Das Bildnis der Mutter als junge Frau

*“Das Bildnis der Mutter als junge Frau“*

…. so heißt der Dokumentarfilm eines Freundes, den er vor einigen Jahren gedreht und produziert hat.

Jedenfalls ist schon der Titel mehr als einen Gedanken Wert.

Wie war Deine Mutter vor Deiner Geburt? Wie war Dein Vater bevor er Dein Vater wurde?

Das ist in meiner Generation eine Frage, die sich nur durch das Zusammensetzen von Erinnerungsstücken oberflächlich und eher auf Vermutungen gegründet beantworten lässt.

Einfacher ist hingegen:
Wer oder wie warst Du bevor Du Deinen Beruf gewählt hast? Hat er Dich verändert? Wärest Du ein anderer, wenn Du anders gewählt hättest?

Bei mir weiß ich das auch nicht genau, mich haben eher Bücher, Sprachen und Kunst interessiert, aber mit Mathematik und Naturwissenschaften hat man einfach den festen Boden unter den Füßen.

Vor allem in Mathematik, da täuscht man sich leicht, besonders wenn es um Reine Mathematik geht, die keinen Gegenstand außer sich selbst hat. Daran kann man sich abarbeiten, aber Gefühlsregungen sind dabei recht überflüssig. Das ist nicht die schlechteste Selbsterziehung. 🙂

Und das hat auch etwas Meditatives.
Versteht vermutlich keiner. 🙂

Heute soll ja alles schon in der Schule eine praktische Bedeutung oder Anwendung haben. Manche wollen ja sogar, dass in der Schule über das Abschließen von Versicherungsverträgen gesprochen wird. Danach kommt dann nur noch die Doppelstunde zum Thema „Wie räume ich eine Spülmaschine ein“.

Natürlich finden sich als Lehrer immer Beispiele mit denen man Schülern zeigen kann, wo Mathematik in der Realität eine Rolle spielt.

Der Motivationseffekt ist aber meist verpufft, wenn sich herausstellt, dass am Ende doch noch präzise gedacht werden muss. Dass Kurven auf Straßen zum Beispiel im Idealfall Funktionen vierten Grades sein sollten damit man sanft einlenken kann, das ist so ein Fall. Die denken ja leicht, dass Kurven „wie Kreise“ sind. Das wäre beim Fahren ziemlich unpraktisch.

Man kann aber alternativ auf die manchmal auch gekünstelten Beispiele auch schlicht verzichten und sagen, dass Mathematik schwierig ist und dass man an ihr lernt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die unangenehm sind und keinen Spaß machen und die viel Konzentration und Durchhaltevermögen verlangen.

Das gibt es im Leben nämlich noch öfter als Mathestunden in der Schule. Und dann ist das gut, wenn man sich darauf früh einstellen kann, dass nicht alles mit „Spaß“ verheiratet ist.

Ich halte nicht viel davon, dass alles „Spaß“ machen soll. „Freude“ kann man dagegen auch empfinden, wenn man etwas Schwieriges geschafft hat. Auch wenn man beim Tun wenig „Spaß“ hatte.

Man braucht auch ebenso dringend Lehrer, die man nicht leiden kann. Eine gute Schule braucht nämlich schlechte Lehrer ebenso wie gute. 😉

Heute sollte ein Neuntklässler für 7 verschiedene Schüler von 17 Jahren ausrechnen wie groß die in 5, in 10 und in 20 Jahren sind, wenn man den Wachstumsfaktor des letzten Jahres zugrunde legt. Emre war 2037 dann 5,45m groß. Das sind eben auch manchmal die „Anwendungsbeispiele“. Tim hat nur gesagt, dass das ja „nur Mathe“ ist.

Der hat das vielleicht besser verstanden als ich.

Die Veränderungen durch den Beruf, hach.

Besonders auffällig sind bei mir oft Rechtsanwälte geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die in jungen Jahren auch schon so waren. Immer sehr genau, vor allem beim Stellen von Fragen, eher knapp bei klaren Antworten. Und oft gießen sie lange die Orchidee in der Ecke des Gartens der Juristerei, wenn man nur wissen will, ob da Obstbäume stehen. Die, die ich kenne, die verlieren sich so oft in Details. Und wenn man etwas fragen will, hat man hinterher mehr Probleme als vorher.

Aber vielleicht kaufen die auch das Auto nach der Form des Auspuffs. Man weiß es ja nicht.

Da wird es jetzt Widerspruch hageln, aber ich kenne ja nur … die anderen.

Als Mieter sind sie sogar noch unbeliebter als Lehrer, sagt man. Und dazu gehört schon etwas.

Jedenfalls hatte ich als junger Mensch die Befürchtung durch die Beschäftigung mit Themen, die mir menschlich eher „lagen“ als Mathematik dem Risiko stärker ausgesetzt zu sein, dabei dem Wahnsinn anheim zu fallen. 🙂

Man verliert sich so leicht in Kunst und Literatur.

In jedem Fall wäre ich ohne die Formeln und die Zahlen … kein anderer. Es ist ja eher ein Spiel.

„Ich“ ist ja auch ein …. anderer. 😉

 

 

 

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2 Gedanken zu “Das Bildnis der Mutter als junge Frau”

  1. Glatt eine alte Geschichte vergessen.

    Steffan kannte ich vor 25 Jahren und er arbeitete in einen einfachen, kleinen Café. Der war um die 30 und alle anderen waren Schüler oder Studenten, die jobbten.

    Irgendwann hat er erzählt, dass er in einem sehr teuren, sehr bekannten Hotel in einer sehr großen Stadt eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht hatte und dort auch viele Jahre gearbeitet hat.

    Dann hat er aber festgestellt, dass er allen Menschen privat in der Fußgängerzone auswich und ihnen Platz machte.

    Und dann hat der in dem Hotel gekündigt und fing in dem kleinen Café an.

    Der hatte festgestellt, dass „ich“ ein anderer geworden war, der der aber nicht sein wollte. 🙂

    Das war sehr beeindruckend, diese Veränderung durch den Beruf. 😉

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  2. >“Wie war Deine Mutter vor Deiner Geburt? Wie war Dein Vater bevor er Dein Vater wurde?“<
    Keine Ahnung, aber ich denke , die waren schon immer so, wie sie waren, als ich das mitbekam.
    Will mir auch gar nicht vorstellen, wie ich "entstanden" bin. brrr

    Für Mathelehrer ein kleiner Buchtip (lese ich gerade): Randall Munroe: What If

    Ich habe Chemie studiert, weil mein bester Schulfreund bei einem Klassenausflug in der 10. Klasse mit dem Rad tödlich verunglückte. Und der mochte Chemie und danach mochte ich sogar meinen Chemielehrer. Wer weiß, wohin mein Leben sonst so gelaufen wäre ???? Siehe auch der Buchtitel !

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