*„No Reason To Cry“*
Das ist eine unterschätzte Platte von Eric Clapton, vermutlich aus dem Herz der 70er Jahre. So gut ging es ihm in der Zeit vermutlich nicht, jedenfalls höre ich das unterschwellig so.
„Hello Old Friend“ ist einer der guten Titel und so kann man ihm das heute auch zurufen, wie einem Freund, von dem man viele Jahre lang wenig Neues hörte.
„Sign Language“ ist der zweite, der mir einfällt, weil der Nobelpreisträger daran mittat. „Mittun“ ist ein Verb, das wie aus einer fremden Sprache entliehen anmutet.
„Zeichensprache“ und „alte Freunde“, dabei denke ich an den alten Freund mit dem Namen „Reason“, den man nie verliert, jedoch nie genau weiß, ob er nun ‚Freund‘, ‚Feind‘ oder so ein „Freind“ ist, ein Mischwesen aus beiden Welten.
Das versteht keiner, kein Wunder.
Menschen brauchen „Begründungen“.
Das geht zum Beispiel bei mir auf schwachsinnige Weise so wie „ich bin sehr selten erkältet, weil ich rauche“. Denn immer, wenn ich damit aufhörte, hatte ich wiederholt Schnupfen oder Halsentzündungen. Sobald ich wieder Rauch aufsteigen ließ, war das weg.
Natürlich wäre das auch ohne Tabak weggegangen, aber dann hätte ich ja keine Begründung gehabt und das wäre wieder schlecht.
Kein gutes Beispiel, nur eine Ahnung vom alten Freund „Begründung“ und der „Zeichensprache“, die eine Fehlinterpretation ist. Ist aber immer noch besser als an das unheimliche Wesen „Zufall“ zu glauben. Der ist schwer kontrollierbar und das mögen wir Menschen vielleicht nicht gern.
Anderes Beispiel.
Es heißt ja oft, man solle sich die Hände gründlich waschen um Ansteckungen mit Krankheiten vorzubeugen. Wenn man das übertreibt und sich nun 10mal täglich die Hände wäscht und nicht krank wird, dann sagt man gern, dass liege am regelmäßigen Waschen. Das ist nicht haltbar, weil man nicht weiß, ob man sich ohne zu reinigen infiziert hätte. Also wird weiter geschrubbt. Zum Schluß hat man rote, trockene, rissige Hände und geht damit zum Hautarzt. Der verschreibt eine Salbe, die man nach dem Waschen aufträgt. Jetzt hat man schon ein Problem mehr.
Fußballer haben auch oft solches Denken, das man „Aberglauben“ nennt, das sich aber wenig vom alten Freund „Reason“ unterscheidet. Der eine muss immer als letzter auf dem Platz auflaufen, der nächste bekreuzigt sich vor dem Elfmeter, andere binden immer den rechten Schuh zuerst, wieder andere dürfen sich an Spieltagen nicht rasieren.
Wenn die das vergessen und verlieren, wissen die genau, warum das so kam. Und wenn sie trotzdem gewinnen, dann ist das „gerade nochmal gut gegangen“.
‚Alte Freunde‘ werden seltener ausgetauscht als Trainer.
Manch religiöses Denken liefert auch hübsche Begründungen, die sparen einem viel Mühe beim Suchen, dann war es eben die „Vorsehung“ oder das „Karma“ oder das „Schicksal“. Manche Religion begründet ja scheinbar fast alles für ihre Anhänger. Ich kenne mich damit nicht gut aus.
„Religiös“ zu sein, das kann zunächst heißen über den Sinn des Lebens nachzudenken. Dazu braucht man an sich nicht notwendigerweise eine bestimmte Religion. Jedenfalls bleibe ich erstmal dabei, dass Rauchen gut als Prävention gegen Halsweh ist.
Dafür fand ich nirgendwo ein besseres Angebot.
Leider scheint die Faulheit beim Suchen nach eigenen sinnlosen Begründungen um sich zu greifen. Das merkt man irgendwie politisch.
„Klimawandel“ und wissenschaftliche Erkenntnisse sind komplizierte Begründungen und damit ‚unsexy‘, „America First“ ist zwar platt, aber eine einfache Begründung, so wie Werbung.
„Reasons To Cry“ hätte Eric die Platte heute genannt.
„Hello Old Friend“
„Sign Language“