Der Neujahrsspaziergang

Der Neujahrsspaziergang

… so ein frisches, junges Jahr, das riecht immer anders als sein Vorgänger und wenn es nur für einen Tag ist. Und weil das so ist, muss man da meiner Meinung nach an das Meer. Es ist nicht der „Geruch von Napalm am Morgen“, aber daran muss ich meistens denken bevor der Motor gestartet wird.

Ich wollte ja aufhören mit diesen Geschichten, aber man gewöhnt sich einfach daran wie an den ersten Kaffee am Morgen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob das jemand liest. Das ist sozusagen so wie das Gästebad richtig sauber machen obwohl gar keine Gäste kommen. Das gute Gefühl hat man trotzdem.

Das Beispiel ist irgendwie …. Scheiße. 🙂

Am Neujahrsmorgen bin ich dann gleich um kurz vor 6 hoch, weil der Hund abends absichtlich hungern musste, damit der nicht beim Pinkeln im Bombenhagel seine erste Jahreskrise hat. Und zwei Stunden früher aufzustehen ist besser als gleich am ersten Tag putzen zu müssen. Und der Hase kommt in der Natur ja auch nicht immer zu den „Tagesthemen“ sondern manchmal auch erst zum Frühstücksfernsehen. Das bezieht sich auf die Regelmäßigkeit der Futtergabe, falls das jetzt wieder zu kryptisch war.

Danach weiß ich gar nicht mehr, was ich so „an“ Neujahr gemacht habe außer dass ich mich auf den traditionellen Spaziergang gefreut habe. Nach dem Waschen des Autos und der Küchenreinigung war irgendwie noch Zeit. Gelesen habe ich auch, aber sehr diffus.

Als wir dann losfahren wollten, da musste ich noch drei Minuten ins Bad, die Familie ging schon eilig raus obwohl meine Jacke von innen schon warm gestanden war.

Und sie rief:
„Du kommst ja jetzt, oder? Wir wollen lohoooos!“

Ich finde Vorfreude generell wunderbar, das Drängen zur Eile bei deren Beendigung in der Regel jedoch nicht. Dass ich kurz ins Bad ging, das war nämlich 9 Stunden und 25 Minuten nachdem ich aufgestanden war. Im Kopf überschlage ich dann still und heimlich im Auto bei „Time Waits For Noone“, dass ich knapp 190mal solange gewartet hatte.

Ohne zu fragen, wann, wie, wo entlang und wohin. Das Jahr ist ja lang.

Es ist herrlich, wenn Wahrnehmungen so verschieden sind! Das ist dann wie wenn der Wind mit schwacher Brise stundenlang von Nordost weht und innerhalb von Sekunden hebt er dann zum Orkan aus Südwest an. Menschen aus den Bergen denken hier aber vermutlich in anderen Bildern.

Zusätzlich hatte ich die falsche Norah Jones-CD mitgenommen, da war „Sunrise“ gar nicht drauf. „Sundown“ von Gordon Lightfoot habe ich mich nicht getraut reinzuschieben. Andererseits wäre das auch nicht aufgefallen.

Am Morgen oder gegen Mittag, ich weiß gar nicht mehr wo, habe ich gelesen, dass „man die Menschen nicht mag, von denen man glaubt, dass sie einen selbst nicht mögen“.

„Ist das so, ja?“, fragt meine beim American Football trainierte Muskelmasse von 90kg gern nach.

„Ist das so?“, frage jetzt … auch ich.

Das ging mir dann den ganzen Tag ergebnislos durch den Kopf, also das mit dem „Glauben des Nichtmögens“.

„Ergebnislos“, das ist für einen Mathematiker deutlich schwerer zu ertragen als für einen Philosophen, … für den ist das nämlich normal!

Generell ist das Gespräch über die Frage „Mögen wir uns oder mögen wir uns nicht und wenn ja warum?“ zu 99% ein gutes. Meta-Ebene und so, kennt man ja seit den 70ern. Meistens stellt sich dann heraus, dass jeder vom Gegenüber dachte, abgelehnt zu werden aber keine anderen Gründe für eine Antipathie hatte.

Allerdings gibt es da auch noch den Rest von 1%. Wenn man nur 50 Menschen kennt, dann ist das ja nur eine halbe Person.

 

Jedenfalls hat mir diese Frage einmal ein Vorgesetzter gestellt. „Gestellt“ ist gut, weil der nebenberuflich vermutlich Fallensteller bei Karl May war.

Und das war wirklich schwierig, es war nämlich keine Frage, es war:

„Sie mögen mich nicht, nicht wahr?“

Was soll man da antworten ohne ganz offensichtlich zu lügen?

„Absolut!“
„Genau!“
„Nein!“
„Doch, doch!“

Alles zu kurz.

„Doch, schon, ich finde ihre Scherze zum Beispiel bei der dritten Wiederholung sogar am besten.“

„Sie persönlich mag ich, aber leider sprechen Sie ja auch.“

„Doch, klar, aber ich wusste nicht, dass das hier eine Kaserne ist.“

Da gibt es ja viele Varianten, die man alle nicht wählt sondern nur so kurz geistig durchdekliniert.


„Ach, wissen Sie, ich glaube, ich mag Sie ebenso wie Sie mich.“


War natürlich wieder typisch. Der Sohn des Vorgesetzten hatte mir beim Grillen gesagt, dass er „zweisprachig aufgewachsen“ sei.

„Deutsch und Zynisch.“

Da wählt man die eigenen Worte mit Bedacht.

So insgesamt denke ich manchmal, dass jemand, der eine Leitungsfunktion übernimmt, diese immer nur auf Zeit bekommen sollte. Dann geht es zurück ins Glied. Das würde manchem gut tun und dem Deutschen vielleicht ganz besonders.

Aber es ist wirklich eine gute Idee, jemanden zu fragen, ob er einen mag oder nicht, wenn man mit diesem ungeklärten Gefühl herumläuft.

Das Risiko, dass es hinterher schlechter ist als vorher, liegt rein statistisch vermutlich bei 1%.

Unter dem einen Prozent finden sich zum Beispiel José Mourinho und Donald Trump. Klaus Kinski hätte man die Frage übrigens auch nicht stellen dürfen. Frau Thatcher ist die einzige Frau, die mir spontan eingefallen ist.

Ein Gedanke zu “Der Neujahrsspaziergang”

  1. gute Gewohnheit, auch das mit dem Kaffee. Und ich lese immer noch.
    Wer wollte es nicht schon mal, dem Chef die Meinung ganz ehrlich sagen. Gelingt einem nicht. Da ist deine Idee mit „wieder zurück in die 2. Reihe“ ganz super. Könnte es in der Politik auch geben.

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar