*Wer die Regeln macht, hat schon verloren*
….. das hat Alissa kürzlich nebenbei gesagt, leider habe ich aber den Zusammenhang vergessen. Einen Zusammenhang zu vergessen, kann auch gut sein, weil man so unbeeinflusst über einen prägnanten Satz nachdenken kann. Das könnte man auch schon zu einer Regel erklären.
Beim Fußball hat zum Beispiel der Schiedsrichter immer verloren, weil sich meistens eine Mannschaft in mindestens einer Spielszene benachteiligt fühlt, die dem Spiel einen anderen Verlauf hätte geben können. Wer die Einhaltung von Regeln überwacht, kann nie bei allen Sympathien gewinnen.
Das Problem mit den Regeln könnte sein, dass einer sie macht und ein anderer sich daran halten soll. Dummerweise habe ich für mich selbst einige Regeln. An denen ist das beste, dass ich sie nicht immer einhalte. Zum Beispiel kann ich das für das Wochenende geplante Aufräumen problemlos wochenlang verschieben. Hält man aber die Regel mit dem „Am Wochenende sortieren“ nicht ein, hat man wochenlang ein schlechtes Gewissen. Daher ist es wieder gut, wenn man gar keine Regel aufstellt.
Mein Hund zum Beispiel, der macht manchmal die Regeln. Der will immer Stöcke apportieren und das bitte zwanzigmal. Meistens sage ich nur, dass er einen suchen soll und wenn er einen gefunden hat, dann werfe ich den auch. Abbrechen kann ich das auch, dann trägt er das Wurfgerät bis nach Hause.
Heute habe ich seinen langen Stock aber zum Schluss in die Büsche geworfen, der ist mir beim Wurf wegerutscht. Dann heult der vor den Büschen und ich rüttele an den Zweigen, weil er keinen Alternativstock will sondern seinen eigenen.
Da kommt man sich als Mensch schon etwas untergeordnet vor. Und genau das ist das wesentliche Problem mit Regeln, dass man sich unterordnen muss. Und meistens muss man für eine Alternative diskutieren. Jedenfalls mit Menschen. Den Hund muss man nur anleinen. Das ist bei Menschen schwieriger, wenn die eine Regel durchsetzen wollen.
Oder Maria, die hatte einen winzigen Yorkshire-Terrier, dessen Haupthaar oben mit einem Schleifchen festgehalten wurde. Dann musste sie einen Job mit viel Fahrerei beginnen und der Hund blieb meistens bei ihrem Freund. Zum Schluss hatte der gesagt, dass sie den Kleinen am Wochenende nicht mehr mitnehmen kann, weil der dann gar nicht mehr weiß, wo sein Zuhause ist.
Jetzt sehe ich ihn manchmal morgens im Park. Er wiegt 105kg, besteht aus reiner Muskelmasse, ist knapp zwei Meter groß, trägt Glatze und Vollbart zu seinen schwarzen Klamotten. Und dann tappst neben ihm ein 3kg-Hund. Das ist ein Beispiel für einen schönen Regelbruch. Er wirkt durch den Hund nicht bedrohlich sondern sanft wie ein junges Lamm. Er wird auch öfter von Frauen angesprochen. Allerdings lässt er die Schleife weg, sonst wären das vielleicht Männer.