





Lüge und Wahrheit
Wir, also meine alte Familie, hatten in den 70er Jahren Freunde in Stuttgart. Ich mochte den VfB mit Hitzfeld und Ohlicher, aber Stuttgart in diesem im Sommer windstillen, heißen Kessel mochte ich nicht, außer der Sybille.
Die war doppelt so alt wie ich, so um die 30, und hatte schwarze Haare, also minimal ins Bräunliche spielend. Allerdings hatte sie in Wirklichkeit die Haare von Winnetou, nämlich in einem unfassbaren Blauschwarz. Niemand hat ihr je geglaubt, dass das ihre echten ungefärbten Haare sind. Niemand.
Das hat die ziemlich genervt, dass sie wiederholt der Lüge bezichtigt wurde, wenn sie sagte, dass das ohne Chemie so ist. Irgendwann färbte sie ihre blauschwarzen Haare dann immer in dem leicht bräunlichen Schwarz über. Von da an glaubten ihr alle.
Menschen sind merkwürdig, wenn es um die Wahrheit geht.
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Am letzten Wochenende war ich wieder im Süden, bei Bayreuth, ich hatte dort etwas abzuholen, damit ich endlich mal aus weißen Lautsprechern Musik hören kann. Ich hatte noch nie weiße und wollte wissen, ob das anders klingt, besonders im Wohnzimmer, da war nur so eine unsägliche BlueTooth-Kiste, die ich nicht bedienen wollte. Eine gute Kiste aus einem Abverkauf, aber auch die guten haben keinen echten Körper.
Man muss übrigens ziemlich dämlich sein, wenn man von Norden kommend über Berlin und Leipzig nach Bayreuth fahren will, wenn dort EM-Spiele stattfinden.
Ich bin ziemlich dämlich.
Das schwedische Auto war ich vorher noch nicht gefahren, wochenlang. Es kann ja mehr als ich, das widerstrebte mir. Und dann? Handy laden ging nicht, kein CD-Player, kein Anschluss für den iPod, eine echte Prüfung auf 1700km. Handy verbinden konnte ich nicht, ist kompliziert für Menschen aus dem letzten Jahrtausend.
Radio ist auch nicht mehr, was es mal war.
Dieses eingebaute Google hat mich auch die ganze Zeit belogen, zum Glück hatte ich das alte Germin-Navi an die Scheibe gepappt, das wusste von den Staus, aber Google war genauso dämlich wie ich.
Man muss den großen „Playern“ nicht blind vertrauen, manchmal hat die garminsche Kleingruppe fachlich die Nase vorn, das ist eben wie immer mit Leuten „vom Fach“.
Gegen Mitternacht wollte ich dann in das 20km entfernte Gästehaus, das lag auf einem Berg im Fichtelgebirge. Ich hatte eine tolle Beschreibung, wie ich an den Schlüssel komme, links ums Haus, dann die Treppe hoch und dann war der Safe direkt neben der Tür, ganz einfach. Das Haus war weiß, hatte ein schräges Dach und Balkone in dunklem Holz.
Der Weg war schmal dort hoch auf den Berg, unbeleuchtet und es schüttete aus Kübeln.
„Ihr Ziel liegt rechts. Sie haben Ihr Ziel erreicht!“, sagte Anna von Garmin im Auto.
Das ist keine Adlige, das ist die Garmin-Stimme, ich stelle immer Frauenstimmen ein, manchmal auf Englisch, wenn ich Anna gerade nicht mehr mag. Männer haben solche Phasen. Dann ist es schön, wenn man die Britin Sarah einwechseln kann.
In der Realität ist das nicht so einfach.
Diese steilen, dunklen, unbefestigten Wege den Berg hinunter wollte ich nicht zum vermuteten Parkplatz fahren, es war fast nichts zu sehen. Wenn einem dann Kühe entgegenkommen, ist man am Arsch.
Und es goß in Strömen, bei der Kirche fand ich einen Busparkplatz und so ein Volvo fährt wie ein Bus, der nimmt einen mit und dann sitzt man da wie in der Bahn und hat nicht viel zu tun.
Ich hatte meine Tasche in der linken Hand, über der rechten Schulter die mit den wichtigen Dingen und den Schirm hatte ich auch rechts, ich hatte nur die nässeempfindliche Ledertrachtenjacke dabei. Im Mund noch die Pfeife. Nach 30 Schritten waren die Lederschuhe nass. Ganz übel.
Eine Szene wie aus „Aktenzeichen XY“.
Das weiße Haus konnte ich gut sehen, aber es gab kein Licht, links durch das Tor, dann über den Rasen um das Haus. Da stand eine Leiter, hoch zu einer Terrasse mit einer Tür. Die wollte ich mit den Taschen nicht nehmen, mit Schirm auch nicht. Ohne Tasche ging es auch nicht, die hätte ja die Pfützen aufgesogen.
Also nochmal um das Haus, da war dann noch eine Leiter aus Holz. Die sind dort katholisch, vielleicht wollen die mit Leitern näher zu Gott.
Ich nicht, ich wollte nur schlafen.
Keine Treppe, nach der Umrundung entschied ich, dass das Haus doch das falsche war, ich machte einen Feuchtgang zu anderen Häusern auf derselben Straßenseite.
Alle weiß mit dunklen Balkonen. Die könnten Gästehäuser echt mal gelb anmalen. Die Pfeife war ausgegangen, aber ich hatte ja keine Hand frei.
Dann musste ich an die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, in ihrem trockenen, warmen Bett denken und verfluchte Franken und Richard Wagner.
Dann kam ich auf die Idee des Einsatzes meines Mobilgerätes! Meine Frau guckt da im Urlaub immer drauf und geht den Punkten nach. Ich gehe dann meiner Frau nach. Vorne die Google-Punkte, dann sie, dann ich.
Erstmal wusste ich nicht, wie man den Punkten folgt, ich frage immer Menschen nach dem Weg, aber da waren ja keine. Nach zwei Richtungswechseln ging es.
300m entfernt auf der *linken* Seite der Straße stand dann plötzlich ein beleuchtetes, schönes Haus mit englischem Rasen, da war ich vorbei gefahren. Oder die hatten es schnell gebaut, für mich.
Anna von Garmin kann man auch nicht mehr trauen. Jedenfalls nicht auf Bergen in Bayern. Aber Anna macht das mit dem „Lügen“ nicht mit Absicht, die weiß es einfach nicht besser.
Das ist der Unterschied zu Beatrix von Storch, die hat zwar den „Beat“ im Namen, aber keinen in Herz und Hirn.
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„peace, tranquility and good will“
*schmunzel*
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