Die dritte Bibliothekarin

Die dritte Bibliothekarin

Ja, ich kenne seit Jahren die Mahnabteilung in der Bibliothek, die sich bescheiden ‚Stadtbücherei‘ nennt. So ist der Norden. In München wäre es eine ‚Staatsbibliothek‘.

Wenn man, wie ich, fehlerbehaftet ist, dann ergibt sich so ein lockerer Kontakt zu Frau Kunz und Mrs. Bruce.

Oft muss ich nur für 3 Minuten in die beste Bücherei der Welt. Wenn ich dann wie üblich den kleinen, schwarzen Hund an der Leine habe, gilt es ein Problem zu lösen:

Hunde dürfen da nicht rein.

Aber draußen werden Hunde in dieser Stadt gern mitgenommen, vor Supermärkten und auch vor Büchereien.

Draußen anbinden kann ich ihn also nicht.

Ich frage dann Touristen oder jemanden -der oder die, meistens eher die- der oder die die Bücherei gerade verlässt, ob sie kurz den Hund beaufsichtigen können.

Kompliziert, ja, nicht nur der Satzbau.

Ich gebe dann etwas Leckeres in einer Dose zum Hund dazu. Für den Hund, nicht für die Zweibeiner. Dann bleibt er ruhig und heult nicht.

Selten kommt aber keiner, dann ignoriere ich das riesige Schild mit dem Hundeverbot und binde ihn gleich neben der Eingangstür an die Heizung. Das geht eigentlich nicht, das ist ja schon „drinnen“, hinter dem Schild mit dem roten Kreis.

Wenn ich dann an der Ausleihe stehe, dann jault er schon, er sieht mich dort stehen und ruft mich ungeduldig.

Dann regen sich die an der Ausleihstelle auf:

„Wieder jemand der nicht lesen kann! Können die ihre Tiere nicht zuhause lassen?“

Ich versuche das dann zu toppen mit:

„Unfassbar, warum kommen hier Analphabeten in die Bücherei? Hundebesitzer sind sowieso das Allerletzte! Vor allem in der Stadt!“

Dann mahnen sie mich schnell und zu Recht zur Mäßigung, ich rege mich einfach zu schnell auf.

„Hunde haben in einer Kultureinrichtung nichts zu suchen“, schließe ich das Thema ab.

Andererseits weiß ja keiner, dass es mein eigener Hund ist, der da jault. Das ist das Pfund mit dem ich in Worten wuchere.

Frau Kunz und Mrs. Bruce arbeiten ja auf der Straße, nein, also an der Straße, hinter ihren beiden Fenstern. Die bekommen das alles gar nicht mit, zum Glück. Die achten sehr auf die Einhaltung der Bücherei-Regeln, ich konzentriere mich eher auf den Bruch derselben. So scheint es vielleicht.

–

Gestern war ich aber ohne Hund in der Bibliothek, es waren zuviele CDs und Bücher, die ich zurückgeben musste. Und das geht mit Hund nicht, der will überall schnüffeln, aber ich kann die Kiste nicht so lange tragen, wie der die analoge Hundezeitung lesen will.

In der großen Halle sprach mich dann die „Dritte Bibliothekarin“ an. Die ist oft an der ‚Front‘ in der Ausleihe beschäftigt. Wir kennen uns jetzt besser. In Zukunft nenne ich sie hier meine ‚Hundethekarin‘.

Nein, sie heißt nicht ‚Karin‘.

Sie heißt ‚Thekla‘, aber das war mir zu dicht an ihrer Tätigkeit, um es öffentlich zu schreiben.

Sie hat immer tolle, geschmackvolle Kleidung, gern in Schwarz und Weiß, eine markante, dunkle Brille und einen hochpräzisen Haarschnitt ihres blonden Haares mit Highlights. Wir hatten uns schon einmal über Klassentreffen im Allgemeinen unterhalten. Das war vor mehreren Jahren. Den Zusammenhang habe ich vergessen.

„Ich habe Sie neulich gesehen!“, sprach sie mich leise auf dem Weg zum Fahrstuhl an.

„Warum haben Sie mich nicht angesprochen?“

„Das ging nicht, ich saß im Bus. Aber Sie haben ja einen Hund, so einen schwarzen! Das wusste ich gar nicht!“

„Ja, das stimmt! Aber das dürfen Sie jetzt niemandem hier erzählen, bitte! Ich binde ihn manchmal drinnen an und alle beschweren sich, wissen aber nicht, dass es mein Hund ist, der da jault! Kann ich mich auf Sie verlassen?“

„Aber selbstverständlich! Ich schweige! Aber ich muss weiter mitschimpfen, wenn Ihr Hund bellt oder jault!“

„Ja, gern! Ich bitte Sie sogar darum!“

Jetzt weiß ich gar nicht mehr, welche Bibliothekarin ich zuerst besuchen soll.

Mit Hund.

Die „Kaiserliche Mahnungsvollstreckerin“ kann ich nicht fragen, denn die „KM Dorothea Freifrau von Kunz“ hat schon „vier Beine“.

„Zwei von Roland Kaiser und die zwei von meinem Mann“, das sagte sie als ich einmal fragte, ob sie Haustiere habe.

Die Reihenfolge fand ich erstaunlich.

Danke, Thekla, meine Hundethekarin!

Auf gute Zusammenarbeit!

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„peace, tranquility and good will“

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