
*Auf der falschen Seite*
Ich mag meine Stimme auf Aufnahmen nicht, sie klingt so hell und gepresst, furchtbar.
„Klinge ich wirklich genau so?“, fragte ich früher gern. Ja, leider, ich kenne die ja nur von „innen“ und da klinge ich so …. sonor.
Auch Fotos von mir selbst mag ich nicht, der Typ kommt mir so fremd, so falsch vor. Andere finden das gar nicht so schlimm.
Aber ich kenne mich ja eher vom Spiegel, also kenne ich den seitenverkehrten Martin. Daran könnte das Fremdeln liegen. Die Foto hier sind ja auch alle „falsch“, denn so kennen oder kannten sich die abgebildeten Personen selbst aus dem Spiegel. Und so wie hier bekommen sie für mich sofort etwas ‚Unbekanntes‘ oder ‚Störendes‘.
Die sind, Ihr habt es gleich bemerkt, alle seitenverkehrt.
Einen ähnlichen Effekt gab es Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre als Jimmy Carter als US-Präsident die Seite seines Scheitels wechselte. Vielleicht findet ihr ja Fotos mit den verschiedenen Jimmy-Scheiteln. Da gab es viele Fragen, ob sich seine Politik auch ändere.
Wie ich darauf komme?
Sabrina war heute mit mir als „Model“ in der Frisör-Meister-Klasse. Und die coole Chefin mit dem Undercut sagte:
„Wenn man Mittelscheitel trägt, dann kann man das auch psychologisch sehen, da muss man keine Entscheidung treffen, ob links oder rechts. Ist da bei Ihnen etwas dran?“
Das stimmt bei Sabrina nicht, aber ich glaube, dass ich der Typ für einen Mittelscheitel wäre, wenn das nicht so bescheuert bei mir aussehen würde.
Ich kann mich an meine Kindertage erinnern. Mein Vater trug den Scheitel immer links (seine politische Ausrichtung). Natürlich wurde der Scheitel auch bei mir dort gezogen. Bis ich dann aufmöpfig wurde und den Scheitel in die Mitte legte. Sah auch besser aus mit den langen Haaren. Nun sind die Haare fast weg und ich frage mich , wie ein Linksscheitel da aussehen würde ? Nur die Gesinnung hat sich mit dem Scheitelziehen nie geändert.
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