*Belastungsgeschenke*
Lara von der Stammtankstelle bekommt ja immer ‚Mon Cheri‘ von einem ihrer zahlreichen Benzinkonsumenten. Der, der ihr das schenkt, kauft für sich selbst oft ‚Rafaello‘, das sind diese weißen Kugeln mit Kokosraspeln.
Ich kenne nur diese grauenhafte Werbung mit den Menschen in Weiß und roten Lippen unter blauem Himmel.
Schon deshalb käme ich nicht auf die Idee, ‚Rafaello‘ zu probieren. Wäre die Reklame wie die von Campari in Schwarz und Weiß, hätte ich die bestimmt auf dem Einkaufszettel notiert.
Die reich und alkoholisch beschenkte Lara also hasst ‚Mon Cheri‘, aber sie liebt „Rafaello“. Man weiß natürlich nicht, ob ‚Rafaello‘ zufällig auch der Name eines ihrer ‚besten Freunde‘ ist. Sie hat relativ viele ‚beste Freunde‘, aber nur einen ‚Mon Cher‘.
Man weiß es ja nicht.
Jedenfalls hat sie die ‚Mon Cheri‘ immer weiterverschenkt. Das war nicht so einfach, weil die meisten Leute die auch nicht mögen. Ich selbst bin ganz froh, dass sie mir andere Sachen schenkt, weil ich sonst auch jemanden suchen müsste, der diese Alkoholpillen mag.
Meine Mutter hat mir früher auch oft Sachen geschenkt, die ich nicht so gut brauchen konnte. Mit 16 ist ein Regenschirm als Mann zum Beispiel unbrauchbar und peinlich. Dazu noch ein ‚Knirps‘! Wäre es wenigstens ein schwarzer Stockschirm gewesen, man hätte ihn ja zum Aufstützen verwenden können.
Oder weinrote Hosen und Pullover. Ich würde niemals etwas in Weinrot anziehen. Als Getränk hingegen finde ich die Farbe mittlerweile einmal im Monat durchaus kleidsam.
Schenken andere Mütter ihren fast erwachsenen Söhnen eigentlich auch tuckige Herrenhandtaschen?
Alles nie benutzt, aber man ist ja bei Geschenken zurückhaltend mit Kritik. In der ledernen Herrenhandtasche habe ich eine Sammlung von Audiokabeln verwahrt. Die fanden es schön im teuren Leder.
Meine Mutter selbst war ja auch zurückhaltend mit Kritik an Geschenken. Damals vor 40 Jahren hatten wir nämlich eine Putzhilfe, die einmal pro Woche kam. Die häkelte wirklich viel und gern. Da gab es Kissenbezüge und Blumenampeln und vieles mehr, alles aus ihrer Fabrik vor dem Fernseher auf dem sie Wim Thoelke liebte.
Der hat vielleicht sogar selbst gehäkelt.
Diese Produkte hat sie dann meiner Mutter zum Geburtstag mitgebracht oder zu Weihnachten. Meine Mutter war verbal immer ganz hingerissen wegen der Kissenbezüge in den scheußlichen Farben und wegen der langen Blumenampeln mit den vielen Troddeln.
„Ach, wie wunderschön! Die hängen wir in den Durchgang zum Esszimmer!“
Da sah man die auch nicht so.
Wir aßen ja in der Küche.
Jedenfalls wurden alle Geschenke mittwochs am Morgen im Haus verteilt bevor die Putzhilfe die Tür aufschloss.
Nachdem die ältere Dame gegangen war, wurde alles wieder in den Karton hinter der Schrankwand im Schlafzimmer im ‚Anbau‘ geworfen.
Eigentlich wäre selbst wischen und saugen weniger anstrengend gewesen. Aber dann hätte die Häkeldame keinen Nebenjob mehr gehabt.
Es ist nie so einfach wie es scheint.