





Problemfälle Pt 1: Meine Milch
Doch, es gibt viele Gründe, auf ein Land „stolz“ zu sein. Ob nun „Stolz“ der schönste Begriff für ein Gefühl ist, darüber kann man trefflich streiten.
„Die WELT“ titelte heute so, beim Bäcker.
So ein richtig echtes, warmes „Wohlfühlgefühl“, das kennen wir vielleicht gar nicht, es gibt auch genug Gründe, warum wir das nicht haben oder nicht haben sollten.
Zuviel Selbstbewusstsein ist auch nicht gut, das sieht man gerade bei Bayern München.
Wir sind kritisch, das ist nicht so schlecht. Ist man aber wiederum zu kritisch, mit nahezu allem, dann will man ein Land gar nicht wirklich „verbessern“, dann will man es vielleicht „haben“, „anders haben“ oder für „andere“ anders haben oder für sich selbst.
Oder man meint, von „Unruhe“ zu profitieren, das glauben unter Umständen die ganz großen Egoisten auf den Seitenbahnen auf Links- und Rechtsaußen. Solange man meint, aus „Unruhe“ Profit zu schlagen, hat man nicht das geringste Interesse an „Verbesserung“.
Was ist ein Motiv für „Unruhe“?
Das klingt verschwurbelt, so soll es auch! 🙂
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Ehem, was wollte ich gerade?
Ah, die Milch.
Früher, also in den 60ern, da gab es verschiedene Händler, die mit unterschiedlich großen Transportfahrzeugen regelmäßig einmal wöchentlich in unserer Straße hielten:
Es gab den „Gemüsemann“, den „Eiermann“, den „Fischmann“ und den „Eismann“, also den mit dem Speiseeis, nicht den anderen. Bei Stammkundinnen hielten die auch direkt vor dem Haus der Damen.
Eine klare, einfache Struktur:
Männer verkaufen Nahrungsmittel, Frauen kaufen für ihre Familien ein.
Fast wie früher, als der Jäger von der Jagd zurückkam. Heute jagt er das Geld. Weniger „blutig“ ist das manchmal auch nicht, trotz fleischloser Ernährung. Fleisch isst man ja heute mit schlechtem Gewissen, manchmal. Mir tun die Tiere leid, besonders für ihre Lebensbedingungen und die grausamen Transporte. Aber ich tue mir selbst auch leid, wenn da nur Gemüse neben diesen „Pommes“ liegt. Oder neben einem Ei, gerührt und nicht geschüttelt.
Da fühle ich mich wie im Kloster.
Sündenfrei, aber auch lustlos. Natürlich kann man auf Erlösung hoffen, was aber, wenn es die gar nicht gibt? Die Wahrscheinlichkeit für „Erlösung“ ist gering, der mögliche Gewinn jedoch „unendlich“, nur deshalb lohnt sich, vielleicht, der Gang ins Kloster. Die Vermeidung des Klosters „rechnet“ sich vor allem dann, wenn man im Kloster vergeblich auf Erlösung hofft. Das weiß aber keiner.
Ach, und es gab den „Milchmann“, der die „Vorzugsmilch“ brachte und in Glasflaschen vor die Tür stellte, wenn jemand nicht zu Hause war, aber eine feste Liefermenge abgesprochen hatte. Dann wurde eben in der folgenden Woche bezahlt. Die leeren Flaschen stellte man vor die Tür, dies stand bei Abwesenheit auch für die gewünschte Menge bei der Nachlieferung. Die Flaschen waren dick und schwer, ein großartiges Behältnis von hoher Qualität und Stabilität.
Mit der naturbelassenen Milch konnte man auch Sauermilch herstellen!
Später gab es die Milch im Supermarkt in Plastikschläuchen, eine wabbelige Angelegenheit, die ein Kunststoffbehältnis zur Aufbewahrung des geöffneten „Schlauchs“ erforderte.
Alternativ konnte man die Vollmilch auch in eine Glasflasche umfüllen. Also musste die Milch dann schon einmal „umziehen“, im weitesten Sinne. Zwei Behälter statt einem, das produzierte erstmals Abfall bei der Milch und erhöhte das Volumen des abzuspülenden Materials.
Man konnte sich nach Angabe des Milchmannes auf diese Schläuche „setzen“ ohne ein Platzen befürchten zu müssen. Dies hat meine Mutter, kritisch wie sie war, ausprobiert, auf dem Fußboden der Küche, ein echter Stresstest für einen „Milchschlauch“.
