Musik und Geständnisse

*Musik und Geständnisse*

Und jetzt erzähle mir hier bloß keiner, er oder sie habe keine „Leichen im Keller“.

Jedenfalls habe ich mir eine Suzi Quatro-CD gekauft und ich habe mir fast die ganze Platte angehört. Die fängt mit „48 Crash“ an. Und wie ein Unfall klingt das fast 45 Jahre später nicht.

Dirk kenne ich seit fast 20 Jahren vom Schreiben, aber gesehen haben wir uns in diesen Zeiten des digitalen Lebens noch nie. Wenn man sich seit 20 Jahren ab und an gern liest, dann ist ein persönliches Treffen unter Männern höchst risikobehaftet. Es könnte ja sein, dass der mich „in echt“ blöd findet und die nächsten 20 Jahre nicht mehr schreibt!

Dirk, der kennt sich mit Musik gut aus und ich glaube trotzdem nicht, dass er eine Suzi Quatro-Platte im Regal hat. Aber er hat sich sofort an das schwarze, enge Leder erinnert als ich Frau Quatro erwähnte. Er hatte vor 45 Jahren in einem BRAVO-Interview mit ihr auch gelesen, dass sie unter dem Leder nichts trägt. Das wusste der noch.

Und weil er das noch wusste, habe ich die CD gekauft.

Christoph, einer der wenigen Menschen, die meine Musik-Sammlung einmal gesehen haben, hat mal gesagt, dass ‚da aber auch richtiger Schrott dabei ist‘.

Da konnte und wollte ich nicht widersprechen, denn ich bin der Meinung, dass auch „Schrott“ wichtig sein kann. Zum Beispiel waren 95% des musikalischen Outputs der 80er Jahre reiner Schrott. Das tut mir leid für diejenigen, die in dieser Zeit jung waren, aber dafür habe ich ja ein 5%-Türchen offen gelassen. Selbstverständlich habe ich den 80er-Müll zu Erinnerungszwecken teilweise archiviert.

Es gibt ja nicht nur Bilder, Persönlichkeiten oder die Politik einer bestimmten Zeit, es gibt oft auch Menschen einer bestimmten Zeit und es gibt die ‚alte Zeit‘ selbst und ….. es gibt den „Klang“ einer vergangenen Zeit.

Und wenn man den Klang hört, kann man alte Zeiten auch besser wachküssen. Daher ist mit „Schrott“ aus alter Zeit keineswegs nur Negatives verbunden.

Das habe ich richtig schön kompliziert ausgedrückt damit mich keiner nach Beispielen fragt.

Ich war Anfang der 80er auch mal bei einem Konzert von Alice aus Italien in der Musikhalle in Hamburg. Zum Glück hat mich keiner gesehen. Andererseits hatte ich vorher U2 im CCH erlebt.

Natürlich ist die Musikhalle eine bessere Location als das CCH und ein U2-Konzert ist besser als eines von Alice.

Und auch wenn Alice toll aussah, so wirkte das doch etwas manieriert und die Bewegungen waren aus einem Katalog. Aber die nahm sich dabei auch nicht ernster als ein Italiener ein Parkverbot.

Dagegen nahm sich Bono selbst derart ernst, dass das für mich dort schwieriger war als zu gestehen, dass ich Alice live erlebt habe.

Der wirkte nämlich wie ein neuer Jesus. So gefühlt.

Und ob davon noch etwas übrig ist, das überprüfe ich im Sommer. Ich habe nämlich meine zweite U2-Karte gekauft.

Eine zweite Karte für Alice oder eine erste für Suzi würde ich niemals kaufen, denn man darf alte Bilder nicht immer durch neue ersetzen.

Suzi soll immer noch schwarzes Leder tragen.

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https://maddin61.wordpress.com/

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