
*„Wann hast Du Zeit für Kaffee und Kuchen?“*
Das schreibt sie jedes Mal einmal im Jahr per WhatsApp, kein Wort mehr außer ihrem Namen, den sie abkürzt. Ansonsten schreibt sie nie und jedes Mal verblüfft mich dieser Blitz aus heiterem Himmel.
Uns trennen weit mehr als 30 Jahre und wir haben vor einigen Jahren über ihre Examensarbeit gesprochen und uns dabei jedes zweite Mal gestritten. Es ging dabei um einen Vergleich von Waldorfschulen mit anderen und ihre Fragen an die Lehrer waren zum Beispiel so gestellt, dass die Waldorfschulen quasi automatisch besser abschneiden mussten. Sie war selbst nämlich einmal Schülerin einer Waldorfschule gewesen.
„Das ist keine Demonstration, das ist eine wissenschaftliche Arbeit“, habe ich einmal gesagt, weil sie meine Argumente ignorierte. Da stand sie unvermittelt und wortlos auf und verließ mich für einige Tage.
Nun schwebt sie jedes Jahr aus der fernen Stadt einmal ein und schickt diese Frage. Das ist alles völlig nebensächlich. Sie ist eine Frau, die man zwar gern zu Kaffee und Kuchen im Café einladen würde, aber das darf man nicht tun, das wäre gegen ihre Ehre und Unabhängigkeit. Ich habe es nicht einmal versucht, es gibt diese speziellen Fälle ja.
Und weil wir immer einzeln zahlen, ist das Gewohnheit und kein Problem. Dieses Mal nahmen wir Kaffee und Kuchen im kleinen Laden von Beatrice.
Wenn man zahlt, gibt es einen Moment, der immer etwas schwierig ist, finde ich.
„Geht das zusammen oder getrennt?“
Sagt man jetzt „getrennt bitte“, dann klingt das wie eine „Trennung“. In unserem Fall kann aber auch weder der eine noch der andere ohne Diskussionen ungestraft „zusammen“ sagen.
Ein heikler Moment.
Aber Beatrice fragte, wundervoll wie sie ist:
„Wie darf ich das rechnen, bitte?“
Ich zahlte also beide Milchkaffee und sie unsere beiden Stück Kuchen.
Ich liebe „Zwischenlösungen“ und ich kann diese Frage jeder Angestellten und jedem Angestellten im Gastgewerbe nur empfehlen.
„Wie darf ich das rechnen, bitte?“