*Der Schamane*
Manches im Leben vergisst man nicht. Oft ist das sogar gar nicht so bedeutsam, bleibt aber trotzdem im Kopf und von Zeit zu Zeit erinnert man sich daran. Komischerweise habe ich den Eindruck, dass ich den Grund dafür oft gar nicht kenne.
Außer bei dem Holzlenkrad in dem alten Passat von 1988, das war so toll, weil das so herrlich glatt war
Marcus hat mir nämlich vor vielen Jahren eine kurze Geschichte erzählt und wie oft ich die schon weitererzählt habe, das kann ich nicht zählen. Es ist aber möglich, dass Marcus seine Geschichte gar nicht mehr erkennen würde, wenn ich ihm die jetzt 20 Jahre später wieder erzählen würde.
Egal.
Also:
Einem sehr reichen Mann in Europa ging es gar nicht gut, er lief von einem Arzt zum anderen, keiner konnte ihm helfen, keines der unzähligen Medikamente half, kein Heilpraktiker, nichts, gar nichts. Das ging so über Jahre. Marcus, der konnte das auswalzen, dass man schon dachte:
„Ein Kaffee zwischendurch wäre jetzt nicht so übel.“
Dann hörte der Europäer aber von einem geheimnisvollen Schamanen, der im Dschungel von Peru sehr einfach lebte. Der sollte ein großer Heiler sein, so hatte er gehört. Es kann auch Bolivien oder Bangla Desh gewesen sein, ich bin mir nur sicher, daß es vorne mit „P“ oder „B“ anfing. Es war aber nicht „Berlin“, ganz sicher nicht.
Berlin müsste auch mal zu dem Schamanen.
Jedenfalls machte sich der Geschäftsmann auf die lange und beschwerliche Reise, bleiben wir bei Peru. Bei „Peru“ muss ich immer daran denken, dass die am Ball so gut sind, aber seit 1966 immer mindestens zwei böse Treter im Team haben. Vermutlich brauchen die die dünne Luft von Zuhause, sonst haben die Überdruck. Ohne Platzverweis geht das nie ab. Kann aber sein, dass die Termine bei einem Schamanen haben und der Trainer das immer vergisst.
Ich komme gar nicht weiter, ärgerlich.
Jedenfalls musste der reiche Geschäftsmann den letzten Weg sogar zu Fuß gehen, bis er den geheimnisumwitterten Wohnort des Schamanen erreichte.
Er betritt sein Pueblo und er darf sich ihm gegenüber setzen, der alte Schamane deutet nur, er sagt kein Wort, fast wie Bob Dylan bei einer Preisverleihung.
Das mit dem „P“ kann auch „Pueblo“ gewesen sein, fällt mir eben auf. Es war aber nicht „Preisverleihung“.
Und der Europäer erzählt seine Leidensgeschichte. Sie ist lang. Zwischendurch schüttelt der Schamane den Kopf, manchmal schmunzelt er, er hört nur stumm zu.
Endlich fragt der Europäer:
„Kannst Du mir helfen?“
Nach einer Pause spricht der Schamane seine ersten Worte:
„Was willst Du von mir?
Du bist doch schon krank!“
–
Ich übe seit 20 Jahren daran, diese Geschichte so zu verstehen wie sie gemeint ist. Es ist ja gar nicht einfach über einen Satz richtig nachzudenken.
Also:
Wie ist *das* gemeint?
Was hast du gegen Berlin ??? Oder ist das „postfaktisch“ gemeint? Nur so ein Gefühl ?
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🙂
An sich sollte jeder mal den Schamanen besuchen. Gegen Berlin habe ich nur, dass das so weit weg ist und ich da so selten hinkomme. Das ist die spannendste Stadt, die ich kenne.
Morgen wieder.
Ach:
Gibt es in Berlin einen Schamanen?
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