



















Auf die Nerven
Ja, manchmal geht man anderen Menschen richtig „auf den Sack“, wahrlich.
Ich bin in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel, zugegeben.
Sind denn andere anders?
Gestern haben wir an einer Straßenecke einen Rotwein gekauft, von Francesco, einem alten, italienischen Bauern, fast so alt wie Franziskus, Gott hab‘ ihn selig.
Er hat einen 504er Peugeot. Weiß. Früher.
Der war so nett, er hat uns seine 2023er Weine gezeigt, die er noch selbst gekeltert hat und den Roten hat er empfohlen, für nur 4€.
Das Etikett mit seinem Foto und seiner Enkelin ist wunderbar.
Das Lächeln von der ist echt schön.
Aber den Wein kann man nur zum Entfernen des Kalkes am Wasserhahn benutzen, der schmeckt nach Essig.
Und jetzt geht mir Francescos Freundlichkeit im Nachhinein so auf den Sack, dass ich schon überlege, ihn auf ein Glas einzuladen. Nicht zu klein, sein Glas, meines schon.
„Ich muss ja noch fahren“.
Das kleine Luder.
Soll ich mich beschweren?
Nein, doch nicht bei 4€, da lade ich ihn viel lieber ein, unter der Sonne Italiens!
Ich bin eben voll nett.
Ich nehme die angebrochene Flasche mit und dann proste ich ihm zu, immer wieder, so der Plan.
„Du bist fies“ sagt meine Frau.
Der Francesco wird mir länger im Gedächtnis bleiben als sein Rotwein, der in der Küche steht.
An sich macht der das gar nicht so falsch, der lächelnde Alte. Also besser als Rex Gildo allemal, denn nachhaltig ist sein Essigstand schon.
Hossa!
–
Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann das auch, das Nachhaltige.
Und zwar oft.
„Du, wo ist eigentlich die Schuhcreme?“ rufe ich laut aus dem Keller in die Küche.
Dann ruft sie laut von oben zurück „Bei den anderen!“
Das macht die extrem oft.
„Hast Du meine Schwämme gesehen?“
„Bei den anderen!“
So schafft sie es, dass ich nachdenke statt zu fragen. Ich frage nie nochmal, ich suche weiter. Darauf zielt sie ab.
Jedes Mal!
Ich möchte diese Technik Frauen anraten, deren Männer unter einer leichten Desorientierung leiden oder die zu viele Fragen stellen.
Sie hat das Verfahren von der Gattin ihres Ex-Präsidenten kopiert, also ein Copyright hat nur die selige andere Gattin auf den Text.
Drei Worte können wie drei liebevolle Ohrfeigen sein.
Also der netteren Art.
„Bei den anderen!“
Sie rächt sich so auch für meine absichtlichen Fehler.
Zum Beispiel erzähle ich gern, wie schön „Senil“ in Andalusien ist. Da haben die die Häuser im Tal unter Felsvorsprünge gebaut.
Wenn man hinten im Haus das Bad hat, dann lehnt sich die Toilette direkt an eine rauhe Felswand.
Klar, Bilder hängen da nie gerade.
„Setenil!“ korrigiert sie mich dann sofort und nachdrücklich.
Jedes Mal!
Oder:
Ich schnalle mich im Auto seit 27 Jahren immer hinter der ersten Kurve an, immer.
Das sind 200m vom Haus.
Natürlich piept das blöde Ding dann schon.
Und jedes Mal, wirklich immer, sagt meine Frau kurz vor der Kurve:
„Schnall Dich bitte an!“
Seit 27 Jahren. Tausende Male. Es nervt. Tierisch.
Warum wartet sie nicht? Es sind 5 Sekunden! Dann muss sie mich nicht erinnern.
Ich sage immer, wirklich immer:
„Ja, nach der ersten Kurve!“
Es ist ein Ritual.
Niemals würde ich mich früher anschnallen. Nicht einmal allein im Auto. Ich höre sie trotzdem.
–
Heute wollen wir zum Markt in „Demenzano“.
Oder so ähnlich.
Sie wird mich korrigieren, auch die kommenden Jahre.
Jedes Mal!
Ich wollte nur kurz schreiben, wie „Ehe“ geht.
„Du, wo sind meine Socken?“
„Bei den anderen!“
–
„peace, tranquility and good will“