
Ein Morgen, ein Franz, ein Problem
Ach, ja, wieder ein Sonntag vorbei. Wie ich kürzlich schon erwähnte, fällt so ein Sontag ja stets etwas aus der Reihe der gewöhnlichen Wochentage. Auch ein Sonntag braucht seine festen Abläufe, etwas andere als das Fußvolk unter den Wochentagen, allzu variabel sollten Sonntage jedoch auch nicht sein.
Seitdem die Kinder aus dem Haus sind, ist meine Frau ja sozusagen „alleinerziehend“. Der Spruch stammt von einem ehemaligen Freund, sehr witzig. Weniger witzig ist, dass er sich schon zu Corona-Zeiten mit Wagenknechtschen Theorien zum Impfen anfreundete und generell erst mal eine antiamerikanische Haltung hatte. Die Russen seien ja betrogen worden, die fühlten sich bedroht von der Nato, naja, kennt man ja. Oder war er nur ein Kind der 60er Jahre? Das war eine zeitlang ganz amüsant, aber dann kannste das irgendwann nicht mehr hören. „Unerträglich“ nannte ich das irgendwann, seitdem ist nur der Witz mit dem „alleinerziehend“ noch bei mir. Wie schon einmal erwähnt, irgendwann ist bei mir der Kanal eben voll, der Druck steigt, danach kann ich nur zitieren:
„Ich lass ihn hinten raus.“
(Franz Beckenbauer auf die Frage, wie er als Trainer mit Druck umgehe)
Also am Morgen eines Sonntags, da stehe ich zuerst auf, gehe ins Bad, dann mache ich das Frühstück fertig, gehe kurz mit dem Hund, dann hole ich die Brötchen. Ich mache das mit einem Automobil, es ist sehr windig hier und es regnet eigentlich immer. Meine Frau, also die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, darf dann gern ausschlafen. Ohne meine Frau würde in Deutschland kein einziges Auto fahren. Etwas übertrieben, aber Ihr versteht das Bild schon. Gestern bin ich sogar zur Bäckerei Junge gefahren, das ist etwas weiter weg, aber meine Gattin mag die Brötchen von dort am liebsten, besonders sonntags. Wenn die einen neuen Laden aufmachen und das machen die ständig, dann steht da bei den Umbauarbeiten immer „Es wird ein Junge!“. Ich fahre da nicht so gern hin, weil da so viele Männer arbeiten. Ich habe im Prinzip gar nichts gegen Männer, beim Fußball zum Beispiel oder beim Handball, mit einem Bier oder bei einem Spiel, alles gut. Aber Brötchen will ich lieber aus Frauenhänden. Männer und Fleisch, ok, Männer und Brötchen, das passt für mich eben nicht.
Ich nehme also zwei helle für mich, zwei für meine Frau, einmal mit nussig in dunkel, einmal Dinkel. Dazu ein Franzbrötchen mit Zimt, die hamburgische Art. Für zwei ist das schon zu viel. Dann zurück, den Tee fertigmachen, auf´s Stövchen, ja, und dann lese ich die Zeitung auf dem Tablet. Sogar die Anzeigen, alle Anzeigen. Mit 60 fängt man damit an, keine Ahnung, weshalb.
Diese Franzbrötchen, also der Teig wird mit viel Butter eingestrichen, dann kommt da viel Zucker mit reichlich Zimt drauf, danach wird das gerollt und in Scheiben geschnitten. Egal, jedenfalls quellen die dann auf, dann bekommen sie beim Backen so eine rautenartige Form. Rechts und links tritt der flüssige Zucker mit dem Zimt etwas aus, der kramellisiert dann sehr schön, die beiden Enden werden also zuckrig knusprig und brauner als der Rest. Ich selbst bin der Typ für die Mitte, die ist sehr weich und hell von außen. Ich mag die Mittellage nicht nur bei den Franzbrötchen. Mein Ex-Freund würde nur die linke Ecke essen. Das finde ich ebenso unpraktisch wie nur die rechte Ecke zu essen, da hat man ja nie einen Gesamteindruck von einem Brötchen oder der Welt. Das ist wie mit den Außenstürmern früher, der Abramczik, der kannte nur die Außenlinie bis zur Eckfahne, der Rest war ein fremdes Land für ihn. Ball, rennen, Flanke auf Fischer, ganz einfach. Fußball ist aber nicht immer so einfach, genau wie die Politik oder auch ein Franzbrötchen.
Ja, ich sitze hier noch immer, weil meine Frau, speziell sonntags, etwas Zeit im Bad braucht. Fingernägel, Haare, das dauert eben.
Irgendwann, ich sitze in der Küche mit dem Blick zur Treppe, die ein halbes Stockwerk höher ins Wohnzimmer führt, Norah Jones singt, dann schwebt sie ein wie ein Engel vom Himmel hoch, schreitet die Treppe hinab, die Haare bewegen sich im Luftzug, genau wie vor 30 Jahren, sie lächelt mich an, gibt mir einen Kuss, dann dem Hund, dann setzt sie sich lächelnd hin. Ich fülle ihre Teetasse mit heißem Grünen Tee, Vanille-Pfirsich. Die dunklen Brötchen habe ich schon aufgeschnitten.
„Was ist das denn? Du hast ja beide Enden des Franzbrötchens abgebrochen und gegessen! Das geht überhaupt nicht! Das ist das Leckerste daran! Mann, ey, toller Sonntag!“
„Ich denke an Konfuzius, der gesagt hat: Fasse die Sorgen des Tages zusammen auf eine halbe Stunde, und in dieser Zeit mache ein Schläfchen.“ (Franz Beckenbauer)
;-))
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