Carla Gilberta Bruni Tedeschi

Carla_Bruni-Sarkozy_(3)*Carla Gilberta Bruni Tedeschi*

 

Mir ist keine bessere Überschrift eingefallen.

Wir, das sind Rafael, Daniel, Alexander und ich. Wir sind nämlich die Männer. Rafael und Daniel bringen ihre Frauen immer mit, sie lernen auch zusammen mit ihren Gattinnen. Manchmal werden sie vielleicht auch zuhause „geprüft“, aber das weiß ich natürlich nicht. Aber ich würde fast jede Wette annehmen, dass dem so ist.

Genau.

Beide Ehefrauen sagen im Unterricht nicht vor, wenn ihre Männer eine Verbform für unsere tolle Lehrerin nicht schnell genug auf’s Tor schießen! Übertrieben gesagt: Die Frauen mauern wie eine italienische Erstligamannschaft!

Oder hören wir Männer nur nicht auf die leisen Empfehlungen unserer Frauen? Hören wir nicht richtig „hin“?

Das müssten jetzt die Frauen beantworten, denn ich würde „ja“ sagen. Meine Frau würde mir nämlich gar nichts vorsagen! Und wenn sie es täte, würde ich zweifeln, ob das stimmt, was sie mir vorsagt.

Ach, richtig, wir lernen Italienisch an der Volkshochschule und wir drei Männer sind die Minderheit unter 12 Frauen, die besser lernen als wir. Alexander hat das Italienische nämlich im Blut, ihn nehmen wir mal aus. Außerdem ist er viel jünger und fitter als wir.

Wir sind nämlich schon verheiratet!

Und jeden Mittwoch treffen wir uns zu sechst oder zu acht und besprechen und lösen die Hausaufgaben vor dem Unterricht beim Kaffee. Manche, wie ich, schreiben sie auch ab. Das ist für mich nicht anders als vor einem halben Jahrhundert in der Grundschule. Damals habe ich zwar nicht abgeschrieben, aber manchmal hat meine Mutter die Hausaufgaben in Kinderschrift gemacht.

Das machte einen besseren „Eindruck“ als Lässlichkeit, dachte sie vermutlich.

Ich habe das für meine Kinder noch nie gemacht, hoffentlich werfen sie mir das später nicht einmal vor. Vermutlich schreibe ich Ihnen auch zu schlecht. Die sind recht anspruchsvoll bei ihren Hausaufgaben!

Auch sonst treten alle alten Verhaltensweisen im VHS-Kurs wieder auf. Und das, obwohl es keine Prüfungen gibt und wir das nur ‚zum Spaß‘ an der Sprache machen.

Wir kommen mit einzelnen Sätzen zum Beispiel nacheinander dran. Alle rechnen dann aus, mit welchem Satz sie „dran“ sind und versichern sich der richtigen Antworten beim jeweilgen Nachbarn rechts und links.

Wenn es nämlich mal falsch ist, dann hilft unsere Kurs-Königin zwar gern, aber manchmal schießt sie als Lernerfolgskontrolle noch zwei Fragen an denjenigen mit der fehlerhaften Antwort nach.

Dann fällt einem nicht mal mehr ein, was „Pizza“ auf Italienisch heißt. Genau wie früher in Erdkunde!

Und wir sagen sogar oft vor!
Wir Männer natürlich.
Wir helfen immer!

Ich muss jetzt los, ich muss die Hausaufgaben noch abschreiben.

Ciao.

–

Nachtrag:
Ich habe das mit den Hausaufgaben nicht geschafft, weil ich noch Alina auf der Straße getroffen habe. Dann hilft nur noch die „Fragetechnik“ im nachfolgenden Unterricht. Das heißt, dass man die Lehrerin zu Beginn etwas „fragt“. Es ist völlig egal, was man fragt.

„Es ist so stickig, darf ich die Fenster öffnen?“

„Stimmt es, dass nächste Woche der Unterricht ausfällt?“

„Darf ich mal zum Mülleimer gehen?“

„Michaela lenkt mich immer ab! Können Sie ihr das mal sagen?“

Ist egal.

Hauptsache, es findet zu Beginn ein verbaler „Tageserstkontakt“ zwischen Lehrer und dem Schüler ohne Hausaufgaben statt.

Dann kommt man *niemals* mit dem Vorlesen dran. Habe ich leider mal einer Klasse gesagt. Himmel, die hatten danach Fragen am Anfang, irre. Man kam gar nicht mehr dazu, die Hausarbeit zu besprechen. Es kamen immer die dran, die sogar vergessen hatten, sich eine einzige Frage auszudenken.

 

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