Pausen

*Pausen*
„…. time is an enemy …“

Das singt Dylan so schön in „Up To Me“, einem Outtake von ‚Blood On The Tracks‘, und er zieht natürlich das „enemyyyy“ sehr quälend lang nachdem er das „time“ zart umgarnt hat.

Und das ist nicht falsch, doch ist die Zeit der Feind nur auf sehr lange Sicht. Auf kurze Distanzen ist sie einer der besten Freunde des Menschen.

Werbepause.

Das ist die schlimmste aller Pausen, weil sie gar keine ist, sondern noch lauter, schneller und lärmender daherkommt als das Davor und das Danach.

Was folgt, ist ein Loblied auf die Pause auf tonlose Art. Pausen sind keineswegs das Nichts. In Pausen passiert häufig viel mehr als im wilden Getümmel! Es ist dabei nur leise und jeder hört es anders.

Es gibt Musik, die stoppt und trotzdem im Ohr weiterlaufen kann, sozusagen in der Stille obwohl sie gar nicht da ist, die Musik. Das für mich schönste Beispiel dafür ist „Hard Rain“ von, klar, Dylan 1976, dem zweiten Teil der Rolling Thunder Revue.

Klänge ohne Töne.

Wilco, die für mich immer junge Kapelle, die beste der Welt, wie ich gern sage, beherrscht das heute auch.

Es gibt Filme wie „Paris, Texas“, die hauptsächlich aus Augenpausen bestehen und trotzdem nicht langweilen, wenn man sich darauf einlassen mag. Ob ein heute Junger das auch so sähe?

Man weiß es ja nicht.

Merkwürdigerweise geht es mit mit einem alten Tatort nicht so gut aus obwohl bei denen Pausen und Gemächlichkeit zur Entwicklung der Figuren dienten. Der Film mag gleich geblieben sein, das Auge des Zuschauers könnte sich verändert haben und mehr Bewegung oder schnellere Schnitte verlangen. Man schafft’s nicht über die volle Distanz. Warum?

Wer weiß das schon?

Helmut Schmidt-Pausenkönig!
Wer kann heute an den genau richtigen Stellen noch an einer Zigarette öffentlich ziehen? Wer kann an der entscheidenden Stelle eines Satzes die Ruhe für einen Schluck aus der Kaffeetasse aufbringen?

Fällt Ihnen eine Person des öffentlichen Lebens ein, die das kann? Außer Bob Dylan natürlich, der macht Pause bei der Verleihungszeremonie für den Literaturnobelpreis. Ich glaube ja, der hatte da lediglich schon einen Pausentag geplant.

Der Feind der Pause, das ist die Eile. Und bevor man über die nachdenkt, braucht man unbedingt ’ne Pause.

Große Pause.

„Kaffee?“

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