*Pausen II*
Das Schönste in der Schule waren ja die Pausen. Das sind sie aber nur, wenn man sie draußen und allein verbringt. Ansonsten war es im kleinen Lehrerzimmer für die Raucher und die, die im Geiste Raucher waren, lauter als im Unterricht.
Auch während der Unterrichtsstunden nimmt sich der Lehrer, wenn er klug und effektiv arbeitet, kleine innere Pausen. Sonst hält er nämlich keine 8 Stunden mit bis zu 200 Schülern am Tag durch.
Allerdings versuchen das die meisten im Geheimen.
Besonders schön war für mich immer die Zeit, in der die japanische Kirsche vor dem Hörsaal blühte. Da habe ich dann beim Blick aus dem Fenster manchmal mittendrin das Wort verloren.
Und wenn man dann fasziniert aus dem Fenster blickt und nachfragen muss, was man zuletzt gesagt hat, dann ist das sehr lustig. Das ist es auch deshalb, weil ich gern abgelenkte Schüler fragte, was ich gerade über ‚Niels Bohr‘ erzählt habe obwohl ich den überhaupt nicht erwähnt hatte.
Die Kirsche war sozusagen mein ‚Niels‘.
Wenn japanische Kirschen auch im Herbst und Winter blühen würden, wäre das das ganze Jahr über deutlich entspannter gewesen.
Niels Bohr war genial, aber immer sehr, sehr langsam. Genialität hat nicht zwingend mit Geschwindigkeit zu tun. Heisenberg schreibt, das Bohr die ersten Western im Kino nie verstanden hat obwohl das deutlich einfacher ist als Physik in atomaren Bereichen.
‚Maschinengewehr Natalia‘ habe ich mal unterrichtet, die war furchtbar schnell und gut.
Die konnte eine inhaltlich 30minütige Präsentation auf 12 Minuten einkochen. Dabei ist von Nachteil, dass das dann keiner versteht. Andererseits ist das eben ‚komplett‘, hätte sie gesagt.
Pausen waren für sie sinnlos verbrachte Sekunden.
Dies war eine ihrer seltenen Fehleinschätzungen.
Eine Pause eines Vortragenden stört nur eine einzige Person im Raum, nämlich den, der spricht. Für alle anderen ist sie pure Erholung. Darüber sollte man vor jeder Rede und jedem Vortrag am längsten nachdenken.
Gesprächspausen kann mancher ja nicht mal zu zweit ertragen. Das ist schade. Das passiert mir auch.
Und wenn Ihr Euch jetzt fragt, ob sich das hier etwas langweilig liest, dann habt ihr Recht.
Aber ihr habt genau das Richtige gemacht in diesen unruhigen Zeiten:
Pause.