Ich glaube, eine „Platzwunde“ des Schlauches wäre der bestmögliche Ausgang des Experimentes für sie gewesen. Sie hatte die Stabilität angezweifelt und hätte große Freude an einer Bestätigung gehabt.
Menschen lieben es, wenn sie Recht behalten.
Zu dieser Zeit hätte man viele Aktien von Tetrapak kaufen sollen, wenn es die damals schon gab. Tetrapak war der Sohn des Schlauches, zunächst mit einer Faltverpackung, die man nach dem Öffnen senkrecht verwahren musste.
Vor Jahren stellte Tetrapak dann auf Schraubverschlüsse um, die den „unpraktischen“ Faltmechanismus ersetzten. Nun konnten Milchverpackungen wieder im Kühlschrank schlafen wie früher die Glasflaschen. Zunächst hatten die aber auch nur weiße, lose Plastikkappen, zugegeben.
Seit Kurzem lässt sich die Verschlusskappe nicht mehr komplett entfernen, vermutlich eine neue Vorschrift für die Herstellung.
Menschen, die das studiert haben, sind immer in der Lage, die mit der Packung verbundenen Kappen gerade aufzusetzen und zuzudrehen, die Verbindung zwischen Behältnis und Kappe ist etwas zu kurz geraten, wenn man sich damit nicht eingehend beschäftigt, dann hat man „Probleme“.
Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann das. Aber ich mache das Frühstück und räume auch wieder ab.
Menschen, die die Umwelt versauen, werfen solche Milchtüten ins Gebüsch. Aber die sind faul und sie haben kein Gewissen. Die sind auch zu faul, Behältnis und eine lose Kappe einzeln, also zweimal zu werfen, die drehen auch zu und werfen einmalig, vermute ich.
Der Aufwand des Werfens ist nämlich höher als der für das Zudrehen.
Menschen neigen in diesen Fall aus Faulheit zur Optimierung ihres Bewegungsverhaltens.
Ich schüttele Milchbehältnisse und Saftflaschen vor dem Öffnen, es ist so ein sportliches Ritual bei mir.
Unnötig, sicher.
Fast jedes Mal muss ich danach den Boden wischen oder einen nassen Teller auf dem gedeckten Tisch reinigen oder ersetzen, es macht mich verrückt. Ich selbst habe „Tetrapak“ nämlich nicht studiert, ich bin nur ein ungeschickter Anwender neuer Technologien.
Wenn ich dann wieder wischen muss, dann rufe ich leider:
„Verdammter Scheiß!“
Meine Frau sagt dann immer nur:
„Tja.“
Übrigens folgt die Formgestaltung bei Tetrapak mathematischen Gesetzmäßigkeiten recht gut. Bei Berücksichtigung aller Falze ist die gewählte Lösung dennoch nicht ganz optimal, wenn man den Materialverbrauch optimieren möchte. Man kann das von Schülern in der Oberstufe berechnen lassen.
Jetzt kaufe ich nur noch Bio-Milch, die wie vor 60 Jahren nicht homogenisiert ist, das Fett setzt sich oben ab. Die Flasche ist eine Pfandflasche aus dunklem Glas, die schwer und schön auf dem Tisch ruht.
Leider holt die niemand ab, man fährt sie zurück zum Supermarkt, am besten mit einem elektrisch angetriebenen Automobil, so jedenfalls eine Empfehlung, wenn man auf Benzin und Diesel verzichten will. Ich zweifle an, dass diese elektrische Lösung einen Vorteil für die Natur beinhaltet. Der „Milchmann“ böte sie in Zusammenarbeit mit dem „Gemüsemann“, dem „Eiermann“ und dem „Fischmann“.
Ich verstehe die Milchpreise nicht, ich trinke wenig Milch, ich würde auch einen Euro mehr pro Liter zahlen, damit Bauern, die uns ernähren, davon leben können. Ich mag keine Milch, die so tut als sei sie echte Milch.
Und dass es an der Ostsee Milch gibt, die in Bayern gemolken wird, das verstehe ich auch nicht. Es kann aber sein, dass die nördliche Milch hier nicht ausreicht, weil es so viele Nordmilchtrinker in Bayern gibt.
Ich würde übrigens gern Milch aus Argentinien probieren, die, die Maradona als Kind für den Kakao nahm.
Bei dem einen Bild ist Milch drübergelaufen.
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