*Hauptgewinn I*
Der Aschenbecher für den morgendlichen Milchkaffee steht heute links von der Sitzbank. Das sind so Kleinigkeiten, die mich früh aus der täglichen Umlaufbahn werfen können. Das passiert natürlich nicht wirklich denn ich räume das ja so hin wie es gehört: Der quadratische Tisch gehört nach links neben meinen Platz und der zylindrische Metallascher nach rechts neben die hölzerne Zweiersitzbank. Das ist zum Ausdrücken der Zigarette nur dann etwas unpraktisch, wenn Sabrina, die Yoga-Lehrerin, vorbeikommt, weil ich dann hinter ihrem Rücken drücken muss. Aber sie würde, genau wie ich, auch nur im Notfall die andere, zweite Bank nehmen. Das sind kleine Elemente der Sicherheit, die man braucht im Leben.
Manchmal kann ich mir auch nicht allles merken. Zum Beispiel weiß ich gar nicht mehr, ob ich mal geschrieben habe, wie man die beste Ehefrau von allen findet. Meine raucht ja nicht und ihr ist es außerhalb der eigenen vier Wände gleichgültig, wo der Ascher in einer Stadt steht. Ihr ist wichtiger, dass der nicht benutzt wird. Andererseits schlägt sie gern für viele Dinge des täglichen Lebens, die sie selten verwendet, feste Plätze vor. Zum Beispiel lasse ich die Hundeleine gern auf der Treppe liegen, weil ich die morgens um 6 so am schnellsten finde. Ich suche die eigentlich fast jeden Morgen, weil der kleine schwarze Hund sich den Platz auch nicht merken kann:
Gegenüber von der Spülmaschine im weißen Schrank an der Wand in der zweiten Schublade von oben, linke Seite, neben dem Vorrat an Hundebeuteln.
Das Halsband hingegen lasse ich immer an der Leine während die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, es gern auf einem Stuhl oder neben der TV-Fernbedienung im Wohnzimmer platziert. Dafür gibt es sozusagen mehrere feste Plätze.
Also meine Frau habe ich damals deshalb gewonnen, weil ich vor einem Vierteljahrhundert alle üblichen Vorsätze und Verfahren kurzzeitig außer Kraft gesetzt habe.
Das habe ich seitdem nie wieder getan.
Zum Beispiel habe ich mir ihre Schallplattensammlung erstens nicht angesehen, weil sie mich abgelenkt hat oder weil gerade 40 „Brigitte“ hinter ihrem Sofa ihren Stapel verließen. Die waren immer hinter ihrem Sofa, wenn ich sie besucht habe. Ich vermute, dass man schnell einen steifen Hals bekommt, wenn man hinter einem Sofa nach einer Zeitschrift grabbelt.
Die Schallplatten:
Shakin‘ Stevens, Grace Jones, Toto, Alison Moyet in der öden Phase nach Yazoo und der Soundtrack zu diesem Film mit „… you’re the one that I want“. Das würde ich keiner anderen Frau durchgehen lassen.
80er eben, das beliebteste Jahrzehnt des deutschen Durchschnittsbürgers und das schlimmste aller Zeiten für mich, modisch und musikalisch.
Zweitens ließ ich Freundinnen in der Anfangsphase gern mein Auto fahren. Wie schnell stellt sich die Fahrerin auf den stets unterschiedlichen Druckpunkt der Kupplung ein? Wird sie im Verkehr hektisch oder gar aggressiv? Lässt sie andere gnädig vor oder drängelt sie fluchend mit dichtem Auffahren?
Das habe ich damals auch vergessen und bin selbst gefahren. Sonst hätte ich nie den Hauptgewinn gezogen und würde mich mit einem kleinen Trostpreis trösten. Oder ganz vielen, das ist zugegeben eine bedenkenswerte Alternative, doch kommt mir dieser Gedanke jetzt vielleicht etwas spät.
Die Geschichte wie man die beste Ehefrau von allen findet, die schreibe ich ein anderes Mal weiter.
Morgentlich ist eigendlich brudal.
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