Harry Carsten Petersen

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*Harry Carsten Petersen*

Ich liebe die Tage, an denen ich richtig schöne Erklärungen höre. Am besten geeignet ist dafür jede Art von Familienfeiern. Es ist immer ganz erstaunlich, wie schnell sich 120 Minuten in gefühlte 600 Minuten verwandeln können.

Ob Jesus das auch geschafft hätte?
Man weiß es ja nicht.

Der Erklärbär war wieder da als die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, das Wort „aufoktryieren“ gebrauchte und sich prompt einen reizenden Vortrag reinpfeifen ließ.

„Das ‚ok‘ heißt schon ‚auf‘! Man sollte Wörter nur benutzen, wenn man sie versteht!“

Ansonsten spricht der Bär nicht, es sei denn es findet sich ein Klotz, in den er ein Beil schlagen kann.

Dem kleinen Kind wollte ich schnell „Sag laut ‚Pleonasmus‘!“ ins Ohr hauchen aber das war mir dann doch zu peinlich.

„Das ist wie bei ‚vorprogrammiert‘, alles Schwachsinn, was die Leute so reden!“, holte der Erklärbär zum nächsten Schlag aus.

Mich selbst stören fehlerhafte Begriffe deutlich weniger als derartige Hinweise der überflüssigen Art. Aber dafür müsste man eben auch andere Themen ‚in petto‘ haben als die der formalen Art.
Da ist aber leider … nichts, dafür ist die Unsicherheit vermutlich auch zu groß.

Danach die üblichen Bemerkungen der Sippe mit dem wichtigen Eigenlob, das ermüdet wahrlich schnell.

„Schade, dass es regnet, sonst könnten wir unter der Markise sitzen, die Du angebracht hast.“

„Bist Du nicht in Berlin den Marathon gelaufen?“

So wird versucht, den Erklärbär ruhig zu stellen.

Teilweise ist das zwar Jahrzehnte her, die Markise wurde auch schon im Dutzend gepriesen, aber solche Wiederholungen sind für einen Unbeteiligten wie mich ein guter Grund, sich intensiv mit den Ohren des kleinen Hundes zu beschäftigen. Sonst halte ich das Fremdschämen nämlich nicht aus.

Nur das Unterdrücken des Gähnens wird mit jeder Minute schwieriger. Der Sohn entschwand nach kurzen 5 Minuten zur „Arbeit“, klug wie er ist. Die Schüsse von der Playstation waren gut zu hören.

Dass der Fidget-Spinner und das Einhorn-T-Shirt des Mädchens gemaßregelt werden, das war erwartbar und ein schelmischer Blick des Kindes sagt dann zum Glück lächelnd „die gehen ja bald wieder“.

Der ‚Wachmacher‘ jedoch als unvermittelt die Frage gestellt wird, ob der Erklärbär in seiner Jugend an den Staffelläufen seiner Schule teilnahm. Das sollte ihm die Möglichkeit bieten, seine sportlichen Begabungen weiter auszubreiten. Nein, das tat er nicht, aber leider ich, sogar für zwei Schulen, das hatte Mutti durcheinandergebracht und die Gattin sprach es aus, ganz schlecht. Jetzt landete das vier Jahrzehnte verspätete Lob in der falschen Sippe!

Ein bitterer Moment.

Der Erklärbär hat es dann gerettet:
„Ja, in *den* Schulen, da musste ja auch wirklich *jeder* mitlaufen.“

Was hat er gestrahlt als ihm das einfiel, endlich eine glückliche Sekunde in seinem Unglück.

„Wir haben nicht nur Lena, wir können auch Weltmeister werden“, zum Glück ist mir dieses Zitat im Kopf geblieben und darauf habe ich dann still herumgekaut.

Ich habe eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, darüber nachzudenken, wie er hieß, der ehemalige Ministerpräsident des Landes.

Harry Carsten Petersen?
Harry Peter Carstensen?
Carsten Harry Petersen?
Peter Carsten Harrysen?
Peter Harry Carstensen?
Carsten Peter Harrysen?

Hach, es ist gut, wenn man sich selbst beschäftigen kann.

–
„Time is a jet-plane, it moves too fast“

Ein Gedanke zu “Harry Carsten Petersen”

  1. Nach der Wende haben wir hier im „fernen Osten“ solche Typen mehr als genug kennengelernt. Zu 99% steckte nichts dahinter. Nannten sie deshalb einfach „Besserwessis“.

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