Was die Welt nicht braucht

Was die Welt nicht braucht

Heute sagen manche Leute, dass man nicht mehr alles sagen darf, was man denkt. Und dass man auch vieles nicht mehr tun darf, was man früher gedankenlos und selbstverständlich tat.

Zum Beispiel -ich gebe es zu- sage ich konsequent „Schokoküsse“, denke aber leider zuerst das falsche Wort, das mir auf keinen Fall entschlüpfen darf, denn dann folgt unweigerlich die Korrektur, auch völlig zu Recht.

Das ist zum Beispiel ein Sprechverbot, das Denken bleibt ja frei, weil es da weder Kontrollen noch Korrekturen gibt.

Das finde ich sehr angenehm, also für meine Gedanken.

Das mit dem „Tun“ ist manchmal anders.

Früher hätte ich Frauen in einer Schlange vor einer Damentoilette nämlich nicht in die leere bei den Herren gewiesen.

Und gestern beim Bäcker, da war bei den Herren besetzt und es war so still am Stillen Örtchen, dass ich dachte „Da sitzt wieder einer und tippt 10 Minuten auf seinem Handy“.

Man ging früher nicht mit „Winnetou I“ auf eine öffentliche Toilette. Heute hat ja jeder ein Buch mit unendlich vielen Seiten in der Hose.

-Ihr habt das doch verstanden-

Dann gehe ich eben in die Damentoilette, ohne jede Hemmung, ich gebe das zu.

Die stehen da nicht am Pissoir, die Damen.

Und das Händewaschen, das geht auch mit verschiedenen Ausprägungen nebeneinander. Oder hintereinander.

Früher hätte ich das nicht gewagt.

Heute, da könnte es ja sein, dass ich mich gerade weiblich fühle. Oder ich lüge so halb und sage, dass nebenan etwas überläuft. Das ist ja nicht gelogen, es kann ja auch ein Handybildschirm überlaufen.

Also, das mit dem verbotenen Tun ist nicht immer richtig, es gibt auch neue Freiheiten!

Die benennt aber selten jemand.

Als Mann musste man früher vor der Tür warten und an frische Leber bei REWE denken.

Da vergeht mir nämlich wirklich alles.

So ist Psychologie.

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Mehr stören mich neue unterschwellige Regeln und Vorschriften, deren Sinn ich nicht verstehe:

Heute am Morgen habe ich diese winzigen Söckchen angezogen. Die heißen „Crivit“. Beide. Steht am Bund. Blödsinn.

An sich nervt mich das mit den Namen schon bei Brötchen.

„Diedabitte“ heißen die bei mir nur.

Jedenfalls haben die Lidl-Socken jetzt auch noch ein gesticktes R und ein L.

Das steht für „Rechts“ und „Links“.

Wozu?

Ich hatte nämlich die rechte Socke links angezogen und die andere rechts. Dann musste ich die wieder ausziehen und alles korrekt machen.

Wieder eine Regel! Nervig.

Und wenn ich die drei Paar nach dem Waschen sortieren muss! Nervig, wenn man dann beim Anziehen zwei mit einem R hat. Wenn die wenigstens sprechen könnten!

„Hier ist nicht mein Fuß“ oder so.

Das kommt auch noch.

Socken mit Namen und Richtungsangaben sind überflüssig. Schließlich macht man das bei Schuhen auch nicht.

Auch nicht bei Gummihandschuhen!

Die dreht man einfach um.

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Bei Aldi haben die jetzt einen kleinen Bagger für die großen Jungs im Angebot, für 4699€.

Ich finde ein breites Angebot durchaus sinnvoll. Aber wer kauft sich einen Bagger für den eigenen Garten? Jemand, der männlich ist und gern spielt wie früher mit Lego-Technik und jetzt genug Kleingeld hat?

Das wieder so ein „Erweitern Sie Ihr Ego, wenn das Patriachat bröckelt“-Angebot.

Das braucht auch die Männer-Welt nicht.

Ich wette, dass eine Frau den Bagger nur für einen Mann kauft, der sie nervt und beschäftigt werden soll.

Bei Aldi!

Ich würde eine hochwertige Stereoanlage auch nicht bei Aldi kaufen, wenn ich so viel Geld hätte. Da kaufe ich Seifenblasen und etwas aus dem „Retterkorb“ mit viel Rabatt.

Und dass Einschulungen und das Abitur heute nahezu in Bezos’schen Ausmaßen gefeiert werden, ist auch überflüssig.

Ich habe riesige Abi-Plakate, gedruckt wie Werbung an einem Schulzaun, gesehen: „Kevin, Du schaffst das! Abitur 2025!“

Schlimm. Schließlich können sich viele derartiges nicht leisten und „gut“ für das Kind ist nicht immer das, was Eltern denken …. oder bezahlen.

Und eine Einschulung ist auch keine Hochzeit.

Ja, da geht etwas los, aber es muss nicht jeder Neubeginn überhöht werden.

Klar, der 1. Bundesliga-Spieltag einer Saison, den sollte man feiern, das hat seine Berechtigung.

Für den HSV. Heute. Endlich.

Mein Nachbar hat ein Stück HSV-Rasen. Originoool. Den habe ich gestern gegossen, er war nämlich in Spanien. Mein Nachbar, nicht der Rasen. Der HSV gewinnt heute.

Aber eine Einschulung hat die nicht, diese Feier-Berechtigung von da oben.

Eine Tüte mit Süßkram -heute eher Süßkartoffeln- und ein Spielzeugauto, das hat vor 60 Jahren gereicht.

Ich hatte übrigens einen Krankenwagen von Corgi-Toys bekommen. Ford-Transit, falls Ihr das wissen wollt. Mit Bett!

Und eine Zahnbürste von der Schule und eine orangefarbene Schirmmütze!

Die Mädchen bekamen Kopftücher.

Das geht heute zum Beispiel nicht mehr.

Niemand hat Mütze oder Tuch getragen. Das hatten sich nämlich Erwachsene ausgedacht, um Erstklässler kenntlich zu machen.

Das haben wir sofort gecheckt damals.

Das Letzte?

Hochzeitsplanung für bis zu 20 Millionen Dollar. Auch so ein Quatsch für Reiche.

Mein Motto bleibt:

„Je teurer die Hochzeit umso kürzer die Ehe.“

Die Hochzeitsplanerin beantwortete die Frage nach den Kosten für die Planung ihrer eigenen Hochzeit nach 23 Jahren „Beziehung“ in der ZEIT elegant:

„Ich konnte mir mich nicht leisten. Also habe ich es selbst gemacht.“

Eine kluge Frau.

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„peace, tranquility and good will“

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