Der Urlaub

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*Der Urlaub*

 

Sie ist selbständig und hat seit 15 Jahren keinen Urlaub gemacht. Geplant war diesen Sommer jeweils eine Woche bei Freundinnen in Italien und eine im Süden Frankreichs. Zwei andere Freundinnen wollten sie im Norden für jeweils eine Woche besuchen während sie weiter arbeitet. Sie nennt das „vier Wochen Urlaub“.

Und weil ihr das jetzt alles doch zu viel wird, hat sie alles abgesagt. Nun will sie im Herbst dafür sechs Wochen an den Mississippi zu einer anderen der weit verstreuten Freundinnen.

„Dann erledige ich jeden Tag das Wichtigste in zwei Stunden am Handy.“

Also will sie die ganze Zeit beruflich erreichbar bleiben! Ich habe dann gesagt, dass sie ja praktisch den ersten Plan nur nach hinten und an einen anderen Ort schiebe und den zweiten vermutlich auch canceln werde. Schließlich geht das schon seit 15 Jahren erfolgreich so. Und jetzt ist das Kind schon groß und schafft alles allein!

Das ist nur die eine Urlaubsgeschichte, ich kenne noch mehr dieser Art, meist von Frauen, die gute Arbeit machen aber an sich zum Schluss zuletzt denken.

Früher habe ich schmunzeln müssen, wenn mancher das Leben zu einem guten Teil auf den Urlaub ausgerichtet plante. 49 Wochen auf 3 hinzuleben, kann das gut sein? Oder dient es nur dem Vergessen der 49?

 

Heute wird „Urlaub“ oft nur noch geplant, aber viel seltener gemacht, so scheint es mir. Vielleicht liegt es auch daran, dass Dänemark oder Nordsee nicht zu reichen scheinen. Die Ziele liegen in den USA, Indien oder dem Fernen Osten oder auch in Australien. Was helfen tolle Ziele, wenn man zum Schluss doch nicht reist?

Entspannen der Plan und das Träumen schon?

Der gern genannte „Kurzurlaub“ passt dann auch wie die Faust auf’s Auge. Der ist nämlich weniger „Urlaub“ aber dafür vor allem „kurz“.

Viel zu kurz, um sich dabei zu erholen!

 

So ähnlich klingt das oft, auch wieder bei Frauen, mit dem Plan ‚irgendwann will ich auch einen Hund‘.
Der wird dann auch auf das nächste Jahr verschoben oder auf die Zeit, wenn man weniger arbeiten will oder wenn die Kinder ausgezogen sind. Selbst wenn das finanziell gar nicht nötig ist, arbeiten manche auch 40 Stunden in der Woche. Im Urlaub streichen sie dann das weit entfernte Ferienhaus und kommen braun gebrannt aber körperlich angeschlagen zur nächsten 40er Runde zurück.

Da frage ich mich schon, wie viele Leben ihr so habt. Schade, Männer erzählen mir davon so selten.

Andererseits komme ich auch nie aus Europa raus, nicht einmal mit meinen Plänen.

–
„Time is a jet-plane, it moves too fast“

 

 

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