
*Die Mathematik-Klassenarbeit*
„Wenn ich wieder zur Schule gehen kann, dann muss ich gleich die Mathe-Klassenarbeit nachschreiben“, hat sie gesagt. Das kleine Kind war nämlich fast zwei Wochen ziemlich krank und lag im Fieber. Also hat sie versucht, den Stoff dieser Zeit im Buch „nachzulesen“. Gerechnet hat sie nicht, Aufgaben von mir waren unerwünscht.
„Drei Fragen, Papa, zu Mathe“, die hatte sie. Als ich die kurz beantwortet hatte und noch ein wenig ‚ausholen‘ wollte:
„Das war’s, Papa, es waren wirklich nur die drei.“
Das bedeutet, dass ich wieder gehen soll.
Bei ihrem „Das war’s“ muss ich immer an Meryl Streep in diesem Mode-Film denken, na, an den mit der Dings mit den dunklen Haaren. Ihr wisst schon.
„Es ist auch völlig egal, dann schreibst Du eben mal eine 4 oder eine 5. Du warst ja nicht da. Dein Lehrer muss das so machen, aber er weiß ja, dass Du krank warst“, oder so ähnlich habe noch hinterher geschoben.
Und als ich sie „danach“ von der Schule abholte und fragte, wie es denn ‚gelaufen‘ sei, da lachte sie laut:
„Total verkackt! Überall kamen krumme, blöde Zahlen heraus, das ist bestimmt alles falsch. Bei einer Aufgabe habe ich nur geschrieben, was ich machen würde, zum Rechnen hatte ich keine Zeit mehr.“
Kurze Pause, etwas leiser fuhr sie fort:
„War natürlich doof, dass mir keiner gesagt hat, dass ich den Taschenrechner benutzen durfte. Den hatte ich in der Tasche.“
Aber sie lachte immer noch.
„Verkackt“ heißt so etwas wie früher „Scheiße“.
„Die Arbeit ist bei den anderen richtig schlecht ausgefallen. Nur eine 2, ganz viele 4er und 5er. Hat *er* wohl nicht so gut erklärt.“
„Dann sag‘ ihm wenigstens, dass Du das mit dem Taschenrechner nicht wusstest. Ändert zwar die Zensur nicht, wäre aber gut, wenn er das weiß.“
Ja, das wollte sie dann tun.
Sie hat es nach der Rückgabe nicht gesagt.
„Papa, das wäre blöd für die anderen gewesen!“
Sie hatte nämlich die einzige 1. Und sie grinste wie sie über eine 5 auch nur gegrinst hätte. Tolles Kind.
Am stolzesten aber bin ich, dass die Kurze sich nicht „stressen“ lässt.
Ob ich sie mal fragen darf, wie man das macht?
Besser nicht, sobald sie drüber nachdenkt, ist es vielleicht weg.
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