Hundetage
Draußen knallt es schon wieder, der Hund will sofort zurück nach Hause. Andererseits kommt das ja nur einmal für einige Tage im Jahr vor, das möchte ich ihm immer sagen.
Mein Nachbar hat dagegen ein ganzjähriges Problem. Wir wohnen fast nebeneinander, bei fast jedem Hundespaziergang gehen wir an einer Bahnlinie entlang oder wir laufen am metallenen Geländer einer breiten Brücke über 10 parallele, glänzende Schienenstränge. Nun, es können auch sechs sein, ich habe nicht gezählt. Das Zählen der Kalorien war „an“ Weihnachten schon so anstregend, dass ich da erstmal eine Pause brauche.
Ach ja, der Hund, mein Nachbar und sein ganzjähriges Problem. Sein Hund wiegt zwischen 50kg und 60kg. Meiner wiegt gerade einmal schlanke 11kg und hat auch vor Zügen Respekt, nicht so wie vor dem Feuerwerk, aber immerhin. Der Hund unseres Nachbarn, Basko, nun, der hat überhaupt keine Angst vor Zügen. Der ist sozusagen Eisenbahnfan. Geht also mein Nachbar mit Basko über besagte Brücke, so setzt sich dieser mit Blickrichtung Schiene an das Geländer, steckt den Kopf minimal durch die eisernen Stangen und wartet auf Züge. Er liebt Züge. Und so wartet er. Auch mein Nachbar, der steht da mit der Leine in der Hand. Manchmal geht es fünf Schritte weiter, bis über das nächste Gleis. Dann sitzt er wieder und schaut aufs andere Gleis. Basko, nicht mein Nachbar.
Und bewege mal einen Hund von 60kg, wenn der auf einen Zug wartet.
Er sieht ein wenig aus wie ein viel zu groß geratener Husky. Wenn ich ihn da so über die Schienen starren sehe, dann denkt er vermutlich:
„Wie geht das? Lange Schlitten, so ganz ohne Hunde?“
Der ist nämlich ziemlich intelligent, der Basko. Unser Hund, nun ja, das kommt darauf an. Wenn er etwas zu fressen bekommt, dann wird er plötzlich richtig klug. Der macht dann Sachen, die man nicht einmal abgefragt hat. Als er jung war, war ich von seiner Gelehrigkeit sehr überzeugt. Es gibt keinen Hundebesitzer, der seinen Hund für geistig schwach ausgestattet hält. Betrachtet man das ganze als Normalverteilung so muss es, wenn es besonders kluge Hunde gibt, auch einige geben, die die Natur nicht gesegnet hat. Oder sein Herrchen.
Selbstbewußt habe ich der Trainerin in der Hundeschule auch vermittelt, dass unser Hund sich außerordentlich klug anstellt. Ich erinnere mich noch, wie sie daraufhin ein wenig mit parallelem Blick in die Ferne über die grüne Wiese blickte. Heute vermute ich, dass sie dachte:
„Wie sage ich den Eltern die Wahrheit?“
Ein Kommentar, ein Kommentar…
Was für eine Freude! Ich habe erst einmal eine Weile gesessen und darüber nachgedacht, wann ich wohl den letzten Beitrag von Dir gelesen habe: 5 Jahre sind es her, und doch war mir gleich alles vertraut. Ein Gefühl von großer Freude über einen kleinen Text!
Einen Hund gibt es (leider) immer noch nicht bei uns. 100 Altbaustufen und der immer wieder verschobene „Ruhestand“ sprechen dagegen.
Aber bei Zügen bin ich wie Basko. War ich schon als Kind, wollte immer zum großen Rangierbahnhof in der Nähe. Und habe auch an jedem Gleis auf einen Zug gewartet…
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