weiß ich auch noch, aber das ist im Nachhinein nicht unter ‚traurig‘ abzuheften.
Mit privaten Erlebnissen gleich welcher Art verbinde ich oft Filme und Musik, daher kann ich mich an manche Jahre und bestimmte Ereignisse besser erinnern.
Und mit „Those Three Days“ von Lucinda Williams verbinde ich ebenso viel Negatives wie Positives aus dem Jahr 2003. Und sie hat es 2017 am gleichen Ort wieder live gespielt und meine Erinnerungen sind keinen Tag gealtert.
„Ein Gerücht ist eine unverbürgte Nachricht, die stets von allgemeinem bzw. öffentlichem Interesse ist, sich diffus verbreitet und deren Inhalt mehr oder weniger starken Veränderungen unterliegt.“
Politisch wird daraus ‚Propaganda‘, geht es um einzelne Menschen, dann wird das Gerücht, verharmlosend, wie ich meine, zum „Klatsch“.
Und 2003 sprach mich in der großen Pause der beleibte, stets grinsende Kollege an. Der „Vereinstyp“, der „Kegelbruder“, wenn ich ein Bild malen müsste. Der wohnte, frisch geschieden, am Ende meiner Straße und hielt mich plötzlich am Arm und sprach mich, der mit Formeln aus der Kernphysik voll war, an.
„Sag‘ mal, …. *trennt* Ihr Euch?“
„Nein, … ich muss noch kopieren.“
Einige Wochen später im Lehrerzimmer, bevölkert von 20 Kollegen, ruft ein Kollege vom Tisch des „Vereinsmeiers“ mir zu:
„Na, *das* Tattoo kannten *wir* ja noch nicht.“
Ich war irritiert, verstand jedoch ….. gar nichts.
Damit spielte er offenbar auf eine Schulveranstaltung an, bei der meine begabte Tutandin ein am Rücken tief ausgeschnittenes Kleid trug, so blöd war ich nun auch wieder nicht. Mir war das Tattoo am Abend davor auch nicht entgangen, klar, aber mir fällt auch auf, wenn der Religionslehrer zu kurze Hosen trägt, dies jedoch weniger gern.
Einige Wochen gingen ins Land bis mich besagte Schülerin auf einem Flur zur Seite bat und sprach:
„Herr Bruno, …. wussten Sie eigentlich, dass wir ein Verhältnis haben?“
„Nein“, sagte ich, „das hätte ich ja gemerkt.“
„Genau, ich auch. Aber alle *denken*, wir hätten eines.“
Ob das jetzt Klatsch war oder ein Gerücht, das weiß ich nicht. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat nur laut gelacht. Fand ich nun auch nicht so toll.
Daran muss ich immer denken, wenn Lucinda Williams „Those Three Days“ spielt. Genau wie im Frühling 2003.
„Bitter Memory“ und „Foolishness“ hat sie Freitag auch gespielt. Geniales Konzert.