„Tja, da ist wohl auch viel männliches Ego im Spiel“

„Tja, da ist wohl auch viel männliches Ego im Spiel“

Das war der Satz des Tages am gestrigen Sonntag.

Nach dem Brötchenkauf bei „Junge“ hatte ich noch das alte Kraftfahrzeug mit Hilfe einer preiswerten Sprühflasche mit Glasreiniger vom Blütenstaub befreit.

Auch das Dach. Ohne meine Frau, klar.

LM-Felgen ‚mache‘ ich vor der Bäckerei nur im Notfall.

Das ist alles nicht so wichtig, es beschreibt nur das Setting des Wischenden und der Passanten.

Wenn die eine neue Filiale eröffnen, dann hängt am Zaun über mehrere Wochen ein Plakat:

„Es wird ein Junge!“

Es gibt keinen Bäcker, der „Mädchen“ heißt.

Da sollte man auch mal demonstrieren, damit da Parität hergestellt wird. Ich würde gern bei „Mädchen“ meine ‚Dinkel Plus‘ kaufen.

Die kosten 95 Cent.

Ja, es ist ein kleines Brötchen.

Das sind 1,90 DM, aber gut, das ist ja lange her. Bei der 5er Tüte spart man übrigend 25 Cent, also 0,50DM.

Das gab es früher nicht.

Ja, und dann kam ein junges Paar, also auch ein Junge, ein richtiger, aber begleitet von einer jungen Frau an meinem fast reinen VW vorbei.

Die war genauso alt wie das Auto und beide sahen gut aus.

18, also hat die auch schon viel erlebt. Er hat ja 250.000 auf seiner Uhr. Sie hatte vermutlich drei in derselben Zeit, rein statistisch betrachtet.

Und sie sagte in Höhe meiner Beifahrertür:

„Tja, da ist wohl auch viel männliches Ego im Spiel!“

Ich habe nicht gehört, ob er darauf antwortete, ich aber sagte wischend:

„Ist das denn nicht immer so?“

Sie lachte.

Also „Butter bei die Fische“:

‚Männliches Ego‘ spielt das nicht eher „auswärts“ eine Rolle?

Zuhause sind wir Männer doch oft die ‚Verlierer‘, trotz des Patriachats:

„Nein, zieh‘ die schwarzen Schuhe an, Du kannst nicht in Hellbraun auf einer Beerdigung aus der Reihe tanzen! Nein, die weißen Sneaker auch nicht. Stell‘ sie bitte zurück!“

„Du, bitte nicht die beigefarbenen Handtücher mit den dunklen Sachen waschen, die leiden und bekommen einen Grauschleier! „

„Du hast da was im Mundwinkel. Mach‘ das weg.“

„Ein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand, ein paar Kratzerchen, da musst Du mich nicht extra drauf ansprechen.“

„Du musst hier unterschreiben, es ist alles korrekt. Unterschreiben, nicht lesen! Ich muss lohooos!“

„Bitte, die Mikrowelle steht seit 20 Jahren so, es gibt keinen Grund, das zu ändern. Keine Diskussion jetzt.“

„Du bist im übernächsten Jahr im 68sten. Warum kannst Du Deine Krawatte immer noch nicht allein binden?“

Wir lieben eben die Frauen.

Unsere und auch alle anderen.

Wir zeigen es auch dadurch, dass wir tun, was sie sagen. Wir können uns unterordnen.

Zu Hause.

Ich mache das bei der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, auch. Das Leben wird einfacher. Also manchmal.

Natürlich erfordert das männliche Kompensation, zum Beispiel bei Leitungsfunktionen in der Wirtschaft oder bei der Besetzung der Regierungsbank.

Letztlich spielen hier doch alle ihre Rolle, oder?

Das männliche Ego spielt nämlich nur auswärts.

Zuhause spielt es -oft- in Unterzahl.

–

Hier noch ein Beispiel aus der Realität.

Sevcan, man spricht es „Sevschann“, nicht wie „Chan“, hat früher im Angriff Fußball gespielt. Schnell war sie und gut am Ball.

Und ich schickte ihr den Text als Entwurf.

Das schrieb sie, Sevcan, dazu:

„Als ich noch Fußball gespielt hab‘, standen wir Spielerinnen samt einiger Spielerinnenmänner nach einem Spiel noch am Platz und Kati sagte zu ihrem Mann

‚Michi, bring‘ schon mal meine Tasche zum Auto!‘

Oder sowas ähnliches.

Darauf er sehr selbstironisch:

‚Kati! Wir hatten abgemacht, dass ich in der Öffentlichkeit das Sagen habe!'“

„Spielerinnenmänner“ ist auch toll. 🙂

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„peace, tranquility and good will“

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