Vom „Bösen“ bis zum „Himmel“

Vom „Bösen“ bis zum „Himmel“

– Auftragsarbeit für meine Bücherei


Wieder war ich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in der besten Bücherei der Welt.

Warum? Später!

Ich habe jetzt nämlich einen ’superduper‘ Parkplatz, nur 200m entfernt. In der Innenstadt! Von einer „Pfandleihe“ bis zum Marzipangeschäft mit dem allerbesten Marzipan in dieser Stadt kann man kostenlos 24 Stunden täglich parken. Legal.

Ein Wunder.

Und das kam so:

Kürzlich traf ich dort nämlich die allerbeste Mitarbeiterin des Ordnungsamtes beim Verlassen ihres privaten Kleinwagens an. Mit weißem Shirt, passend zum Auto, und in Jeans und halbhohen, schwarzen Stiefeln. Sie sah noch besser aus als in Uniform mit schussfester Weste. Wir kennen uns seit 20 Jahren. Früher schrieb sie einen Gruß mit aufs Ticket, wenn sie mich an falschem Ort erwischte.

Aber nun erwischte ich sie!

„Halt, da werde ich Ihnen sofort ein privates Ticket ausstellen, hier dürfen Sie nicht parken!“

Selbstsicher lächelte sie zurück:
„Nein, ich spare hier täglich 8€ an Parkgebühren. Wegen der Baustelle wurde das Parkverbotsschild abgebaut, aber die haben vergessen, das wieder anzuschrauben. Habe ich schon mehrfach angemahnt!“

Deshalb parke da jetzt auch ich.

Kostenlos. Irre.

Das ist besonders praktisch, weil ich immer 100 Medien aus der Bücherei ausgeliehen habe und die alle 3 Monate vorlegen muss. Leser bin ich ja seit 50 Jahren, die MitarbeiterInnen sind alle deutlich jünger als diese 50 Jahre.

Die wachsen dort „mit mir auf“, dem schwierigsten Leser.

– Pausenunterhaltung Beginn

Vor zwei Jahren hatte ich „Das Böse in der menschlichen Existenz-Die Faszination von Franz Kafkas Erzählungen“ als Wunsch zum Erwerb eingereicht. Das war dann drei Monate später schon auszuleihen. Ich hatte es vorher gelesen, wollte aber dem Autor ein Foto mit seinem Buch im Bücherei-Regal senden.

Damals war ich erst 48 Jahre „Leser“.

Jetzt wollte ich gern „Der Himmel ist nicht genug-Wissenschaft ist die beste Religion“ lesen, also reichte ich auch diesen Wunsch ein. Das kostete als wissenschaftliches Taschenbuch 29,99€.

Und es ist ein POD-Werk. Das ist Englisch.

Auf Deutsch heißt das „Print On Demand“.

Ich dachte, das wird nichts und bestellte es privat bei Michele, dem Eigentümer meiner Buchhandlung. Fünf Tage später bekam ich es, sehr lesenswert.

Und nochmals fünf Tage später hatte es meine Bücherei mir zusätzlich auch schon zurückgelegt.

Fertig inventarisiert und ausleihbar.

Es hat Vorteile, wenn man 50 Jahre Leser ist.

– Pausenunterhaltung Ende



An „100“ muss ich alle MitarbeiterInnen gewöhnen, an 90CDs im Karton und 10 Bücher in einem Stoffbeutel.

Ich gebe alles mit meiner Lesekarte ab und hole zwei Stunden später wieder ab, damit ich dort mit „Masse“ nicht inkommodiere und den Betrieb aufhalte.

Außerdem bellt der Hund draußen. Und der, der über der „Linken“ gegenüber wohnt, beschwert sich schnell. Sehr schnell.

Nach 30 Sekunden.

Ich habe ihn gefragt, warum er nicht in einem Dorf auf einem einsamen Resthof wohnt.

Ohne Parteibüro.

Ja, „Das Böse in der menschlichen Existenz“ ist auch mir nicht ganz fremd.

Der Hund darf nicht in die Bücherei. Der hat keine Lesekarte.


Dieses Mal hat mich beim Abgeben „Signora Bicolore“ betreut. Leider kann ich mir ihren nordischen Nachnamen nicht merken und habe schon mehrfach nachgefragt „Paula, wie heißen Sie hinten nochmal?“

Frau Kunz zeigte mir dann gestern aus 10m Entfernung einen Mittelfinger, weil ich ihren Kleidungsstil -vermutlich zu laut- lobte.

All dies schreibe ich „i.A.“ -im Auftrag-, weil ich gebeten wurde, „endlich mal wieder über die Bücherei zu schreiben und *uns* zu loben“.

Dem versuche ich hier nachzukommen, trotz des gestern in Rot lackierten Mittelfingers.

Ich bin ausgesprochen resilient, zumindest in dieser Bücherei. Ein gut lackierter Mittelfingernagel verändert die Intention einer Geste nicht, aber meine Reaktionen grundlegend. Isso.

Als ich „meine“ Musik und „meine“ Druckwerke wieder abholte, wurde mir von einer dunkel bebrillten, dunkelhaarigen, bislang namenlosen Dame mitgeteilt, dass das zukünftig „so nicht geht“.

Ich solle mit „kleineren Mengen“ mehrfach erscheinen. „Ab jetzt? Nach 50 Jahren?“ rutscht mir dann sofort über die lächelnden Lippen.

Leider.

Das fand ich sehr amüsant, weil ich dann ja noch öfter dort herumnerven könnte. Andererseits hat sie mich aber nicht angelächelt und ihren Wunsch als „Bitte“ übermittelt.

Es hatte etwas von einer Kaserne, entfernt nur.

Es ist nicht verboten, 100 Medien auszuleihen.

Sie machte eher „einen auf weiblicher Putin“, voll KGB-alike, die Mrs „Njet“.

Das ist etwas hart ausgedrückt, aber in 20 Jahren habe ich sie noch nie bei einem leichten Schmunzeln erwischt.

Ganz anders als meine liebste „Politesse“.

Vielleicht können die die Jobs tauschen?

Wenn das nicht klappt, erarbeite ich mir in den kommenden Jahren ein erstes Lächeln.

„Der Himmel ist nicht genug“, die schwersten Fälle sind mir die Liebsten.

Das mit dem „Warum“ erkläre ich doch lieber nicht. Sie hatte ohne zu lächeln drei Fehler gemacht.

Drei.
An einem Tag.
Bei mir.
Ohne alles.

Wunderbar!

Und deshalb musste ich heute nochmal.

–
„peace, tranquility and good will“

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